Test: Toyota GR Yaris
Kompaktsportler trifft Rallyeauto: Yaris-Tag

Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Nein, es gibt noch keine Testwagen! So die Antwort der Toyota-Presseabteilung in Köln auf unsere mehrmaligen, sicher nervigen Nachfragen nach dem neuen Toyota GR Yaris. Die Fans und wir warten sehnsüchtig auf das neue Modell mit Automatik, mehr Power und vielen weiteren interessanten Features.

Im Vergleich zum Vorgänger ist die Sitzposition tiefer, das Cockpit mehr auf Rallye getrimmt. Dem einen gefällt's, dem anderen nicht so.
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Okay, dann nehme ich in der Zwischenzeit eben einen Rallye-Yaris. So mein Spruch im Eifer des Gefechts. In der nächsten Sekunde fiel mir ein, dass der Philip gerade mit so einem Rally2-Yaris unterwegs ist. Der Philip? Ja, der Geipel, der vor zwei Jahren überraschend Deutscher Rallyemeister wurde und die gestandene Konkurrenz gebügelt hatte. Der Philip, der aus einer bekannten Plauener Rallyefamilie stammt, dessen Vater Uwe schon zu DDR-Zeiten im Trabi für Furore sorgte. Der Philip Geipel, der bis vor vier Jahren noch an seiner Karriere im Rundstreckensport arbeitete, im eigenen privaten Team mit einem Audi R8 LMS GT3 gegen die Werksteams kämpfte. Mit Erfolg, 2016 im ADAC GT Masters ein Sieg in Zandvoort und Zweiter auf der Heimstrecke Sachsenring.
Doch irgendwann wurde die Rundstrecke immer teurer, und Vater Uwe hatte da noch eine Idee: "Wir schicken den Jungen mal auf eine Rallye, das muss doch mit dem bisherigem Rundstrecken- Können und den Familien-Genen funktionieren!" Und siehe da, bei seiner ersten Rallye 2019 im Skoda Fabia R5 fährt er direkt hinter den mehrfachen deutschen Rallyemeistern auf Platz vier. Zwei Jahre später der Paukenschlag, Philip krönt sich zum Deutschen Meister, Vater Uwes Ahnung erwies sich als goldrichtig. 2024 dann der Wechsel zum Toyota GR Yaris Rally2, dem neuesten Rallyegerät in dieser Klasse. Und die Telefonnummer vom Philip hatte ich auch schon länger, ich komme schließlich auch aus einer Rallyefamilie, man kennt sich.
Zwei Yaris auf einen Streich
"Hey, Philip, du hast doch diesen neuen Rallye-Yaris? Kann ich den mal fahren? Und hast du als Toyota-Händler zufällig auch schon einen Straßen-GR-Yaris?" Philip: "Ja, ja und ja! Wann willst du kommen? Ich kann dir eine Rallyeprüfung absperren, und du kannst beide Autos testen." Erst dachte ich, der veräppelt mich. Nach mehrmaligen Nachfragen wurde er konkreter und meinte das anscheinend wirklich ernst. Der Wahnsinn, mein Geburtstag und Weihnachten sollten diesmal also schon im August stattfinden?

