Vollhybrid-Kleinwagen für 20.000 Euro
5500 Euro günstiger als Toyota – überzeugt der MG3 Hybrid im Test?
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein ausgewachsener Kleinwagen mit fast 200 PS, ordentlich Platz, sieben Jahren Garantie, angegebenen 4,4 Liter Verbrauch – und das alles in der Basisversion für läppische 20000 Euro? Klingt, als wenn auf der Straße Bargeld verschenkt wird: zu gut, um wahr zu sein.

Como Blue kostet 650 Euro Aufpreis und ist eine von sechs Farben, die zur Auswahl stehen.
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Der günstige Preis ist dem Chinesen mit dem britischen Namen nicht unbedingt anzusehen. Zugegeben, unser Test-MG3 ist die edlere Ausführung namens Luxury – erst dann steht er mit 16-Zoll-Alus, LED-Scheinwerfern, Sitzheizung, Rundum-Kamera und Keyless Go da wie gezeigt.
Und bleibt trotzdem mit 23.990 Euro noch anderthalb Tausender günstiger als der Konkurrent Toyota Yaris Hybrid in der Basis.

Mit 4,11 Meter Länge spielt der MG3 in der Polo-Klasse mit.
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Fahrzeugdaten
Modell | MG3 Hybrid+ |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder + E-Motor, Hybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Hubraum | 1498 cm³ |
Leistung Verbrennungsmotor | 75 kW (102 PS) bei 6000/min |
max. Drehmoment Verbrennungsmotor | 128 Nm bei 4500/min |
Leistung Elektromotor | 100 kW (136 PS) |
max. Drehmoment Elektromotor | 250 Nm |
Systemleistung | 143 kW (194 PS) |
Vmax | 170 km/h |
Getriebe | Dreistufenautomatik |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 195/55 R 16 H |
Reifentyp | Continental PremiumContact 2 |
Abgas CO2* | 100 g/km |
Verbrauch* | 4,4 l |
Tankinhalt | 36 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Energieinhalt Batterie | 1,83 kWh |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 500/500 kg |
Stützlast | 50 kg |
Kofferraumvolumen | 241–983 l |
Länge/Breite/Höhe | 4113/1797/1502 mm |
Radstand | 2570 mm |
Grundpreis | 19.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 23.990 Euro |
Innenraum: Ganz ordentlich, aber mit Schwächen im Detail
Das Raumkonzept ähnelt sich dabei durchaus. Gemein ist beiden eine weit vorstehende Frontscheibe gepaart mit einer hohen Sitzposition, was vorne für ein Van-artiges Raumgefühl sorgt. Hinten geht das Platzangebot in Ordnung, allerdings muss man sich mit eingeschränkter Kopffreiheit begnügen.

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Und mit 241 bis 983 Liter Kofferraum – des Hybrid-Akkus wegen. Als kleines Kuriosum obendrauf klappt die Rückbank – unabhängig von der gewählten Ausstattung – nur als Ganzes um. Nicht praktisch, aber günstiger.

Hartplastik und Klavierlack – klassentypisch. Die schwarz-glänzenden Oberflächen wirken aber schnell schmutzig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ansonsten finden sich im Innenraum neben viel Hartplastik zwei Bildschirme, beide immer Serie. Der mittlere kann Routen anzeigen, ist berührungsempfindlich und tut das, was er soll. Mit ein paar kleinen Ausnahmen – zu denen die orthografisch verunglückte Meldung "versuchen Sie es erenut" zählt. CarPlay und Android Auto lassen sich per USB-A-Kabel verbinden.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Bildschirm direkt vor dem Fahrer bildet neben den typischen Daten wie Geschwindigkeit und Akkustand auf Wunsch die Drehzahl ab, auf welcher der Verbrenner läuft. Auch die Spannung des Bordnetzes lässt sich anzeigen.

Der 10,1-Zoll-Screen verfügt auch über kabelloses Carplay und Android Auto – die empfehlenswertere Alternative zum Festeinbau-Navi.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Trotz des Verzichts auf übersensible Touch-Tasten fällt die Bedienung gewöhnungsbedürftig aus. Was zum einen daran liegt, dass die Lenkradtaste rechts nicht klar beschriftet ist. Sie regelt die Lautstärke des Audiosystems – aber eben nur manchmal. Ruft einer an, und man ist per CarPlay verbunden, funktioniert es zum Beispiel nicht, die Telefonlautstärke zu verstellen. Zum anderen fehlen ein paar Tasten, etwa für Klima oder Assistenten. Ebenfalls störend: Deaktiviert man den Geschwindigkeitswarnton, schaltet man unfreiwillig gleich die ganze Verkehrszeichenerkennung aus.
Auf der Straße: Der Antrieb des MG3 ist einigermaßen ungewöhnlich
Hybrid ist nicht gleich Hybrid, hier kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Bei MG sieht es folgendermaßen aus: Ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Sauger wird über ein Dreigang-Wandlergetriebe mit einem E-Motor verbunden. Bemerkenswert: Letzterer ist der stärkere. Er trägt mit 136 PS den Löwenanteil der Systemleistung, der Benziner steuert 102 PS bei. Ebenso außergewöhnlich: Dank der immerhin 1,8 Kilowattstunden großen Batterie, die hinten untergebracht ist, spricht MG von bis zu 10 Kilometer E-Reichweite.

