Mit Zwillingen ist das bekanntlich so eine Sache. Äußerlich mögen sie sich zum Verwechseln ähneln. Aber ihre Charaktere können ganz schön auseinanderdriften. Zwei solche Brüder sind der Porsche 911 GT3 Cup und der Porsche 911 GT3 R.
Beide stammen von der gleichen Basis ab, dem Serienmodell 911 GT3 der Baureihe 992. Und das ist mit Leichtbauteilen, 4,0-Liter-Hochdrehzahl-Saugmotor und 510 PS bereits konsequent auf Rennstrecke getrimmt. Wie unterschiedlich die beiden Rennwagen jedoch sind, durften wir auf dem 4,3 Kilometer langen Kurs in Estoril (Portugal) selbst erfahren.
Platz nehmen im 911 GT3 Cup. Technisch gleiche Autos sind oberstes Gebot der Porsche-Markenpokale, für die dieser Rennwagen bestimmt ist. Dennoch ist das bronzefarbene Exemplar ein besonderes: Nummer 5000 von allen Cup-Autos, die Porsche seit 1990 gebaut hat.
Der Porsche 911 GT3 R ist der DTM-Champion.
Bild: Rossen Gargolov / Porsche AG
Wenig später knurrt mich der Sechszylinder-Boxer von hinten giftig an. Beim Rausbeschleunigen aus Kurven stimmt er eine Symphonie an, die aus hell singendem Getriebe und voluminös jaulendem Motor komponiert ist – und erst bei 8750 Touren endet. Blitzend mahnen mich alle Schaltlampen am oberen Rand des Zentraldisplays zum Gangwechsel. Die linke Schaltwippe mit Mittel- und Zeigefinger zum Lenkrad geschnippt, schon geht’s im nächsthöheren Gang weiter.

Der Porsche 911 GT3 R ist der DTM-Champion

In den engen Schikanen am Ende des Kurses räubere ich wild über die Curbs. Das Heck schwänzelt beim Gasgeben. An dem flachen Lenkrad habe ich alle Hände voll zu tun, das Cup-Auto auf Kurs zu halten. In einer lang gezogenen Linkskurve spüre ich im Lenkrad, wie die vorn 30 Zentimeter breiten Slickreifen ihre Haftgrenze erreichen. Ein Tick zu früh zu viel Gas, und der 911 GT3 Cup schiebt nach außen.
Das bronzefarbene Exemplar ein besonderes: Nummer 5000 von allen Cup-Autos, die Porsche seit 1990 gebaut hat.
Bild: Rossen Gargolov / Porsche AG
Einige Runden sowie einen Boxenaufenthalt später fahre ich durch die gleiche Kurve. Viel früher kann ich hier im gleichen Gang das Gaspedal des Porsche 911 GT3 R schon weiter durchdrücken. Als wäre ein riesiger Elektromagnet unter dem Asphalt eingeschaltet worden, zieht es den großen Bruder auf den Boden. Dabei sind die Slicks exakt so breit wie beim Cup-Elfer. Wahnsinn, welchen Unterschied der höhere Anpressdruck der aufwendigen Aerodynamik macht.
Auch wenn das Cockpit und die Soundkulisse den Anschein vermitteln, noch immer im gleichen Auto zu sitzen, verhält sich der Porsche 911 GT3 R, den unter anderem DTM-Meister Thomas Preining (25) pilotierte, ganz anders. Porsche setzte einen Entwicklungsschwerpunkt darauf, den Rennwagen sowohl für Profis wie Preining als auch für Gentleman-Fahrer wie in Langstreckenserien leichter beherrschbar zu machen. So verlangt er viel weniger Arbeit am Lenkrad. Ist exakter zu fahren. Und überall eine Portion schneller. Außer auf den Geraden, wo der höhere Anpressdruck ihn gegenüber seinem Bruder einbremst.
Beide Rennwagen sind ein Porsche 911 – doch hinterm Steuer offenbaren der Markenpokal-Renner 911 GT3 Cup und das DTM-Meisterauto 911 GT3 R große Unterschiede.
Bild: Rossen Gargolov / Porsche AG
Doch nicht nur mit seiner äußerlich durch Flics vor den Vorderrädern und Karosserieanbauteilen offenkundig ausgefeilteren Aerodynamik hebt sich der nach GT3-Reglement aufgebaute 911 GT3 R ab. Der Motor des Cup-Autos entspricht zu 95 Prozent der Serie, leistet 510 PS. Sein Bruder hat mit 4,2 Litern 200 Kubikzentimeter mehr Hubraum, dreht 850 Touren höher und protzt mit bis zu 565 PS.
Die Verhältnisse zwischen Porsche 911 GT3 R und seinem Zwillingsbruder 911 GT3 Cup sind damit auf der Rennstrecke eindeutig geklärt. Punkten kann der langsamere der beiden Zwillinge allerdings beim Preis – mit 235 000 Euro kostet er mehr als die Hälfte weniger
Autor: M. Westermann
Technische Daten Porsche 911 GT3 Cup (992)
  • Motor: Sechszylinder-Boxer, Sauger, hinten längs
  • Hubraum: 3996 cm3
  • Leistung: 375 kW (510 PS) bei 8400/min
  • max. Drehmoment: 470 Nm bei 6150/min
  • Antrieb: Sechsgang sequenziell, Hinterrad
  • L/B/H: 4585/1920/k. A. mm
  • Leergewicht: 1260 kg
  • Radstand: 2459 mm
  • Preis: 235.000 Euro netto
Technische Daten Porsche 911 GT3 R (992)
  • Motor: Sechszylinder-Boxer, Sauger, hinten längs
  • Hubraum: 4194 cm3
  • Leistung: 416 kW (565 PS) bei 9250/min
  • Antrieb: Sechsgang sequenziell, Hinterrad
  • L/B/H: 4619/2050/k. A. mm
  • Leergewicht: 1250 kg
  • Preis: 523.000 Euro netto