VW Taigo: Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter VW Taigo im Check

Bild: Christoph Börries
Mode-Instinkt und Vielfalt sind für viele Hersteller die halbe Miete. Volkswagen hat seine kleine SUV-Flotte inzwischen kräftig ausgebaut. Plattformverwandt mit dem Polo ist nicht nur der T-Cross, sondern seit Herbst 2021 auch der Taigo. Dieser überragt längentechnisch sogar den größeren T-Roc. Und weckt als angesagtes Crossover-Fließheckmodell inzwischen auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt in der Preisregion bis 20.000 Euro reichlich Begehrlichkeiten bei der Lifestyle orientierten Kundschaft.
Nur im Fond machen sich die Kleinwagen-Gene bemerkbar
Das ist er: Als Teil der Wolfsburger T-SUV-Familie nutzt der federführend von VW do Brasil entwickelte Taigo wie der VW Polo bewährte MQB-A0-Technik und ist mit 4,27 Meter Länge und 1,76 Meter Breite ein erfreulich erwachsenes Auto. In der ersten Reihe kneift selbst mit 1,90 Meter Körpergröße nichts, auch der Kofferraum mit weit öffnender Heckklappe ist schön groß geschnitten. Hauptsächlich im Fond merkt man dem Taigo an, dass er konstruktiv dem Kleinwagenlager entstammt. Diese Limitierung dürften die Interessenten dem VW jedoch nachsehen. Funktional entfeinert gegenüber einem T-Cross ist das Raumkonzept: Die längs verstellbare Rücksitzbank und die für besonders langes Ladegut umlegbare Beifahrersitzlehne fehlen.

Als flotter Crossover-Ableger des VW Polo hat der Taigo einen eigenen Charakter.
Bild: Christoph Börries
Technische Daten
1.0 TSI OPF | 1.0 TSI OPF | 1.5 TSI OPF DSG | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 999 cm³ | 999 cm³ | 1498 cm³ |
Leistung | 70 kW (95 PS) bei 5500/min | 81 kW (110 PS) bei 5500/min | 110 kW (150 PS) bei 5000/min |
Drehmoment | 175 Nm bei 1600/min | 200 Nm bei 2000/min | 250 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 183 km/h | 191 km/h | 212 km/h |
0–100 km/h | 11,1 s | 10,4 s | 8,3 s |
Tank/Kraftstoff | 40 l/Super | 40 l/Super | 40 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad | Siebengang-DSG/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4266/1757/1518 mm | 4266/1757/1518 mm | 4266/1757/1518 mm |
Kofferraumvolumen | 440-1220 l | 440-1220 l | 440-1220 l |
Leergewicht/Zuladung | 1220/460 kg | 1242/458 kg | 1304/446 kg |
Schon die Basis ist angenehm ausgestattet
Das hat er: Für VW-Verhältnisse fällt die Serienausstattung recht generös aus. Bereits das Taigo-Grundmodell verfügt über LED-Scheinwerfer, ein volldigitales Kombiinstrument und moderne Infotainmenttechnik aktueller Bauart (MIB3). Kostendruck spürt man eher an den hier und da sehr einfachen und nicht sonderlich kraftfesten Kunststoffblenden sowie an den einfachen Polsterstoffen.

