Autos werden jedes Jahr millionenfach gemietet. Doch wer nicht in der Nähe von Innenstadt oder Flughafen wohnt, kennt das Problem: Die Mietstation ist schwer erreichbar, und die Lieferung nach Hause kostet extra.
Ein Berliner Start-up will genau das ändern und setzt dabei auf eine Technik, die mehr nach Computerspiel als nach Autovermietung klingt. Wie der "Guardian" berichtet, könnte genau das schon ab Dezember 2025 Realität in Deutschland werden.

Mietwagen kommt per Fernsteuerung

Das Unternehmen Vay will Elektroautos künftig per Remote-Fahrer direkt zum Kunden bringen und nach der Fahrt auch wieder abholen. Möglich macht das eine Gesetzesänderung: Ab Dezember 2025 sind ferngesteuerte Fahrzeuge in bestimmten Zonen erlaubt.
Gegründet wurde Vay 2018 in Berlin. Das Start-up hat die Technik bereits in Las Vegas getestet: Dort rollten umgebaute Kia Niro mit Kameras und Sensoren auf die Straßen, innen fast seriennah. Ziel: Kunden sollen sofort losfahren können.
Ein Vay-Mietauto
Vay in der Hauptstadt: Das Start-up plant, ab Dezember 2025 Mietwagen in Deutschland per Fernsteuerung auszuliefern.
Bild: Vay
Bestellt wird das Auto per App. Dann übernimmt ein sogenannter Tele-Fahrer an seiner Station: Er arbeitet im Büro – aber in einem Autositz und hat dort Lenkrad, Pedale und drei große Bildschirme vor sich. Über die Kameras auf dem Autodach sieht er auf seinen Monitoren die Straße, über Kopfhörer hört er den Verkehr – vom Hupen bis zum Martinshorn. Sogar Bodenunebenheiten werden über Sensoren simuliert, damit er ein realistisches Fahrgefühl hat.
Das Gaming-Setup
Wie im Videospiel: So steuern Telefahrer bei Vay die Mietwagen – am Bildschirm, mit Lenkrad und Pedalen.
Bild: Vay
Per Fernsteuerung bringt er das Auto zum Kunden, stellt es vor der Tür ab und "wechselt" dann virtuell ins nächste Fahrzeug. Wenn die Vermietung beendet ist, steigt der Kunde aus, und der Tele-Fahrer übernimmt wieder, um das Auto wegzufahren oder zum nächsten Nutzer zu bringen. Ein roter Notfallknopf sorgt dafür, dass das Fahrzeug sofort gestoppt werden kann, falls etwas nicht stimmt.

Tele-Fahrer: Job der Zukunft?

Laut "Guardian" rekrutiert Vay viele Fahrer, die den klassischen Job auf der Straße satthaben. Darunter Taxi- und Uber-Fahrer, die von Messerattacken und anderen gefährlichen Situationen berichten. Auch Trucker, denen lange Touren oder sogar gesundheitliche Probleme durch das ständige Fahren zugesetzt haben, steigen demnach um.
Für sie sei das Arbeiten am Bildschirm die bessere Alternative: Stundenlohn statt Stress pro Fahrt, feste Pausen, Teamarbeit statt Einsamkeit im Cockpit.

Fazit

Gerade für Menschen auf dem Land wäre so ein Service praktisch: Kein Weg mehr zur Mietstation, das Auto kommt direkt vor die Tür. Ob es am Ende bezahlbar bleibt, ist die entscheidende Frage. Und, ehrlich gesagt: So richtig kann man sich Autos ohne Fahrer auf deutschen Straßen noch nicht vorstellen.