Volvo V40: Gebrauchtwagen-Test
Ist der Volvo V40 ein Gebrauchtwagen-Tipp?

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der V40 wirkt noch immer frisch
Das ist er: Dafür, dass der stets fünftürige V40 bereits 2012 eingeführt wurde, wirkt er erstaunlich frisch. Seine enge konstruktive Verwandtschaft mit dem Ford Focus der dritten Generation sieht man dem im Werk Gent gebauten V40 nicht an. Die elegant geschwungene Heckpartie ist definitiv die Schokoladenseite des Einsteiger-Volvo. Sie zitiert gekonnt den ikonischen Schneewittchensarg Volvo P1800 ES und macht den Benelux-Schweden zugleich unverwechselbar.

Die ins Dach gezogenen Rückleuchten bieten einen hohen Wiedererkennungswert.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Im Innenraum setzt der V40 durch eine schwebende Mittelkonsole und geschmackvoll komponierte Materialien positive Akzente. Je nach Budget konnten V40-Besteller sich zwischen diversen Ausstattungslinien entscheiden. Kinetic reicht eigentlich bereits aus, besonders luxuriös ist es in Summum, Ocean Race und Inscription. Abenteuerlust verströmt der höhergelegte Cross Country.
Technische Daten
D2 | T4 AWD | T5 | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Fünfzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1969 cm³ | 1969 cm³ | 2497 cm³ |
Leistung | 88 kW (120 PS) bei 3750/min | 140 kW (190 PS) bei 5000/min | 187 kW (254 PS) bei 5400/min |
Drehmoment | 280 Nm bei 1500/min | 320 Nm bei 1500/min | 360 Nm bei 1800/min |
Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h | 210 km/h | 250 km/h |
0–100 km/h | 10,5 s | 7,4 s | 6,1 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Diesel | 50 l/Super | 50 l/Super |
Getriebe/Antrieb | 6-Stufen-Automatik/Vorderrad | 8-Stufen-Automatik/Allrad | 6-Stufen-Automatik/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4370/1783/1420 mm | 4370/1783/1458 mm | 4369/1783/1420 mm |
Kofferraumvolumen | 335–1032 l | 335–1032 l | 335–1032 l |
Leergewicht/Zuladung | 1577/418 kg | 1643/412 kg | 1570/440 kg |
Verarbeitung und Ergonomie erfüllen den Premium-Anspruch
Das hat er: Als Premiumangebot reiht sich der V40 bei den Themen Verarbeitung und Fahrerplatzergonomie im oberen Drittel der Kompaktklasse ein. Das Platzangebot muss sich den Zwängen einer hübschen Karosserieform beugen: Vorn fühlt man sich tatsächlich so kommod wie in manch Mittelklassemodell untergebracht. Besonders die ergonomisch geschnittenen Sitze sind sehr angenehm. Auf der für zwei Passagiere optimierten Rückbank vermisst man ab 1,80 Meter Körpergröße nach oben schmerzhaft die entscheidenden Zentimeter Bewegungsfreiheit, die Langstrecken angenehm machen. Ganz und gar nicht auf Volvo-Kombi-Niveau ist der Laderaum: 335 bis 1032 Liter Volumen werden heute von etlichen Kleinwagen geknackt. Und die ungünstig hohe Ladekante, der aufpreispflichtige doppelte Ladeboden und die fehlende 12-Volt-Dose machen die Nutzung im Alltag nicht komfortabler.

