AC Schnitzer BMW M2 im Test
Mit 560 PS und Cup-2-R-Reifen zur Zeitenjagd

Bild: Ronald Sassen
Traurige Geschichte eigentlich: Seit Jahren rennt AC Schnitzer einer Sachsenring-Rundenzeit von 1:29 Minuten hinterher. Und scheiterte bislang aus unterschiedlichsten Gründen. Ganz im Gegensatz zur Konkurrenz, die im Highend-Orbit mittlerweile munter aufspielt. Erst Lightweight, deren G80 M3 2023 eine 1:29,63 min in den Asphalt brannte. Dann Versus Performance, die mit einem M2-Tracktool und 1:29,97 min haarscharf unter die Schallmauer kamen.
Das AC-Schnitzer-Entwicklungsteam rund um Roman Fenners war darüber gar nicht begeistert. Denn mit deren letztjährigen M3 Touring hatten sie das hehre Ziel haarscharf verfehlt: 1:30,08 min. Aber Fenners blieb gelassen, ließ sich bei der Entwicklung des G87-M2 richtig viel Zeit, entwickelte ausgiebig, drehte viele Testrunden in Spa und auf der Nordschleife, ließ das Fahrwerk von Profis abstimmen und, und, und. Natürlich schaute man auch zur Konkurrenz, was die anders machen, welche Reifen sie fahren. Nicht, um abzukupfern, sondern eher, um Ideen zu sammeln.
Neuer Anlauf mit dem G87 M2
Man arbeitete quasi an einem Best-of-Mix mit besonderem Fokus auf Fahrwerk und Reifen. Klar, an Michelins Cup 2 R kommt man für so ein Vorhaben praktisch nicht vorbei. Doch Fenners hatte im Vergleich zu den anderen noch ein Ass im Ärmel. Dazu gleich mehr, vorher aber noch ein paar Fakten zum Testwagen. Die M2-Basis ist schon von Haus aus schnell und stark, ohne Frage. Doch im Dreiliter-Reihensechser-Turbo stecken viele Reserven. Schließlich treibt selbst die M GmbH ihren Sahnemotor bei den aktuellen M3- und M4-CS-Modellen auf bis zu 550 PS.

Neu im Programm sind ein griffiges Sportlenkrad, Schaltwippen, Pedalerie und iDrive-Cover.
Bild: Ronald Sassen
Und ziemlich genau dort landet auch der Tuner mit seinem Leistungskit für 6220 Euro. Statt 460 PS und 550 Newtonmetern leistet das Aachener Vor-LCI-Auto 100 PS und 100 Nm mehr. Zum Vergleich, der M2 von Versus hatte nochmals 60 PS und 80 Nm mehr unter der Haube. Doch schiere Endleistung zählt für Schnitzer eben weit weniger als Fahrbarkeit. Was uns wiederum zum Fahrwerk bringt.
Hier kommt ein mit KW entwickeltes Gewindefahrwerk zum Einsatz, vielfach in Höhe, Druck und Zug einstellbar. Räder? Vorne und hinten leichte AC-4-Felgen, jeweils nur 12 Kilo schwer. Darauf sind Conti Sport Contact 7 gespannt, eine Nummer breiter als die Serie, vorne 285/30 R 20, hinten 295/30 R 21. Für den Einsatz auf der Strecke, jetzt kommt das Ass, hat sich Fenners einen Satz Michelin Cup 2 R besorgt. Nicht irgendeinen, sondern den vom AMG GT Black Series. Wenn Sie sich erinnern: Dieser hatte zwei Mischungen im Angebot. Und Fenners hat selbstverständlich zur softeren MO1A-Kennung gegriffen.
Fahrzeugdaten | AC Schnitzer BMW M2 |
|---|---|
Motorbauart | R6 |
Aufladung/Ladedruck | Biturbo/1,8 Bar |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2993 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 412 (560)/6250 |
Literleistung | 187 PS/l |
Nm bei 1/min | 650/5400 |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antriebsart | Hinterrad |
Maße L/B/H | 4580/2068/1383 mm |
Radstand | 2747 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 52/390 l |
Normverbrauch • CO2 | 9,8 l/100 km • 222 g/km |
Grundpreis | 77.500 € |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 115.340 € |
Einziger Wermutstropfen an der Nummer ist die Dimension. Denn der AMG fährt vorne 285/35 R 19, hinten 335/30 R 20. Die hinteren Pneus sind zu breit für den Unterbau des M2. Somit kam von der Freigängigkeit her nur der Front-Pneu infrage. Auf den ersten Blick vielleicht einen Tick zu schmal, wo das Versus-Auto doch auf 305/30 R 19 rundum stand.
Alltagstauglich trotz Track-Fokus
Geradeaus läuft es dennoch erst einmal wie am Schnürchen. Eindrucksvoll liefert das Coupé einen Bestwert nach dem anderen. 11,0 Sekunden von 0 auf 200, da muss sich selbst der vermeintlich stärkere Versus-M2 (11,1 s) hinten einreihen. Fast noch beeindruckender sind jedoch die 29,9 Meter aus Tempo 100, denn sie wurden nicht mit den Semis, sondern mit den Contis gebremst. Entsprechend sensationell gestaltet sich letztlich auch der Ritt auf der Autobahn. Das Fahrwerk kann man sich hierfür etwas weicher drehen, dann geht es "entspannt" mit 200 bis 280 über die Bahn, begleitet von einem allzeit spürbaren Powerplus und dem knurrigen Sound des Schnitzer-Auspuffs. Mehr Flair, mehr Performance, gleichzeitig aber keine Abstriche in Sachen Alltag – das ist AC Schnitzer.

