Toyota Aygo: Gebrauchtwagen-Test
Lohnt sich ein gebrauchter Aygo?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Zwischen reiner Fortbewegung und automobiler Leidenschaft ist es normalerweise ein gewaltiger Spagat. Der vom Sommer 2014 bis Winter 2021 gebaute Aygo II (werksintern AB1) von Toyota lief im tschechischen Kolín gemeinsam mit Citroën C1 und Peugeot 108 vom Band. Er möchte ein Pragmatiker sein, der mit Charme punktet. Doch was erwartet Gebrauchtkäufer des erstaunlich wertstabilen Toyota Aygo?
Der Aygo will Spaß machen
Das ist er: Toyotas XS-Statement zeigt, dass ein Kleinstwagen nicht zwangsläufig trist sein muss. Unser Testwagen trägt bereits das 2018 eingeführte Facelift. Durch die markante Frontpartie mit charakteristischem "X"-Design und abgesetzten Karosserieflächen wirkt er selbstbewusst. Das mutige Styling setzt sich in den seitlichen Sicken und dem markanten Heck mit Glasklappe fort. Der Aygo will ein günstiger Spaßmacher sein, während viele seiner Kleinstwagen-Konkurrenten primär Funktionalität ausstrahlen. Das minimalistische Format punktet besonders in Großstädten mit kleinen Parklücken. Die Eitelkeit der Neuwagenkunden bedienten vielfältige Individualisierungsmöglichkeiten: bunte Zierleisten und Kontrast-Dachfarben setzen optisch Statements. Mit Goodies wie einer Lederausstattung, Alufelgen und E-Faltdach bekommt der Aygo eine luxuriöse Note.

2019 kostete unser Testwagen neu 12.640 Euro. Durch die hohe Nachfrage nach Kleinstwagen mit Benzinmotor ist der Werterhalt erstaunlich hoch.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Ein durchdachtes Auto mit ordentlicher Qualität.
Das hat er: Für einen automobilen Zwerg überrascht der Aygo mit einer durchaus ordentlichen Ausstattung. Bereits in der Basisversion "x" fahren ABS, ESP und sechs Airbags mit. Besonders hervorzuheben ist das im Jahr 2019 aufgefrischte Multimediasystem mit einem sieben Zoll großen Touchscreen-Display, das mit Apple CarPlay und Android Auto unterschiedlichste Smartphones unterstützt. Für einen Kleinstwagen eine solide Investition in digitale Vernetzung – nicht nur ein Accessoire, sondern fast schon ein Symbol für den Anspruch des Berufsjugendlichen Aygo, mit der Zeit zu gehen. Optional stehen Komfort-Features wie eine Rückfahrkamera mit Hilfslinien, ein schlüsselloses Zugangssystem oder eine Klimaautomatik zur Verfügung, die den Alltag angenehmer machen.
Technische Daten
1.0 VVT-i | 1.0 VVT-i | 1.0 x-shift | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 998 cm³ | 998 cm³ | 998 cm³ |
Leistung | 51 kW (69 PS) bei 6000/min | 53 kW (72 PS) bei 6000/min | 53 kW (72 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 95 Nm bei 4300/min | 95 Nm bei 4300/min | 95 Nm bei 4300/min |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h | 160 km/h |
0–100 km/h | 14,2 s | 14,2 s | 15,5 s |
Tank/Kraftstoff | 35 l/Super | 35 l/Super | 35 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang manuell/Vorderrad | Fünfgang manuell/Vorderrad | Fünfgang automatisiert/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 3455/1615/1400 mm | 3465/1615/1460 mm | 3465/1615/1460 mm |
Kofferraumvolumen | 168-812 l | 168-812 l | 168-812 l |
Leergewicht/Zuladung | 915/325 kg | 915/325 kg | 915/325 kg |
Doch auch ohne diese preistreibenden Extras ist der Aygo ein durchdachtes Auto mit ordentlicher Qualität. Die Sitze mit den vollintegrierten Kopfstützen sind angenehm straff gepolstert und bieten auch auf längeren Strecken passablen Seitenhalt. Große Fahrer können sich jedoch an der fehlenden Längsverstellung des Lenkrads stören. Im Fond bleibt es, typisch Kleinstwagen, sehr eng. Der Aygo ist primär ein Zwei-plus-zwei-Sitzer für Kurzstrecken und definitiv kein verkapptes Familienauto für lange Urlaubsfahrten.

Teils digitales Cockpit mit verspielter Note. Die Bedienung gelingt dennoch nach kürzester Eingewöhnung.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Moderater Fahrspaß in der Stadt, auf der Autobahn nur geduldet
So fährt er: Unter der Haube werkelt stets ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugmotor. Was auf dem Papier bescheiden ausschaut, reicht in der Stadt für moderaten Fahrspaß: Das Fahrzeuggewicht von weniger als einer Tonne lässt den drehfreudigen Motor agil wirken. Pluspunkte des Aygo sind seine Wendigkeit und das leichtgängige Fünfgang-Schaltgetriebe. Auf der Landstraße und bei Überholmanövern spürt man schnell die Grenzen des Konzepts: Der Motor muss ausgedreht werden, um passabel Tempo aufzunehmen. Dabei meldet sich der Dreizylinder mit einem kehligen Röhren und wird durstig.

Knapp über 900 Kilo Leergewicht machen den Aygo zum verkappten Kurvenräuber.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Fahrwerksabstimmung ist straff genug für präzise Lenkmanöver, schluckt dabei kleinere Bodenwellen passabel. Auf Autobahnen wird der Aygo bestenfalls geduldet. Bei Richtgeschwindigkeit kratzt man an der akustischen Belastungsgrenze, fährt jedoch stabil und sicher. Ein Tempomat in der "x-clusiv"-Ausstattung hilft dabei, den Geräuschpegel auszuhalten.
Stärken
- Gute Wirtschaftlichkeit
- Solide Sicherheitsausstattung
- Fixkosten erfreulich niedrig
Schwächen
- Gemessen am Neupreis hohes Gebrauchtpreisniveau
- Raumangebot in Fond und Kofferraum beengt
- Mäßiger Komforteindruck
Das macht Ärger: Toyota bot drei Jahre oder 100.000 Kilometer Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie und 12 Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Der Dreizylindermotor ist robust, zeigt jedoch häufiger Ölverlust. Eigner berichten vor allem bei höheren Laufleistungen von Klappergeräuschen im Innenraum. Diese lassen sich meist auf die einfache Materialauswahl und harte Kunststoffverkleidungen zurückführen. Nicht immer optimal funktionieren Infotainmentsystem und Kamera. Software-Updates können Abhilfe schaffen. Die Bremsen sind ausreichend dimensioniert, zeigen jedoch früh Verschleißerscheinungen, vor allem bei Fahrzeugen, die viel im Stadtverkehr genutzt wurden. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind sieben Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,2 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 93 g/km |
Inspektion | 220-450 Euro |
Haftpflicht (18)* | 563 Euro |
Teilkasko (13)* | 613 Euro |
Vollkasko (15)* | 807 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 20 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 545 Euro |
|---|---|
Anlasser | 849 Euro |
Wasserpumpe | 417 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 450 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1220 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 560 Euro |
Infotainmenteinheit | 3917 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 165/60 R 15 T) | 400 Euro |
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