Volvo-untypisch beengte Kofferraumverhältnisse und eine recht hohe Ladekante.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt bleibt der frontgetriebene D2 auf unserer ausgedehnten Probefahrt leider nicht gänzlich knisterfrei. Armaturenträger und die vorderen Türverkleidungen rascheln leise. Der sonstige Qualitätseindruck ist angesichts einer Laufleistung von knapp über 100.000 Kilometern jedoch richtig gut. Sichtbarer Verschleiß ist gering, die ergonomisch konturierten Sitzpolster wirken noch immer angenehm fit. Für leichte Macken an den Stoßfängern kann unser Fotofahrzeug nichts, ab Werk bietet es Parksensoren nebst einer mittelprächtigen Rückfahrkamera. Ärgerlich ist eine sich bereits leicht ablösende Türschacht-Zierleiste auf der Fahrerseite.
Stärken
- Solide gemachter Premium-Kompaktklässler
- Breite Motoren- und Ausstattungspalette
- Hohes Sicherheitsniveau
Schwächen
- Für einen Volvo überraschend unpraktisch
- Enger Fondraum
- Altmodisches Infotainmentsystem
Das Sicherheitspaket haben die Schweden üppig geschnürt
So fährt er: Das Fahrwerk des V40 surft auf der soften Welle, ist zugleich sehr sicher abgestimmt. Kombiniert mit seiner guten Geräuschisolierung qualifiziert sich der kleine Volvo damit auch als bevorzugter Partner für die Langstrecke. Vorbildlich ist das üppig geschnürte Sicherheitspaket. Die Fahrgastzelle wurde gegenüber dem Ford Focus deutlich steifer ausgelegt. Neben den üblichen Airbag-Umfängen gab es zusätzlich einen serienmäßigen Fußgängerairbag als Passantenschutz sowie einen optionalen Knieairbag für den Fahrer und ab dem 2016er Facelift modernes LED-Licht inklusive Fernlichtassistent. Ein wirklich dicker Pluspunkt ist die Vielzahl der serienmäßigen und möglichen Assistenten. Notbremsassistent und Kollisionswarnung waren bei dem von uns getesteten Modell bereits Serie. Optional wurden zudem Fußgängererkennung, Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, ein Querverkehrsassistent für das Heck sowie eine Verkehrsschilderkennung und ein Head-up-Display angeboten.

Agiles Handling ist auch mit R-Design-Paket keine typische V40-Tugend.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das Motorenangebot stellte Volvo 2014 auf die neue VEA-Generation (Volvo-Engine-Architecture-Baukasten) um. Davor wurden sowohl Volvo-Aggregate als auch solche von Ex-Konzernmutter Ford verbaut. Die große Antriebsvielfalt deckt unterschiedlichste Ansprüche ab: Die Vierzylinder-Turbobenziner T2, T3 und T4 leisten 120 bis 190 PS und fahren sich flott bis dynamisch, sind grundsätzlich haltbar. Ohne Einschränkungen gefällt uns der gefahrene Euro-6-D2-Einsteigerdiesel mit NOx-Speicherkat und DPF. Das Zweilitertriebwerk ist zwar kein Ausbund an Dynamik, jedoch mit angenehm kräftigen und früh anliegenden 280 Newtonmeter Drehmoment gesegnet. Nur für dynamisch ambitionierte Vielfahrer sind daher die größeren Dieselversionen (150, 177 und 190 PS) empfehlenswert. Zu erwarten sind stets moderate Praxisverbräuche um sechs Liter. Volvo orchestrierte die Antriebspalette relativ breit, stellte 2015 auf Euro 6-Technik um. Ein hochemotionaler Dampfhammer ist die allradgetriebene T5-Topvariante als Fünfzylinder-Turbobenziner mit satten 254 PS (bis 2014, danach Vierzylinder-Turbo mit 245 PS).
17 Rückrufe gab es für den V40
Das macht Ärger: Trotz seiner Ford-Gene ist der V40 eine solide Konstruktion. Volvo gewährte in Deutschland zwei Jahre Neuwagengarantie und zwölf Jahre gegen Durchrostung. Selbst Kilometerfresser wirken oft erstaunlich frisch, wenn sie nach Werksvorgaben gewartet wurden. Wenn ein V40 zu rosten beginnt, sind die Rostherde meist unkritisch: Die Karosserie ist gut geschützt. Von Ford zugelieferte Fahrwerksteile und Auspuffanlagen früher Exemplare gammeln, ohne akut austauschbedürftig zu sein. Typisch bei hohen Laufleistungen sind verschlissene Hinterachsbuchsen. 17 Rückrufe, unter anderem wegen verformten Ansaugkrümmern (Brandgefahr). Kraftstoffmangel durch unzureichenden Kraftstoffdruck, Risse im Kraftstoffschlauch, Rauch- und Brandentwicklung durch überhöhte Motortemperaturen sowie mangelhafte Gas-Generatoren der Fahrerairbags.
Unterhaltskosten: Volvo V40 D2 R-Design
Testverbrauch | 5,0 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 104 g/km |
Inspektion | 300-600 Euro |
Haftpflicht (17)* | 515 Euro |
Teilkasko (19)* | 575 Euro |
Vollkasko (17)* | 908 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 208 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1130 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 679 Euro |
Wasserpumpe | 588 Euro |
Zahnriemen | 360 Euro |
Nachschalldämpfer | 566 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1218 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 550 Euro |
Infotainmentbildschirm | 954 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/45 R 17 W) | 620 Euro |
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