Voll digitalisiertes Cockpit im Polo-Stil, jedoch mit Slider-Klimasteuerung. Der Qualitätseindruck ist eher nüchtern, aber knisterfrei.
Bild: Christoph Börries
Wer mehr Wert auf Komfort und attraktivere Dekore legt, dürfte mit den höheren "Life"- und "Style"-Ausstattungslinien glücklicher werden. Diese punkten mit sinnvollen Details wie einem größeren 8-Zoll-Touchscreen, App-Connect für Smartphones (inklusive Apple CarPlay und Android Auto), einer Rückfahrkamera, Sitzheizung vorn und einem höhenverstellbaren Beifahrersitz. Um Sportlichkeit müht sich die Topversion "R-Line" mit muskulöser ausgeformten Stoßfängern, Sportsitzen und feschen 17-Zoll-Leichtmetallrädern.
Den Taigo gibt's ausschließlich als TSI-Verbrenner
So fährt er: Gekonnt nachgeschärft gibt sich der Taigo agiler als etwa ein T-Cross. Antriebsseitig leistet er sich jedoch keinerlei Raffinessen. Er fährt mit gefragter, leicht erhöhter Bodenfreiheit, aber stets als braver Fronttriebler und ausschließlich als TSI-Verbrenner mit Otto-Partikelfilter (OPF) vor. Die 1.0-TSI-Basis mit 95 PS profitiert auf dem Papier von ihrem früh anliegenden Drehmoment, ist aber der ruhigste Kandidat. Überraschend munter und mit rund 6,5 Liter Praxisverbrauch gehen die von uns gefahrene 110-PS-Variante und die 115-PS-Version des 1.0 TSI zu Werke. Motorische Speerspitze, aber gebraucht meist spürbar teurer, ist die TSI-Topversion mit 150 PS, die als einzige als Vierzylinder vorfährt. Wer auf Allrad angewiesen ist oder einen Hybridantrieb wünscht, muss sich im VW-Konzern anderweitig umschauen.

Flott gefahrene Kurven meistert der VW Taigo sehr sicher. Sein Heck ist für viele Kunden die Schokoladenseite und der Kaufgrund.
Bild: Christoph Börries
Dicke Sicherheitspluspunkte macht der Taigo, weil serienmäßig der Spurhalteassistent Lane Assist und der Kollisionswarner Front Assist mit City-Notbremsfunktion verbaut sind. Für Vielfahrer empfehlenswert ist der optionale, ordentlich funktionierende IQ-Drive Travel Assist. Das System umfasst einen Tempomaten mit automatischer Distanzregelung (ACC) und kann Daten wie Tempolimit, Navigationsinformationen und den Spurhalteassistenten zu einem teilautomatisierten Fahrassistenten bis 210 km/h kombinieren. Das ist in dieser Klasse nicht unbedingt selbstverständlich.
Stärken
- Gute Allroundeigenschaften
- Moderne Assistenzsysteme
- Platzangebot solide
Schwächen
- Nüchternes Basismodell
- Hohes Preisniveau
- Ausschließlich Benzinmotoren
Die Zahl baureihentypischer Fehler ist gering
Das macht Ärger: VW bietet ab Werk zwei Jahre Neuwagengarantie (optional verlängerbar), drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Garantie auf den Durchrostungsschutz. Ein lästiger Dauerbrenner sind Infotainmentprobleme. Sie reichen von sehr langsamen Boot-Sequenzen über Verbindungsschwierigkeiten mit verschiedenen Smartphones bis zu Systemabstürzen. Volkswagen bemühte sich um Nachbesserungen via Softwareupdate.
Taigo-Fahrer berichten außerdem von vereinzelt auftretenden Problemen im Alltagsbetrieb: Das Doppelkupplungsgetriebe (DSG) schaltet nicht immer harmonisch und neigt teilweise noch immer zur Anfahrschwäche. Die Klimaanlage fällt teils aus oder hält die Temperatur nicht wie gewünscht. Einzelne Fahrzeuge sind minderwertig verarbeitet und zeigen Knister- oder Knackgeräusche. Andere Taigo fallen bei schneller Fahrt mit hohen Windgeräuschen auf. Ebenfalls lästig sind vereinzelte Wassereinbrüche im Kofferraum und Probleme mit den Fensterhebern. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ist die Bilanz solide. Dort ist lediglich ein überwachter Rückruf wegen eines Gurtwarnerausfalls hinterlegt (2023).
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,5 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 133 g/km |
Inspektion | 300-600 Euro |
Haftpflicht (12)* | 394 Euro |
Teilkasko (18)* | 492 Euro |
Vollkasko (16)* | 760 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 99 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1001 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 714 Euro |
Wasserpumpe | 675 Euro |
Zahnriemen | 1027 Euro |
Nachschalldämpfer | 481 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1502 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 616 Euro |
Infotainmentbildschirm | 994 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 205/60 R16 V) | 450 Euro |
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