Der Fahrer sitzt perfekt im Cockpit, hat alle Hebel sicher in der Hand, die Sitzposition ist für eine gute Sicht nach vorn nicht zu tief.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Richtig, Philip und sein Team Speedlife um Lisa und Max Koch standen wie verabredet am Montagmorgen direkt nach dem zweiten Platz bei der Rallye Stemweder Berg auf dem Parkplatz am Schleizer Dreieck. Der Rallye-Yaris brabbelte sich schon warm, Philip putzte das Straßenauto, plötzlich kommen eine Horde Autos um die Ecke. Ruhestörung der Anwohner? Wir sind doch noch gar keinen Meter gefahren? "Das sind unsere Streckenposten und die Bürgermeister", grinst Philip. Wie bitte? Er hat das wirklich ernst gemeint mit der Rallye-Wertungsprüfung zum Testen. Die Bürgermeister von Oettersdorf und Neundorf sowie Jochen Hellmuth (RD Rodung) sind langjährige Unterstützer von Philip, ermöglichen ihm immer für Testfahrten die Nutzung einer vier Kilometer langen Landwirtschaftsstraße nahe Pörmitz. Gespickt mit Vollgaspassagen, schnellen und engen Kurven sowie einer Schotterpassage. Bevor wir zu der 15 Kilometer entfernten Rallyestrecke fahren, schieße ich mich auf dem Schleizer Dreieck etwas ein und lasse mir das Rallyeauto erklären.
"Im Prinzip ist das beinahe Serientechnik, Dreizylinder-Turbo, ein bisschen breitere Backen und Spur, Allrad und die üblichen Rallye-Extras wie Käfig, Schalensitze, Feuerlöschanlage. Leistung mit 285 PS reglementbedingt nur etwas mehr als das Serienauto, beim Getriebe gibt es nur fünf anstatt sechs (Handschalter) und sieben Gänge bei der Automatikversion."
Klingt alles gar nicht so gewaltig und kompliziert, oder? Na ja, als ich mich in die Sitzschale reinpresse und im Cockpit umschaue, ist das schon Motorsport pur. Bereits mit Standgas ist es innen herrlich laut, es riecht nach Benzin und Abgasen, so muss das sein. Keine Spur von Komfort oder Klimaanlage, die Lüftung bläst direkt die Motorwärme ins Gesicht, frische Luft gibt es nur während der Fahrt über die Dachluke und die schmalen Ausschnitte der Schiebefenster in den Makrolon-Seitenscheiben.
Erstkontakt mit dem Rallyeauto
Vor mir ein Lenkrad mit genauso vielen Knöpfen wie im Serienauto, aber mit Funktionen wie Launch Control und Stage/Road Mode statt Radiolautstärke und Spurhalteassistent. Im kleinen Display vor mir nur die Ganganzeige und km/h, rechts unten in der Mittelkonsole ein Digitalbildschirm zum Einstellen und Checken von Motor und Co. Darüber zwei massive Knüppel, links der Schalthebel für das sequenzielle Getriebe, rechts die Handbremse gelb markiert, beides perfekt in Griffnähe.
Im Serien-GR-Yaris sitzt man nun etwas tiefer als früher, das Cockpit ist neu gestaltet, mehr Motorsport, wie ich finde, vor dem Lenkrad ein sportliches Display, in unserem heutigen Fall schalten wir über Wippen am Lenkrad.

Schotter und Gravel-Mode, das funktioniert beim neuen GR Yaris prächtig.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Gewicht? Beide Autos in etwa gleich, 1230 zu 1300 Kilogramm. Räder, Reifen, Fahrwerk? 18 Zoll haben beide, der Rallye-Yaris ist mit 235 zu 225 etwas breiter besohlt, die Profile sehen ähnlich aus, Bremsen in etwa gleich groß, Philips Auto trägt aber spezielle, hitzebeständigere Scheiben und Beläge. Beim Fahrwerk gibt es die größten Unterschiede, komplett in Höhe und Härte verstellbar im Rally2, fixes Setup im Straßenmodell.
Allrad? Bei der Serienversion wie gehabt verstellbar (Normal 60:40, Track 60:40 oder 30:70, Gravel 53:47), im Rennwagen fix 50:50, man kann aber über diverse Einstellungen in den beiden mechanischen Differenzialen zum Beispiel die Sperrwirkung und damit Unter- und Übersteuern anpassen. Die Bremsbalance lässt sich nur über diverse Hauptzylinder verstellen, nicht wie früher über einen Hebel im Auto. Die FIA hat extra wenig Verstellungen zugelassen, für weniger Kosten und mehr Spektakel. "Das Setup ist das A und O bei diesen Rally2-Autos. Die Leistung ist bei allen Autos dieser Klasse etwa gleich, der Speed ist nicht hoch, die Kunst ist es, das Auto immer laufen zu lassen und die Geschwindigkeit überall mitzunehmen", sagt Philip.

