So funktioniert der Autoscanner

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Twinner: Gebrauchtwagen-Scanner

So funktioniert der Autoscanner Twinner

Ein neues Gerät erschafft virtuelle Abbilder von Autos und erkennt bald auch automatisch Schäden. Hier gibt's alle Infos zum Gebrauchtwagen-Scanner Twinner.
Die Daten des Gebrauchten im Netz klingen verlockend. Der Haken: Er steht 300 Kilometer weit entfernt beim Händler. Zeigen die Fotos wirklich das Auto oder sind noch irgendwo Mängel versteckt? Hinfahren oder nicht? Schließlich will man keine bösen Überraschungen erleben. Das Leipziger Unternehmen Twinner hat dafür eine Lösung entwickelt: Der "Twinne" erstellt 360-Grad-Ansichten von Autos, die man sich schon bei der Online Recherche vom Sofa aus bequem anschauen kann – inklusive Unterboden und Innenraum, ähnlich wie bei einem Neuwagenkonfigurator. Nur ist es in diesem Fall kein Computermodell, sondern das tatsächlich zum Verkauf stehende Auto, das da dank dem Twinner Gebrauchtwagen-Scanner auf dem Bildschirm zu sehen ist.

Daten des Gebrauchtwagen-Scanners wandern in eine Cloud

Aus der Box in den Computer: Das Auto wird im Twinner rundum fotografiert und von Sensoren erfasst.

Das Gerät dafür ist seit Ende 2018 auf dem Markt. Zwei Jahre lang hat ein Team aus rund 200 Experten daran gearbeitet. Das Ergebnis sieht aus wie eine gigantische Mikrowelle im Porsche-Design: Man fährt das Auto hinein und befestigt eine Innenraumkamera im Wagen. Auf Knopfdruck schließt sich das riesige Tor. Das Auto dreht sich anschließend so lange auf einer Plattform, bis die Kameras und Sensoren jeden Winkel erfasst haben. Das Scannen dauert zwischen zwei und viereinhalb Minuten, je nach eingestelltem Programm. Dabei entsteht nicht nur ein Rundum-Foto, das Programm kann weit mehr. Der Scanner ermittelt vollautomatisch die Reifenprofiltiefe und Farbunterschiede im Lack. Über die Fahrgestellnummer liest das System die Fahrzeugdaten aus und fügt sie dem Gesamtpaket hinzu. Bald sollen weitere Features folgen, die beispielsweise Nachlackierungen, Schäden oder Dellen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz automatisch erkennen und markieren. Die Daten wandern verschlüsselt in eine Cloud, es entsteht vollautomatisch ein digitaler Zwilling des gescannten Autos mit dreh und zoombarem 360-Grad-Bild – inklusive Infos zum Auto und den Reifen.

Der Verkäufer des Autos kann keine Aufnahmen manipulieren

Hier bleibt nichts im Verborgenen: Auch ein Abbild des Unterbodens können die späteren Interessenten des Wagens in Augenschein nehmen.

Ein Team aus Gutachtern und Experten prüft die digitalen "Twinns", weist mit sogenannten "Tags" auf besondere Ausstattungsmerkmale, aber auch Schäden wie Dellen oder Kratzer hin. Das ist bei einer Auflösung von 50 Megapixeln – etwa viermal so viel wie ein Smartphone leistet – extrem detailliert möglich. Der Verkäufer des Autos kann dabei keine Aufnahmen manipulieren, sondern nur Details wie Kilometerstand oder Ausstattungsmerkmale aktualisieren: "Wir behalten die Hoheit über die Daten und garantieren damit ein unverfälschtes Ergebnis", sagt Markus Hoffmann, Leiter des Produktmanagements bei Twinner. Das Ergebnis können die Händler in ihre Online-Inserate einbinden, als Kunde bekommt man ein detailliertes Abbild zu sehen: Sieht der Wagen äußerlich gut aus, ist der Auspuff rostig, sind die Sitze abgenutzt? Danach kann man sich entscheiden, ob sich eine weite Anfahrt lohnt.

Für Händler ist der Twinner-Autoscanner ein Wettbewerbsvorteil

Auch für die Händler hat das Vorteile: Sie können ihre Autos unabhängig vom Wetter und vor neutralem Hintergrund einheitlich fotografieren und brauchen keinen Fotodienstleister zu bestellen, der die Autos ein bis zweimal die Woche ablichtet. Das reduziert teure Standzeiten. Beispiel Koblenz: Die Autogruppe Löhr & Becker (33 Filialen) erwägt, künftig auch schon nachts die ankommenden Autos aufzubereiten und im Twinner zu fotografieren. "So könnte das fertige Inserat schon um acht Uhr morgens online sein", sagt Prokurist Holger Schmalbruch. Bis zu 300 Autos im Monat sollen einen digitalen Zwilling bekommen. Ein klarer Wettbewerbsvorteil – schließlich ist ein gutes Angebot im Netz für die Kunden immer wichtiger. Laut Statistik der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) würden immerhin 23 Prozent der Deutschen ihren Händler aufgrund einer Internetrecherche wechseln. Twinner kümmert sich um die Aufstellung und Wartung des Geräts und verdient an jedem erstellten Scan. Fünf Händler in Deutschland und weitere in China haben das Gerät schon in ihren Autohäusern – in Zeiten der wachsenden digitalen Konkurrenz hat das Unternehmen gute Chancen, weiter zu wachsen. "Das ist der Beginn eines digitalen Prozesses", sagt Holger Schmalbruch von Löhr & Becker: "Am Ende hoffen wir darauf, dass die Kunden so viel Vertrauen in unser Angebot haben, dass sie auch einen Jahres oder Gebrauchtwagen übers Internet bestellen."
Schauen Sie sich in der Bildergalerie an, wie der Autoscanner funktioniert.

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Christopher Clausen

Fazit

Autokäufern helfen die digitalen Abbilder bei der Suche nach dem passenden Auto. Händler profitieren durch die detaillierten Infos in ihren Angeboten.

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