Vettel triumphiert in Spanien
Cool im Chaos

Vizeweltmeister Sebastian Vettel gewinnt im Leitplankendschungel von Valencia den Grand Prix von Europa, in dem zeitweise das Chaos regierte. Autobildmotorsport.de klärt auf, was in Spanien passierte.
Von seinem eigenen und dem Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen England euphorisiert rannte Sebastian Vettel mit der Champagnerflasche in der einen und seinem Pokal in der anderen Hand am Sonntagabend aus dem Fahrerlager von Valencia. Noch einmal galt es für den Heppenheimer schnell zu sein – um den Flug zurück in seine Wahlheimat Schweiz nicht zu verpassen. Kurz zuvor hatte Vettel gegenüber autobildmotorsport.de noch Bilanz gezogen. "Schön wieder zurück zu sein im WM-Kampf", so der nun WM-Dritte. "Ehrlich gesagt haben wir jetzt die zwei für uns schwierigsten Kurse hinter uns. In Montreal waren wir schon besser als erwartet. In Valencia habe ich nicht mit einem Sieg gerechnet. Beides sind Strecken mit langen Geraden, da war McLaren wegen ihrer großen Höchstgeschwindigkeit eigentlich Favorit. Aber es zeigt, dass wir in diesem Jahr auf allen Kursen zumindest aufs Podium fahren können." Sein Teamchef Christian Horner lobte: "Mit Ausnahme einer Schrecksekunde beim Neustart, als Sebastian mit kalten Reifen fast das Auto verloren hätte, ist er ein perfektes Rennen gefahren. Das ist gut für sein Selbstbewusstsein und den Rest der Saison." Nachdem die Teamverantwortlichen Vettel zuletzt zu viel Ungeduld und Krampf vorwarfen, ließ ihn das Chaos in Valencia kalt. Und das, obwohl es ausgerechnet von seinem Teamkollegen Mark Webber ausgelöst wurde.

Zu milde Strafe für Lewis Hamilton

Schumi nur Mittelmaß
Doch auch Michael Schumachers Rennen war nach der Safetycar-Phase gelaufen. Der Kerpener war von Platz 15 auf harten Reifen gestartet und wurde in der zweiten Safetycar-Runde auf Platz drei liegend zum Reifenwechsel an die Box beordert. Das Problem: Als Schumacher wieder zurück auf die Strecke fahren wollte, schaltete die Ampel am Boxenausgang auf rot. So verlangt es das Regelwerk. Paragraph 40.1 des sportlichen Reglements besagt, dass die Ampel solange rot bleibt, bis das Safetycar mit der ihm folgenden Schlange von Autos den Boxenausgang passiert hat. Der Mercedes-Kommandostand allerdings glaubte zwischen Lewis Hamilton und Kamui Kobayashi eine Lücke von 18 Sekunden erspäht zu haben, in der die Ampel auf grün hätte schalten müssen. Eine Interpretation, die das Regelwerk so nicht zulässt. Mercedes hat die FIA dennoch um Klarstellung gebeten. Bleibt die Frage, warum Schumacher auf Rang drei liegend überhaupt an die Box zitiert wurde. Wäre er wie Kamui Kobayashi bis kurz vor Rennende auf harten Reifen draußen geblieben, hätte er vor dem Japaner Siebter werden können. Doch Mercedes wollte pokern, Schumacher das Rennen auf weichen Reifen zu Ende fahren lassen und so das Podium anvisieren. Ein Techniker der Konkurrenz zu ABMS.de: "Die Strategie wäre in die Hose gegangen, weil die weichen Reifen nie bis zum Ende gehalten hätten." Ergebnis: Platz 15 und trotz der zweitschnellsten Rennrunde wieder kein Schritt raus aus der Krise.
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