Toyota-Technik im Muscle Car: Pontiac Le Supra
Ein Typ aus zwei Welten

Ferrari Enzo oder Maybach 62? Hat jeder Scheich. Ein Muscle Car mit Toyota-Technik gibt es aber nur einmal. In Hamburg, in der Garage unseres Kollegen Ralf Becker. Bis zur endgültigen TÜV-Abnahme waren 500 Arbeitsstunden fällig. Arbeit, die lohnte.
Bild: Ralf Becker
- Nikolaus Eickmann
Ralf Becker ist das größte Kind von autobild.de. Sein Job ist sein Hobby, eigentlich sollte man dem Produktmanager kein Geld bezahlen. Autos und Internet, die Welt von Becker. Welche Autos? Seine Vorlieben sind etwas ... speziell. Ralf mag Muscle Cars älterer amerikanischer Bauart. Und, jetzt kommt wieder der Produktmanager an die Oberfläche, er schätzt auch hoffnungslose Projekte. Eines Tages quälte er die Kantinenrunde mit dem Plan, einen japanischen Motor in einen alten Pontiac Le Mans zu schrauben. Gähn! Klingt wie die Phantasie eines Zehnjährigen, wie gesagt: Becker ist ein großes Kind. Entsprechend egal war mir sein Plan, daraus wird ja sowieso nie etwas. Dachte ich.
Sohn Carl weinte, wenn er den Blechhaufen hörte

Bild: Ralf Becker
Ab Fließband bemühte sich ein Sechszylinder um artgerechte Forbewegung des Pontiac, doch eigentlich war das Auto nicht mehr als ein rollender Pflegefall. Nebenbei war das Coupé unglaublich lahm, jeder gut gelaunte Musterschwiegersohn im VW Polo zeigte Becker die Heckleuchten. Da der Sechser auch nicht gerade als vollgasfest galt, wurde aus dem Plan harte Realität: Raus mit dem alten Motor, rein mit Japan-Technik!
Wenn Becker nicht schraubt, setzt er auf Erwachsenenbildung. Etwa den Kultfilm "The Fast And The Furious Tokyo Drift", hier macht ein Mustang mit Nissan Skylinemotor auf sich aufmerksam. Irgendwie kam er auch an Michael Wolf von West Coast Resto, eine Ikone der Fraktion "Schrauber ohne Grenzen". Skyline fand sich keiner, dafür ein Toyota Supra. Baujahr 1991, 3.0 Liter 24V Turbo mit Ladeluftkühler. Ganz fit war leider auch dieser Motor nicht, vielmehr zeigte er einen kapitalen Motorschaden. Gerissenes Pleuel, verbogene Ventile. Gut, dass Ralf Becker sein Büro mit Jens-Peter Wilde teilt. Ebenso Produktmanager, ebenso autoverrückt. Wilde kennt Ersatzteilhändler in nahezu jedem amerikanischen Kuhdorf. Gut so, denn die Wunschliste von Becker war reichlich gefüllt. Eagle Rods, JE Pistons, Haltech ECU, Blowoff Valve, Wastegate, Turbolader. Der Zylinderkopf und die Kurbelwelle wanderten ungefragt zum Neuaufbau in die Motoren-Instandsetzung.
Der Motor kam in Begleitung eines Getriebes, das nicht passte

Bild: Ralf Becker
Nicht nur grobe Arbeiten machten das Projekt komplett, auch Tüfteleien waren gefragt. Die Toyota-Motorsteuerung machte einem frei programmierbaren Motormanagement von Haltech Platz, Becker kann nun per Notebook sein Auto bei Laune halten. Welch Freude für einen Computerfreak! Die größte Überraschung ist aber nicht, dass der Wagen sich aus freien Stücken bewegt. Sondern die TÜV-Eintragungen, alles, wirklich alles ging beim Prüfer durch.
Becker muss sich nun im Alltag immer wieder interessierten Fragen stellen. Darf man das? Muss das sein? Nicht alle in der Szene finden den Pontiac LeSupra gut. Unklug, freut sich doch auch Bruder Baum über das plötzlich abgasarme Verhalten, der Eingriff diente also durchaus auch dem Klimaschutz. Das freut die Eisbären am Pol. Becker freut sich gleichermaßen über die Nemesis-Felgen von AEZ und die Spurverbreiterung von Eibach.
Mehr als 500 Stunden Arbeit investierten die Hardcore-Schrauber. Freud und Leid, Glück und Tränen – dieses Projekt kannte alle Phasen. Möge der mattschwarze Blech-Dino noch lange und vor allem problemfrei durch den Verkehr pflügen.
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