Wer in den Vereinigten Emiraten unterwegs ist, kann ihn kaum übersehen: Der Toyota Land Cruiser 200, dort meist weiß lackiert, fährt hier überall herum – fast ein Standardauto für Einheimische, die ein robustes Fahrzeug brauchen, bei Platz und Komfort aber keine Zugeständnisse machen wollen. 
Das kann man auch als Mitteleuropäer gut verstehen, denn Platz bietet der fast fünf Meter lange und fast zwei Meter breite Land Cruiser mit seiner aufrecht-schnörkellosen Linienführung zuhauf. Der Komfort kommt dank konsequenter Geräuschdämmung und sorgfältig abgestimmtem Fahrwerk auch nicht zu kurz. Die 200er in unseren Breiten haben meist die Zusatzfederung eingebaut, die von vielen fälschlicherweise als Luftfederung bezeichnet wird, in Wahrheit aber eine Hydropneumatik ist – also mit Federelementen à la Citroën, die mit Gas und Hydrauliköl arbeiten. Diese Federung trägt den Aufbau aber nur mit, weshalb bei einem Ausfall des Systems die Karosserie nicht absackt, sondern von den immer noch tragenden Schraubenfedern gestützt wird. Solche Ausfälle sind aber auch zwölf Jahre nach Erscheinen des Land Cruiser 200 selten. Ursache sind meist Störungen an einem der Höhenstandssensoren. Kosten: rund 100 Euro pro Stück.

Der Motor ist die Achillesferse des Land Cruiser 200

Viel wichtiger ist allerdings, dass wir uns in dieser Kaufberatung mit dem Motor beschäftigen, denn der ist die eigentliche Achillesferse des Land Cruiser 200 – nicht der V8-Benziner, der zwar säuft, aber sonst unauffällig seine Dienste leistet, dafür aber der V8-Turbodiesel. 
Toyota Land Cruiser 200 V8
Frühe Exemplare des V8-Turbodiesels haben Injektorenprobleme, alle Baujahre kämpfen mit der Abgasrückführung.
Er schockierte die langlebigkeitsgläubige Land-Cruiser-Gemeinde in den ersten beiden Baujahren mit hohem Ölverbrauch, unregelmäßigen und harten Nagelgeräuschen, unmotiviert aufleuchtenden Warnlampen, zudem mit Materialmängeln wie rascher Abnutzung von Lenkradbezug und Ledersitzen oder Türinnengriffen. Eigentlich muss man konstatieren, dass Toyota den 200 V8 nicht ganz zu Ende konstruiert hatte. Der hohe Ölverbrauch lag an zu laschen Kolbenringen und einer schlecht funktionierenden Kurbelgehäuseentlüftung; die Warnlampe bezog sich meist auf den Kraftstofffilter, der zu eng konzipiert war. Das besserte Toyota an den Kundenautos nach, hoffentlich ausnahmslos. So ganz genau weiß man das aber nicht, weshalb die Exemplare ab 2010 bei Kennern begehrter sind. Auch die trifft ein verkokter Ansaugtrakt – ein Problem zahlreicher Motoren in der heutigen Zeit der Direkteinspritzer mit gleichzeitig hohen Raten bei der Abgasrückführung. Der V8 D-4D ist aber auf eine korrekt arbeitende Abgasrückführung angewiesen, sonst läuft er nur im Notprogramm.Heftiger sind die Probleme mit den Injektoren, den elektronisch geregelten Einspritzventilen. Die Zulieferteile von Denso/Japan können nachtropfen oder schief einspritzen, dadurch kapitale Motorschäden verursachen. Der Motor selbst hat acht Injektoren, dazu kommen noch zwei vor jedem der beiden Dieselpartikelfilter. Stückpreis: rund 400 Euro ohne Einbau. Darüber macht sich in Dubai niemand Gedanken, denn dort fährt man Benziner.Fazit von Martin Braun: Ein Trumm von einem Auto mit tretminensicherem Unterbau, aber mit einem empfindlichen und hochkomplexen Dieselmotor. Bei dem braucht man viel Glück oder viel Geld, um ohne Ausfälle über die Jahre zu kommen.

Von

Martin Braun