VW Golf 8: Gebrauchtwagen-Test
Eineinhalb Jahre alter Golf 8 – jetzt kaufen?
Gebrauchter VW Golf 8 im Test
Dreieinhalb Jahre nach seiner Premiere wird der VW Golf 8 gebraucht relevanter. Ist er der neue Secondhand-Star?
Der Golf 8 ging im Winter 2019 an den Start, doch der Produktionsauftakt der neuen Generation verlief anders, als es die erfolgsverwöhnten Golf-Väter gewohnt waren. Anfangs wurden viel weniger Fahrzeuge des ewigen Bestsellers gebaut als geplant. Und nicht wenige der ausgelieferten Exemplare strapazierten mit unerwarteten Macken die Nerven ihrer Besitzer.
Dabei basiert die achte Generation des VW Golf auf der MQB-Evo-Plattform und zeigt technisch etliche Parallelen zur Vorgängergeneration. Für einen VW ungewöhnlich polarisierend ist nicht nur das Außendesign, sondern auch das neue Bedienkonzept mit digitalen Displays auf Basis des Modularen Infotainment-Baukastens der dritten Generation (MIB 3).
Doch eben diese Abkehr vom Armaturenbrett mit intuitivem Schalterkonzept ist umstritten. An einen unbeleuchteten Slider unter dem Display auf der Mittelkonsole kann und mag man sich nicht gewöhnen. Schlimmer wiegen etliche Softwareprobleme. Golf 8-Fahrer berichteten gegenüber AUTO BILD von vielfältigen Auffälligkeiten: Sporadische Störungen des Navi- oder Rückfahrkamerasystems, eine gestörte DAB-Radiofunktion und kapitale Ausfälle des Infotainmentdisplays waren typisch. Da hierbei weder Assistenz- noch eCall-Funktionen beeinträchtigt wurden, sprach VW bei der Nachbesserung von einer "freiwilligen Serviceaktion", Insider dagegen von einer Bananen-Software, die beim Kunden zu Ende reifen würde.
VW Golf 8 gebraucht: Softwarestand checken!
Ende 2021, also rund zwei Jahre nach Produktionsanlauf, teilte VW mit, dass sämtliche Golf 8-Modelle nachträglich fit für Over-the-air-Updates (OTA) gemacht werden sollen. Tatsächlich gewann die Systemperformance enorm, Boot- und Reaktionszeiten verkürzten sich stark, die CarPlay-Funktion wurde endlich stabiler. Einzelne Golf-Chargen wurden zudem nachträglich mit einem leistungsfähigeren Chipsatz aufgerüstet, um die Performance des Infotainments zu optimieren. Interessenten sollten beim Golf 8-Kauf den aktualisierten Softwarestand checken (Stand 4.3.:1899) und auf einen verbesserten Update-Chipsatz für mehr Performance (Hardwarestand: H58) achten.

Innenraum: Volldigitalisiertes Cockpit, leider nicht intuitiv bedienbar. In Details einfacher verarbeitet als der Golf 7.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Doch zum Glück ist der Golf 8 nicht nur ein rollender Computer, sondern wie seine Vorgänger ein Kompaktwagen, der den Anspruch hat, Klassenprimus zu sein. Unser Testwagen wurde im August 2021 erstmals zugelassen. Jetzt steht er beim Volkswagen-Händler Kuhn und Witte in Buchholz in der Nordheide zum Verkauf.
Der 1.5 TSI mit 130 PS wäre vor 20 Jahren als GTI durchgegangen
Der atlantikblaue Fünftürer ist mit dem 1,5 Liter großen, 130 PS starken TSI-Benziner ausgestattet, der die Abgasnorm Euro 6d erfüllt und als souverän durchgeht. Mit 100-km/h-Sprintzeiten um neun Sekunden und einer Spitze von 214 km/h hätte er vor 20 Jahren locker für das GTI-Signet gereicht. Dieser Golf möchte jedoch kein Sportler sein. Eher ein erwachsener Allrounder mit einem Hang zu aufwendigen Extras: LED-Scheinwerfer, Sitz- und Lenkradheizung, Discover-Media-Infotainment mit Touchscreen, DAB-Radio, Sprachsteuerung sowie Alarmanlage, Drei-Zonen-Klimaautomatik und Keyless-System sind die wesentlichen Ausstattungs-Goodies.
Nach eineinhalb Jahren und 14.000 Kilometern rund 24.000 Euro
So aufgerüstet wuchs er endgültig aus seiner Rolle des soliden Jedermann-Autos heraus. Neu kostete dieses Exemplar laut Schwacke-Datenbank 30.340 Euro. Gut eineinhalb Jahre und 14.704 Kilometer später wäre es mit dreieinhalb Jahren Restgarantie für 24.375 Euro zu haben. Und falls noch ein paar Euro übrig sind: Einzelne Funktionen wie der adaptive Tempomat oder der WLAN-Hotspot wären nachträglich als kostenpflichtiges Upgrade freischaltbar.
Technische Daten
VW Golf 1.5 TSI ACT | |
|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1498 cm³ |
Leistung | 96 kW (130 PS) bei 5000/min |
Drehmoment | 200 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschw. | 214 km/h |
0-100 km/h | 9,2 s |
Tank/Kraftstoff | 45 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad |
L/B/H | 4284/1789/1491 mm |
Kofferraumvolumen | 381-1237 l |
Leergewicht/Zuladung | 1306/494 kg |
Optisch merkt man unserem Test-Golf sein Vorleben nicht an. Weder Kratzer noch Beulen oder Dellen sind ein Thema. Die montierten 16-Zoll-Räder sind makellos. Und auch der Innenraum ist bis auf wenige, leider unvermeidbare Kratzer auf den hochglanzschwarzen Flächen und an den Außenseiten der Sitzschienen ohne Mangelbefund.
Teuer in der Anschaffung, aber wertstabil
Auf unserer Probefahrt glänzt der Golf mit seinem traditionell sehr sorgfältig abgestimmten Fahrwerk, das einen vorbildlichen Spagat zwischen Komfort und Dynamik beherrscht. Beim Platzangebot gibt es, typisch Golf, ebenfalls wenig zu kritisieren. Vorn und hinten finden Erwachsene auf straff gepolsterten Sitzen komfortabel Platz. Und auch das Kofferraumvolumen ist je nach Lehnenstellung üppig. Die Fondpassagiere freuen sich, sofern die Drei-Zonen-Climatronic geordert wurde, über eine eigene Klimazone.
Versöhnlich stimmt uns die Gebraucht-Perspektive. Der Golf bleibt in der Anschaffung zwar ein relativ teures Vergnügen, ist aber dennoch beliebt, was für die Wertstabilität des Modells gut ist. Die Versicherungen sind zumindest bei den Normalo-Versionen günstig. Zahlreiche Drittanbieter sichern die Versorgung mit Verschleißteilen zu moderaten Kosten. Und auch die hohe Markenwerkstätten-Dichte könnte ein Argument werden, falls doch noch ungeplant ein weiteres Software-Update beim Händler anstehen sollte.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,1 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 121 g/km |
Inspektion | 320-550 Euro |
Haftpflicht (13)* | 354 Euro |
Teilkasko (22)* | 438 Euro |
Vollkasko (19)* | 686 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 83 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 938 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 584 Euro |
Wasserpumpe | 466 Euro |
Zahnriemen | 937 Euro |
Nachschalldämpfer | 363 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1100 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 577 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1416 Euro |
Sommerreifen (205/55 R 16 94 V) | 520 Euro |
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