Tracktest Porsche 911 GT3 RSR
Blau sticht

Trotz per GT2-Reglement gesenkter Motorleistung fuhr das Felbermayr-Team in Le Mans souverän zum Klassensieg. Wir sind dem Geheimnis des Porsche 911 GT3 RSR auf den Grund gegangen.
Bild: Achim Hartmann
Wie ein Flötenkessel kreischt das sequenzielle Sechsgang-Getriebe. Rechts rauscht der hohe Fangzaun der Haupttribüne an mir vorbei. Ich beschleunige mit Vollgas raus auf die Start- und Zielgerade des EuroSpeedway Lausitz. Komme mir in der ab ihrer Mitte befahrenen Steilkurve vor wie ein NASCAR-Pilot. Ab 5000 Touren bestimmt der 450 PS starke 4,0-Liter-Boxermotor im Heck die Klangkulisse. Steigert das tief sonore Trompeten bis jenseits von 9000 Umdrehungen pro Minute in ein helles Singen. Die roten Schaltlampen blitzen auf.
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Nur ungern nehme ich die rechte Hand zum Gangwechsel vom Steuer. Die Linke führt den Porsche 911 GT3 RSR nun allein weiter durch die überhöhte Kurve. Ohne das Gas zurückzunehmen reiße ich einmal kurz und kräftig an dem riesigen schwarzen Schaltstock. Ein Ruck und der nächsthöhere Gang ist drin. Die schnelle, aber schlecht einsehbare Linkskurve ins Infield ist nicht mehr weit. Porsche-Bremsen? Das Pedal fühlt sich zäh an, nur langsam verzögert sich die Fahrt. Bei neun Grad Außen- und 13 Grad Streckentemperatur reicht eine langsame Einrollrunde noch nicht, um die harten Rennbremsbeläge auf Betriebstemperatur zu bringen. Zwei weitere Umläufe muss ich drehen. Jetzt fängt das knallblaue Siegerauto des diesjährigen 24-Stunden-Rennens von Le Mans langsam an, sein wahres Potenzial aufzudecken. Die an der Vorderachse stolze 38 Zentimeter messenden Stahlbremsscheiben stauchen den nach 1220 Kilogramm schweren "Elfer" nun derart zusammen, das die Vorderreifen bei jeder kleinsten Bodenwelle in den Anbremszonen kurz quietschen.
Die regelbare Traktionskontrolle hält das Heck im Zaum
Bild: Achim Hartmann
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