Expertengespräch: Bester Rallyetalk mit Max Koch (l.) und Philip Geipel.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Genug der Theorie, kurzes Einrollen hier am Schleizer Dreieck. Eine Runde im Straßen-Yaris genügt, das Auto ist nicht ganz neu, die Automatik arbeitet schnell, passt, weiter ins Rallyeauto. Gurte festgezurrt, der erste Gang rastet mit einem metallischen Klacken ein, Kupplung zart kommen lassen und los. Sobald die Kiste rollt, wird ohne Kupplung am Schalthebel gezogen, geht butterweich. Im Road Mode ist der Dreizylinder zwar deutlich lauter, aber fast schon ein bisschen zurückhaltender im Beschleunigen als beim Straßenauto. Dennoch, das Feeling in Philips Auto ist beeindruckend, es rasselt, es vibriert, die Differenziale summen. Ich bin gespannt, wie das gleich auf der Rallyeprüfung im Stage Mode vorwärtsgeht.
Staubige Ausfahrt
An der Strecke angekommen, verteilen sich die Streckenposten, die Bürgermeister geben ihren Mähdrescher-Fahrern eine Pause. Es ist brütend heiß, Regenschirme werden zu Sonnenschirmen. Und ich habe vor Aufregung meinen Fahreranzug in der Redaktion liegen gelassen. Philip hat seinen dabei, leiht ihn mir. Der Sachse ist optisch etwas sportlicher als ich, dennoch passe ich gerade so in den quietschgelb-blauen Anzug hinein.
Die Posten geben ihr Go, die Strecke ist frei. Philip zeigt mir die Route, dann zwei Runden im Straßen-Yaris. Herrlich, Klimaanlage und weiche Sportsitze, der Motor hängt gut am Gas, die Automatik gefällt, im Schotter dreht das Heck leicht mit, das macht schon Spaß. Dann eine schnelle Runde im Rallyeauto mit Philip am Steuer. Wow! Trotz nur 285 PS schiebt das Auto richtig derb an. Pilot, Fahrwerk und Rallyereifen harmonieren in Perfektion. Kein aggressives Anbremsen vor den Kurven, dafür viel Linksbremsen und Auto auf Speed halten. Die Links-Rechts im Schotter wird mit der Handbremse und perfektem Gaseinsatz sauber gelöst, Steine prasseln in die Radhäuser, das Umluftsystem knattert mit dem Auspuff um die Wette, mein Grinsen könnte nicht breiter sein.

Obwohl mit dem Rally2 keine Topspeeds von 200 und mehr möglich sind – Abtrieb kann er.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Vielleicht doch? Ich darf endlich ans Steuer, Philip und die Kochs spielen die Zuschauer an der Strecke. Im soften Road Mode geht es hinunter zum Start, Handbremswende funktioniert, Drehschalter am Lenkrad auf "Stage", der Dreizylinder knattert und zwitschert, Vollgas, Kupplung raus und ab geht die wilde Fahrt.
Hinterm Steuer fühlt sich der Schub aber nicht ganz so heftig an wie gerade auf dem Beifahrersitz. Dennoch, es ist schnell. Trotz guter Lüftung übers Dach läuft mir schon nach der ersten Runde der Schweiß über die Stirn, der Ritt ist harte Arbeit. Mit der Hand oben rechts werden die Gänge entweder reingerissen oder durchgedrückt. Mit feinfühligem, aber bestimmtem Linksbremsen hältst du die Fuhre auf der Linie, das geht echt perfekt. Im Nu ist man im fünften Gang, Tacho 170, die Straße ist so breit wie das Auto. Schnelle Rechts in Vierter-Gang-Links, hartes Anbremsen für die Zweiter-Gang-Rechts bergab in den Schotter. Kurz an der Handbremse gerissen, das Heck dreht sich fein ein, übers Gaspedal bestimmst du Driftwinkel und Schwung in die nächste Links. Das hat gepasst, ich glaube, Philip, den Kochs und der Fotografin hat das auch gefallen. Nach drei weiteren Durchgängen steige ich aus, den Yaris Rally2 am Limit zu bewegen, traue ich mir hier nicht zu. Das Level beherrschen nur Profis wie Philip.
Auf jeden Fall ist klar, man gewöhnt sich sehr schnell an die Abläufe, du fährst das Auto und nicht andersherum. Den Speed durch die Kurven mitzunehmen, dazu braucht es aber deutlich mehr Können und Kilometer. Übrigens, den bunten Toyota kann man höchstwahrscheinlich 2025 live bei der Deutschen Rallyemeisterschaft erleben.
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