Toyota Corolla (E21): Gebrauchtwagen-Test
Lohnt sich der gebrauchte Corolla?

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Als Synonym für Zuverlässigkeit hat der Corolla von Toyota hierzulande seit Jahrzehnten eine feste Fangemeinde. In Deutschland wurde der Corolla erstmals 1971 angeboten, weltweit hat sich der Kompakte bereits über 50 Millionen Mal verkauft. Die aktuelle Generation des Corolla trägt den internen Code E21 und ist die zwölfte.
Der Corolla ist noch immer ein sehr pragmatisches Auto
Das ist er: Äußerlich hat die seit 2019 angebotene Corolla-Generation ihre biedere Note früherer Jahrgänge weitgehend abgelegt. Neuwagenbesteller mussten sich zwischen dem kompakten Fünftürer (Hatchback), der Stufenhecklimousine und dem Kombi Touring Sports entscheiden. Die Front müht sich mit schmalen LED-Scheinwerfern und einem schlundartigen Grillgitter um einen dynamisch-aggressiven Look. Diese sportliche Note steht jedoch im Kontrast zur ansonsten strengen Funktionalität des Fahrzeugs. Der Corolla blieb in erster Linie, wie von seinen Vorgängern gewohnt und geschätzt, ein sehr pragmatisches Auto, das für nahezu jede Alltagssituation taugt.

Mit 4,65 m Länge erreicht der Corolla Kombi das noch vor zehn Jahren übliche Mittelklasse-Format.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Im Innenraum fällt die solide Verarbeitung sofort auf, auch wenn die Materialwahl stellenweise – insbesondere in den einfachen Ausstattungslinien – etwas unter den Erwartungen bleibt. Knacken oder knistern tut bei unserem fast 100.000 Kilometer gelaufenen Testwagen vom Autohus in Gyhum/ Bockel (bei Bremen) nichts. Mit harten Plastikpartien und einfache Oberflächen muss man leben können. An diesem Punkt hat das Gros der europäischen Marken inzwischen zumindest vordergründig mehr zu bieten.
Technische Daten
1.2 Turbo | 1.8 Hybrid TS | 2.0 Hybrid TS | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder-Hybrid/vorn quer | Vierzylinder-Hybrid/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1197 cm³ | 1798 cm³ | 1987 cm³ |
Leistung | 85 kW (114 PS) bei 5200/min | 72 kW (98 PS) bei 5200/min | 112 kW (152 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 185 Nm bei 1500/min | 142 Nm bei 3600/min | 190 Nm bei 4400/min |
Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h | 180 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 9,3 s | 11,1 s | 8,1 s |
Tank/Kraftstoff | 43 l/Super | 43 l/Super | 43 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Eingang-CVT/Vorderrad | Eingang-CVT/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4370/1790/1435 mm | 4653/1790/1435 mm | 4653/1790/1435 mm |
Kofferraumvolumen | 361-1024 l | 598-1606 l | 581-1606 l |
Leergewicht/Zuladung | 1240/580 kg | 1290/545 kg | 1370/585 kg |
Doch beim Corolla geht es eben nicht primär um Optik, sondern um einfache Funktion und hohe Langlebigkeit. Und da stiehlt ihm so schnell keiner die Show. Der Corolla setzt ganz traditionell auf ein aufgeräumtes und ergonomisches Cockpit mit echten Schaltern. Und wer die laut Scheckheft vorgesehenen Servicetermine einhält, der darf sich seit Mitte 2021 über rekordverdächtige 15 Jahre oder 250.000 Kilometer Toyota-Garantie freuen. Was teure Reparaturrisiken langfristig zusätzlich reduziert.
Die Sitzposition in Reihe eins ist für Fahrer bis 1,90 Meter relativ bequem, auf der Rückbank ist das Raumgefühl jedoch spürbar eingeschränkter. Voll familientauglich und gebraucht kaum teurer ist übrigens der von uns gefahrene Kombi. Er baut länger und bietet mit bis zu 1606 Litern Kofferraumvolumen reichlich Nutzwert. Der Fünftürer hingegen ist mit 361 bis 1024 Litern im Kofferraum spürbar knapp bemessen.
Rückfahrkamera und Parksensoren müssen sein
Das hat er: Hybridpionier Toyota wusste bereits vor 25 Jahren, wie man einen alltagstauglichen und langlebigen Hybridantrieb konstruiert. Von der Komplexität der Antriebstechnik bemerkt man im Alltag nichts. Die Übersichtlichkeit des Fahrzeugs ist besonders nach hinten nicht optimal. Eine Rückfahrkamera und Parksensoren sind daher unabhängig von der favorisierten Ausstattungslinie ein Muss.

