Stau nach einem Unfall. Wer diese Nachricht unterwegs in seinem Autoradio hört, kann fast schon eine Wette darauf abschließen, dass wenig später eine weitere Durchsage folgt: Stau auf der Gegenfahrbahn durch Gaffer, heißt es dann nicht selten.
Was unnötig und bestenfalls nur lästig ist, kann aber durchaus auch mal gefährlich werden. Für die Opfer und Rettungskräfte, wenn deren Arbeit behindert wird. Aber etwa auch durch Auffahrunfälle abseits der eigentlichen Unfallstelle.

RTW mit QR-Code

Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat deshalb jetzt einen ganz besonderen Rettungswagen (RTW) in Dienst gestellt, der diesem Phänomen entgegenwirken soll. Der RTW ist mit einem ganz speziellen "Anti-Gaffer-Design" beklebt. Damit will die Organisation Gaffern das Filmen mit Smartphones an der Unfallstelle erschweren.
Autofahrer warten am 24.04.2014 hinter einer Unfallstelle auf der Autobahn 14 bei Tornau (Sachsen-Anhalt). Nach dem Unfall mit mehreren Lkw musste die A14 in Richtung Dresden voll gesperrt werden. Es bildete sich ein kilometerlanger Stau
Schaulustige behindern oft Erstretter nach einem Unfall.
Bild: DPA

David Kreuziger vom Landesvorstand der Johanniter erklärte bei der Vorstellung des Rettungswagens in Angermünde (Uckermark), dass dieses Fahrzeug der erste Rettungswagen seiner Art in Brandenburg sei. Kreuziger, selbst Rettungsassistent, betonte, dass Gaffer am Unfallort ein großes Problem seien, weil sie die Einsatzsituation stören würden.

Bundesweite Studie

Damit sind bundesweit im Rahmen eines Pilotprojekts bereits 25 Rettungswagen mit diesem speziellen Design im Einsatz. Auf den Seiten und dem Heck dieser Fahrzeuge sind große QR-Codes angebracht.
Sobald die von einer Handykamera erfasst werden, erscheint auf dem Display des Smartphones der Link "gaffen-toetet.de". Wer draufklickt, gelangt auf eine Website der Johanniter-Unfall-Hilfe mit Hinweisen auf die möglichen rechtlichen Folgen.

Aufrufe werden ausgewertet

In einer auf zwei Jahren angelegten Studie will die Akkon-Hochschule der Johanniter-Hilfe die Wirkung der QR-Codes auf den Rettungswagen prüfen. Die Zugriffe auf die Warnhinweise seien nach jedem Einsatz abrufbar, erklärt David Kreuziger.
Zudem würden bei den Einsätzen von den Rettungskräften und Teilnehmern der Studie dokumentiert, wie viele Gaffer mit Handys beobachtet wurden.

Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe

Jeder, der künftig beim Passieren einer Unfallstelle reflexartig zum Handy greift, sollte bedenken, dass Gaffen oder Handyfilmen an Unfallstellen kein Kavaliersdelikt ist. Wer erwischt wird, dem droht mindestens eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.