Den Löwenanteil der Systemleistung erzeugt der E-Motor (136 PS), der 1,5-Liter-Vierzylinder-Sauger steuert 102 PS bei.
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Im Stadtverkehr bietet das System den Vorteil, ruhig und tatsächlich zuverlässig über mehrere Kilometer rein elektrisch zu funktionieren. Läuft der Verbrenner mal mit, und es geschieht ein Gangwechsel, fällt das kaum auf. Auf der Autobahn wird es trotz üppiger 194 PS Gesamtleistung schnell ungemütlich. Und zwar dann, wenn entweder eine Steigung ansteht und die Automatik träge und mit großem Drehzahlsprung zurückschaltet.
Messwerte
Modell | MG3 Hybrid+ |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,4 s |
0–100 km/h | 7,4 s |
0–130 km/h | 12,6 s |
0–160 km/h | 18,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,3 s |
80–120 km/h | 5,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1265/468 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 66/34 % |
Wendekreis links/rechts | 10,8/10,8 m |
Sitzhöhe | 595 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 40,0 m |
aus 100 km/h warm | 40,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,1 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,1 l S/100 km (+16 %) |
Sportverbrauch | 6,4 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 121 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 705 km |
Oder aber, wenn schlicht und einfach der Akku leer ist. Dann wird aus der flotten Beschleunigung eher ein Kriechen, das Erreichen der 170 km/h Topspeed zur Geduldsprobe. Immerhin: Mit vollem Akku gelingt es dem MG sogar, mit 7,4 Sekunden auf Tempo 100 seine Werksangabe von glatten acht Sekunden deutlich zu unterbieten. Der Verbrauch fällt mit 5,1 Litern niedrig aus, wenn auch nicht ganz so niedrig wie bei der Hybrid-Konkurrenz (Toyota Yaris: 4,4 Liter).
Dass trotz der zeitweilig ja durchaus vorhandenen Leistungsreserven kein Sportsgeist aufkommt, hat der MG3 seiner frontlastigen Gewichtsverteilung zu verdanken: 66 Prozent lasten auf der Vorder-, nur 34 Prozent auf der Hinterachse. Zusammen mit dem eher weich abgestimmten Fahrwerk und der weitgehend gefühllosen Lenkung ergibt sich so ein weitgehend fahrsicheres Paket. Ankreiden lassen muss sich der MG3 die langen Bremswege von – egal ob warm oder kalt – glatt 40 Metern. Das ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß.
An der Kasse: Der Preis ist günstig, der Rest nur teilweise
Den günstigen Kaufpreisen und dem moderaten Verbrauch steht eine recht teure Vollkaskoeinstufung (Klasse 24) gegenüber. Dazu muss der MG3 zwar nur alle 24.000 Kilometer, dafür aber mindestens jährlich in die Wartung. Angenehm, dass das Werkstattnetz mit rund 150 Händlern mittlerweile schon ganz gut dasteht.
Wertung
Modell | MG3 Hybrid+ |
|---|---|
Karosserie | Vorn viel Platz, hinten fehlt etwas Kopffreiheit. Hintere Kopfstützen bleiben stehen, rauben Rücksicht. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Man weiß nie so recht, was kommt – mit vollem Akku geht's flott voran. Innerorts viel E-Reichweite. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Viel Gewicht vorne, starke Untersteuerneigung. Lange Bremswege mit kalter und warmer Anlage. |
2,5/5 Punkten | |
Connected Car | Ein Navi ist Serie, eine Remote-App wäre ebenfalls verfügbar. Sprachsteuerung nur übers Handy. |
2,5/5 Punkten | |
Umwelt | Kompakt und auch als Vollhybrid leicht, durch Fertigung in China lange Transportwege. |
3/5 Punkten | |
Komfort | Sitze mit ausreichender Beinauflage, sonst eher wenig Kontur. Lenkrad ohne Tiefenverstellung. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Der Preis und sieben Jahre Garantie sprechen für ihn, jährliche Wartung und teure Vollkasko gegen ihn. |
3,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3 |
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