Nüchternes Cockpit mit eher einfachen Kunststoffen, das Infotainment wirkt altmodisch.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Toyotas Hybridtechnik ist ausgereift
So fährt er: Je nach Dynamik- und Technologieanspruch stehen verschiedene Antriebsoptionen zur Wahl. Den eher unbeliebten Einstieg bildet ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit 116 PS. Dieser ist nicht wirklich lahm, aber wenig innovativ und eher für Wenigfahrer interessant. Herzstück der Corolla-Modellreihe sind die beiden Hybridvarianten: ein 1,8-Liter-Hybrid mit 122 PS Systemleistung (98-PS-Benziner und 72-PS-E-Motor) sowie als 2,0-Liter-Hybrid mit 180 PS Systemleistung. Sie demonstrieren Toyotas hohe Hybrid-Kompetenz. Beide kombinieren Verbrenner und E-Motor überzeugend und sind für hohe Laufleistungen gut. Unter Last und bei schneller Fahrt wirkt das Antriebskonzept durch das CVT-Getriebe und die hohen Drehzahlen gequält.

Straff gefedert, aber dennoch nicht sonderlich agil meistert der Corolla schnell angefahrene Kurvenpassagen.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Im Alltag sind Verbräuche von 4,5 bis 6 Litern realistisch. Der 2,0- Liter-Hybrid bietet mehr Dynamik, verbraucht bei zügiger Fahrweise jedoch deutlich mehr. Die Hybridtechnik von Toyota ist ausgereift und robust, auch in der Langzeitbetrachtung gibt es bislang kaum ernste Probleme mit der Nickel-Metallhydrid-Batterie oder dem Elektromotor.
Stärken
- Gute Wirtschaftlichkeit
- Ausgereifter Hybridantrieb
- Garantie enorm lang
Schwächen
- Interieur eher schlicht
- Fahrwerk bestenfalls durchschnittlich
- Bei Schnellfahrt als Hybrid arg angestrengt
Im Detail altert der Corolla nicht makellos
Das macht Ärger: Toyota gewährt mindestens drei Jahre oder 100.000 Kilometer Neuwagen- und Lackgarantie sowie zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Gravierende konstruktive Mängel sind äußerst rar. Die werksseitige Konservierung ist nicht optimal, teilweise berichten Besitzer bereits nach vier Jahren von ersten Rostnestern am Unterboden, insbesondere an Schweißnähten. Die Bremsanlage könnte langlebiger sein. Ein weiterer Knackpunkt sind die vielfältigen Ausfälle des mäßigen Infotainmentsystems. Rückrufe gab es wegen fehlerhafter Bremskraftverstärker, loser Windabweiser am Panoramadach und eCall-Problemen.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,0 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 83 g/km |
Inspektion | 250-500 Euro |
Haftpflicht (17)* | 482 Euro |
Teilkasko (24)* | 664 Euro |
Vollkasko (21)* | 1038 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 36 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 2100 Euro |
|---|---|
Hybrideinheit | 4300 Euro |
Wasserpumpe | 1618 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 420 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1203 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 551 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1982 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 205/55 R 16 91V) | 550 Euro |
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