VW Phaeton W12 (2009) Gebrauchtwagen
Unglaublich: VW Phaeton mit fast 150.000 Euro Wertverlust

Bild: iconcars
Ursprünglich sollte VW Phaeton Luxuslimousinen wie BMW 7er und Mercedes S-Klasse die Kunden streitig machen, doch daraus wurde nichts: Trotz fortschrittlichster Technik und insgesamt vier Überarbeitungen wurde der Phaeton zu einem Megaflop. Mittlerweile gibt es den Luxusliner auf dem Gebrauchtwagenmarkt für deutlich unter 10.000 Euro. Doch Vorsicht vor den Unterhaltskosten!
Bis heute polarisiert der VW Phaeton. Für die einen ist er nicht mehr als ein XXL-Passat, für die anderen wird er als Gebrauchtwagen plötzlich erschwinglich. Getreu dem Motto: viel Auto fürs Geld.
Aber fangen wir vorne an. Als der Phaeton 2001 auf den Markt kam, waren die Erwartungen in Wolfsburg hoch. Um gegen Mercedes S-Klasse und den BMW 7er zu bestehen, wurde er bis unters Dach mit Technik vollgestopft. Besonders stolz waren sie bei VW auf die Klimaanlage, die zugfrei arbeiten sollte. Doch die Verkaufszahlen blieben von Beginn an deutlich hinter den Erwartungen zurück, sodass der Phaeton in den USA bereits 2006 eingestellt wurde.

Mit 5,18 Meter Außenlänge misst die Langversion noch mal rund zwölf Zentimeter mehr als der ohnehin schon große Phaeton mit normalem Radstand.
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In Deutschland wurde die Baureihe mit insgesamt vier Modellpflegen noch bis 2016 am Leben erhalten, trotzdem konnte VW weltweit in insgesamt 15 Jahren nicht mal 85.000 Phaeton absetzen. Zu allem Überfluss vermuten Experten, dass VW mit jedem Exemplar rund 28.000 Euro Verlust eingefahren hat.
Der Phaeton war das Leuchtturmprojekt von Ferdinand Piëch, von den Kunden wurde das Auto jedoch verschmäht. Sein unbeliebtes Image hat der Phaeton auch als Gebrauchter nicht abgelegt. In den vergangenen Jahren gab es gebrauchte Phaeton zu absoluten Spottpreisen, sechsstellige Wertverluste waren keine Ausnahme. Zuletzt haben sich die Preise zumindest etwas stabilisiert, was auch daran liegt, dass das Angebot kleiner geworden ist. Viele Phaeton wurden in vierter, fünfter oder sechster Hand schlichtweg verbraucht.
VW Phaeton W12 ab Mitte 2005 mit 450 PS
Wer mittlerweile ein gepflegtes Erst- oder Zweithand-Auto sucht, der sucht nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Bei den deutschen Kunden ist der Dreiliter-Diesel, der je nach Baujahr zwischen 225 und 245 PS leistet, besonders beliebt. Die großen V8-, V10- und W12-Motoren sind seltener zu finden und stehen in der Regel länger, da die meisten Kunden die hohen Unterhaltskosten scheuen.
Doch die laufenden Kosten sind beim Phaeton sowieso hoch, und so kann es sich lohnen, auch mal etwas zu träumen. Zum Beispiel von einem feinen Zwölfzylinder mit 450 PS. Direkt ab Marktstart im Jahr 2001 bot VW den Phaeton mit einem prestigeträchtigen Zwölfzylinder an, da auch die Konkurrenten mit einem solchen Motor erhältlich waren. Zu Beginn brachte es der 6,0-Liter-W12 im Phaeton auf 420 PS und 550 Nm Drehmoment, ab Mitte 2005 waren es 450 PS und 560 Nm. Beide Versionen waren stets mit dem 4Motion genannten Allrad und Fünfgangautomatik erhältlich.
Zum Modelljahr 2011 wurde der großvolumige Benziner dann ersatzlos aus dem Programm gestrichen – er war aber immerhin deutlich länger erhältlich als der 5,0-Liter-V10-Diesel, dem bereits Ende 2006 der Garaus gemacht wurde. Kenner identifizieren den W12 an den vier sichtbaren Endrohren, die jedoch im Laufe der Jahre auch bei kleineren Motorisierungen gerne nachgerüstet wurden.