Von 460 auf 560 PS für 6220 Euro. Damit die Leistung voll zur Geltung kommt, empfiehlt der Tuner die Montage des Sportauspuffs.
Bild: Ronald Sassen
Doch kommen wir nun zum Wesentlichen, dem eigentlichen Ziel dieses M2: Mission 1:29 Minuten! Fenners und sein Team haben dafür wie gewohnt nichts dem Zufall überlassen. Wir treffen uns am Sachsenring, mit einem Satz angefahrener Cup 2R. In der schnellen Rechts runter zur Sachsenkurve stellt sich anfangs leichtes Übersteuern bei Tempo 200 ein. Die Schnitzer-Truppe dreht das Fahrwerk zwei Klicks härter, dann ist das Feeling perfekt. Erste Zeit vom Anfühlen: eine tiefe 1:31, das Tagesziel scheint greifbar.
Die Jagd geht weiter
Ein frischer Satz Black-Series-Cup-2-R (2500 Euro, Satz) ist auf 80 Grad vorgeheizt und auf die Achsen gesteckt. Dann Motorsport pur: Der Chefmechaniker gibt das Zeichen an die beiden Wagenheber-Männer, Heizdecken runter, Auto ab und los.
Kurze Einrollrunde, die Reifen vorsichtig anfahren, dann läuft die Uhr. Die ersten Kurven passen perfekt wie auf Schienen. Das Setup stimmt, genügend Federweg für die kleinen Wellen beim Anbremsen. Die 560 PS sind das richtige Maß, man kann schön mit dem Motor spielen, ihn ausreizen. Die Hatz macht richtig Laune, man steppt um den Kurs, drillt jede Kurve auf Zug nieder, wirft den Anker im letzten Moment, feuert ein, zwei Gänge runter und spannt den Sechszylinder wieder an die Kette.

Ein stimmigeres M2-Gesamtpaket gibt es aktuell nicht. Wenn jemand anderer Meinung ist, melden!
Bild: Ronald Sassen
Das funktioniert wirklich einen Tick verschliffener, ehrlicher als im Versus-M2. Doch an zwei schnellen Ecken rutscht der M2 kurvenausgangs ganz zart ins Übersteuern. Zwar fängt man die Fuhre ohne Probleme wieder ab, doch kostet das leider Schwung und am Ende auch die entscheidenden Zehntel zur längst überfälligen 29er-Runde.
Doch AC Schnitzer wirft die Flinte nicht ins Korn, ein neuer M2 ist bereits in Arbeit. Und ein Satz 305er-Michelin-Cup-2-R steht auch bereit. Die "Mission 1:29" Volume II ist in vollem Gange, wir berichten demnächst.
Service-Links
