Tuning: Kelleners 640i Gran Coupé
Volle Dröhnung vom Tuner

Mit seinem mächtigen Bodykit lässt das Kelleners 640i Gran Coupé optisch die Muskeln spielen. Der Sound schlägt ähnlich ein, die Längsdynamik nur zum Teil.
- Manuel Iglisch
Edel und chic, so sieht sich das BMW 640i Gran Coupé von Haus aus am liebsten. Ganz andere Visionen verfolgt Tuner Kelleners, der nun mit dickem Anbau, elektronischem Workout und deftiger Soundabstimmung zum Imagewechsel ruft. Karosserie und Qualität Seitenleisten, Heckspoiler, eine Front mit neuer Schürze samt Spoilerlippe, Motorhaubenaufsätze, Heckschürze nebst Diffusoransatz, flach bespannte 21-Zöller sowie fahrwerksseitiger Tiefgang um 25 Millimeter – gäbe es einen Preis für das folgenschwerste Bodykit des Jahres, wir würden Kelleners schon jetzt zum Sieger küren. Leider besitzen Front- und Heckschürze ebenso wie der Nachschalldämpfer hierzulande kein TÜV-Gutachten.Fahrfreude und Antrieb Zum Kaltstart röhrt und brodelt eine Klangfontäne ums Heck, die im Ansatz zwar noch unverkennbar an das akustische Wesen eines Reihensechsers erinnert, in Sachen Lautstärke aber des Guten fast schon zu viel ist. Zumal sich die stimmliche Präsenz nicht über das gesamte Drehzahlband spannt, sondern mit steigendem Takt immer weiter abflaut. Die Leistungssteigerung fokussiert mit 527 Newtonmeter (Serie: 450) zwischen 1800 und 4700/min den mittleren Drehzahlbereich, zieht den 374 PS hohen Leistungsgipfel zudem auf 5400/min vor, was ordentlich an der gefühlten Drehfreude nagt. Immerhin: Das Ansprechverhalten bleibt gewohnt feinnervig, die Kraftentfaltung präsentiert sich ohne Hänger und Verschlucker.Fahrleistungen Dank Zusatzsteuergerät konnten wir den Testwagen sowohl mit Tuning- als auch mit Serienleistung messen. Ergebnis: Im Sprint auf 100 km/h holt die Powerbox lediglich 0,1 Sekunden, auf Tempo 200 rund eine Sekunde an Vorsprung heraus. Die Elastizitätswerte verbessern sich vor allem im mittleren Drehzahlbereich (80 auf 120 km/h in 5. Stufe: 4,4 zu 5,2 s). Im Keller und zur Nennleistung hin fahren beide Set-ups auf etwa einem Niveau. Fahrwerk und Komfort Schon das serienmäßige Gran Coupé besitzt von Haus aus einen eher hölzernen Abrollkomfort. Tieferlegung und Niederquerschnittreifen bewirken hier natürlich keine Besserung, sondern eher das Gegenteil. Kanaldeckel und Brückenfugen rumpeln teils heftig in den Innenraum.Die strafferen Federn schärfen das Handling nur in der sportlichsten Dämpferkennlinie. Im Comfort-Modus wirkt der Aufbau unterdämpft. Preis und Kosten Das Bodykit verschlingt den Gegenwert eines Basis-Golf, ist zudem in Deutschland nicht voll zulassungsfähig. Leistung und Federn gehen zu klassenüblichen Tarifen über den Tresen. Die 21-Zöller muten auf den ersten Blick ebenfalls hochpreisig an, sind angesichts ihres extremen Formats aber fair kalkuliert.
Fazit
Bodykit und Abgasanlage tragen mächtig auf, scheitern hierzulande aber am fehlenden TÜV-Segen. Macht nichts, die Mehrleistung dürfte ohne den Anbau ohnehin besser zur Geltung kommen. Fahrwerk und Radsatz harmonieren nur bedingt miteinander. Optik oder Handling? Manchmal muss man eben Entscheidungen treffen.
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