Der 6,0-Liter-W12 füllt den Motorraum des Phaeton praktisch komplett aus. Reparaturen sind kostspielig – in jedem Fall.
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Aber zurück zum W12. Ein besonders feines Exemplar wird in Erfurt vom Händler "iconcars" angeboten. Wir sprechen hier von einem 2009er VW Phaeton W12 in der Langversion als Viersitzer mit jeder Menge Ausstattung. Nur zur Klarstellung: Im Jahr 2009 kostete ein VW Phaeton W12 ab 115.000 Euro; für die viersitzige Langversion wurden in der Basis sogar 125.600 Euro fällig, was ihn zum damals teuersten Phaeton überhaupt machte.
Das Wort Basis wird dem einstigen Phaeton-Topmodell im Übrigen alles andere als gerecht, denn wie es sich für eine Luxuslimousine gehört, waren jede Menge Komfortfeatures ohne Aufpreis an Bord – darunter Bi-Xenon-Scheinwerfer, Metallic- oder Perleffektlackierung, 18-Zoll-Felgen, 18-Wege-Sitze mit Massagefunktion und einiges mehr beim W12.
Dennoch sind in den hier gezeigten GP2 Phaeton (GP steht für große Produktpflege) noch mal knapp 50.000 Euro an Extras geflossen, das entsprach dem Wert von zwei gut ausgestattete Golf.
Neupreis weit über 170.000 Euro
Die gesamte Liste der Sonderausstattungen hier aufzuführen würde definitiv den Rahmen sprengen, deshalb nur einige Highlights: Navi RNS810 (2770 Euro), ACC (2215 Euro), Keramikbremsanlage an der Vorderachse (war nur für den Phaeton W12 erhältlich und kostete 4075 Euro), Multimedia High End mit Fond-Entertainment (7915 Euro), Dynaudio Soundsystem (2535 Euro), Sonderlackierung "Pianoschwarz" (2565 Euro), Standheizung (1510 Euro) und, und, und.
Hinzu kommen noch zahlreiche Individual-Ausstattungen wie die belederte Hutablage, der Alcantara-Dachhimmel, ein beledertes Klimabedienteil und eine Unikatsitzanlage (jeweils in "Sonnenbeige"), Unikatfußmatten in "Anthrazit" und vieles mehr. Schlussendlich lag der Listenpreis dieses mutmaßlich einmaligen Phaeton bei weit über 170.000 Euro!

Fond-Entertainment, Einzelsitze, erweitertes Lederpaket und zahlreiche Optionen aus der Individualabteilung: Der Phateon hat praktisch eine Vollausstattung.
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Die Luxuslimousine hatte zwei Vorbesitzer und wird nun mit einem Kilometerstand von etwa 186.000 verkauft. Die Erstzulassung erfolgte in Wolfsburg – das Topmodell könnte also ein Werkswagen gewesen sein, ehe es in Lichtenstein als Vorstandsfahrzeug eingesetzt wurde.
Trotz der hohen Laufleistung macht das Auto auf den Fotos einen hervorragenden Eindruck. Beschädigungen oder Gebrauchsspuren? Fehlanzeige! Der Händler, der im Übrigen hervorragende Bewertungen hat, beschreibt den Wagen als "sehr gepflegt" und den hellen Innenraum sogar als "neuwertig".

Ein Aufkleber listet die Extras von Volkswagen Individual fein säuberlich auf. Und da so viele Extras bestellt wurden, reichte ein Aufkleber nicht aus.
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24.999 Euro soll der gebrauchte Phaeton kosten
Der aufgerufene Preis liegt bei 24.999 Euro, womit dieser Phaeton W12 schon zu den teureren Exemplaren auf dem Markt gehört. Die günstigsten Exemplare mit Zwölfzylinder gibt es bereits für unter 10.000 Euro, generell ist das Angebot allerdings sehr klein. Der Wertverlust in den vergangenen 15 Jahren liegt somit bei etwa 150.000 Euro oder runtergerechnet 10.000 Euro pro Jahr. Verkauft wird der W12 sogar mit zwölf Monaten Garantie. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Fazit
Ein Phaeton mit Zwölfzylinder und vermutlich einmaliger Ausstattung ist schon reizvoll. Wenn dann auch noch eine lückenlose Historie, Gebrauchtwagengarantie und ein Wertverlust von 150.000 Euro hinzukommen, kann man schon schwach werden. Der Phaeton war ein Leuchtturmprojekt – und solche Autos wird es nie wieder geben.
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