Timo Glock, nach zehn Jahren als BMW-Werksfahrer ist auf Wunsch von BMW Ende 2022 Schluss. Sie haben den Abschied auf Instagram öffentlich gemacht. Wie schwer fiel das?
Timo Glock: Nach zehn Jahren geht mir so ein Post schon nahe. Aber es kam ja nicht von heute auf morgen. Ich habe schon relativ früh im Jahr die Tendenz gespürt.
In der DTM fuhren Sie letztes Jahr mit Rowe Racing hinterher. Haben Sie Ihren Speed verloren?
Nein. Dass ich noch schnell Auto fahren kann, habe ich dieses Jahr in der italienischen GT-Meisterschaft bewiesen. Ich bin selbstbewusst genug zu sagen: An meinen Fähigkeiten hinterm Steuer hat es nicht gelegen.
Als Sky-Experte sind Sie in der Formel 1 dabei. Aber wie geht es auf der Rennstrecke nun für Sie weiter?
Mit meinen 40 Jahren gehöre ich nicht zum alten Eisen und brauche auch kein Gnadenbrot. Ich möchte weiterhin Rennen fahren, habe das Kapitel nicht abgeschlossen und bin für alles offen. In Monaco hat mich zum Beispiel Patrick Dempsey (Hollywood-Star und Porsche-Botschafter; d. Red.) gefragt, ob wir nicht mal ein Rennen fahren wollen. Vielleicht rufe ich ihn mal an (lacht).
Dass Sie eine DTM-Affinität haben, ist klar. Würden Sie gern auch mal in Le Mans fahren?
Unbedingt! Sowohl das LMDh-Thema als auch die GT3-Autos sind interessant, die ja ab 2024 auch in Le Mans wieder zum größeren Thema werden.
Timo Glock bei seinem DTM-Gaststart in Imola.

Was sagt es über den Motorsport in Deutschland, wenn ein ehemaliger Formel-1-Star auf dem Markt ist?
Viel. Denn die viel wichtigere Frage ist doch: Wo soll der Nachwuchs herkommen? Die Nachwuchsklassen fahren in Deutschland unter dem Radar. Gleichzeitig fragt man sich, warum die Formel 1 nicht mehr hierzulande fährt. Aber wenn die Rennstrecken allein gelassen werden, können sie das Budget nicht stemmen. Der Motorsport hat in Deutschland definitiv ein größeres Problem.
Wie sehr fehlen da auch die Hersteller in der DTM?
Sehr. In der DTM haben sich bis 2020 nicht nur Privatteams, sondern die deutschen Hersteller präsentiert. Das wiederum hat die Plattform interessant für Sponsoren gemacht, Geld gebracht und die Integration von Nachwuchskategorien ermöglicht. Weil sich die Hersteller zurückgezogen haben, fällt das nun weg. Das Problem ist, dass sich momentan kaum jemand mit Motorsport schmücken will, weil er als klimaschädlich und rückwärtsgewandt gilt. Das hat die komplette Basis zerstört.
Und nun?
Ich finde, man sollte den Motorsport wieder als Forschungslabor und Beschleuniger für eine neue, nachhaltige Mobilität nutzen. Das Thema E-Fuels zeigt doch, wie die Formel 1 in Zukunft eine Vorreiterrolle einnehmen kann und will (ab 2026; d. Red.). Der Motorsport sollte genutzt werden, um solche Themen – sei es E-Mobilität, nachhaltige Kraftstoffe, hocheffiziente Verbrennungsmotoren oder moderne Materialien – nach außen zu tragen. Damit hätte er gerade jetzt einen großen Wert für die deutschen Autobauer.
Gleichzeitig braucht der Sport aber Helden wie Sie, um Nachwuchs anzuziehen.
Absolut. Auch ich habe damals vorm Fernseher gesessen, die DTM verfolgt und Legenden wie Roberto Ravaglia oder Jockel Winkelhock in den BMW-Farben fahren sehen. Und dann wurde natürlich Michael Schumacher mein Held. Ich glaube, dass es auch heute noch so ist, dass die Jungs und Mädchen Idole brauchen. Aber wenn die Helden nicht mehr gefeiert werden, fehlen die Vorbilder für künftige Generationen. Deshalb müssen wir da gemeinsam angreifen, bevor es zu spät ist.

Von

Bianca Garloff