Wasserdurchfahrt mit E-Auto: Achtung geboten
Im Elektroauto durch tiefe Pfützen: Ist das gefährlich?

Achtung, passen Sie auf, wenn Sie mit Ihrem Elektroauto durch tiefe Pfützen fahren! Deshalb eignen sich Tesla und Co nicht als Boot.
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- Frederik Hackbarth
Auf dem Rückweg von den 24 Stunden von Le Mans gerate ich letztes Wochenende bei Paris in ein schweres Unwetter: Blitz, Donner, Starkregen und nach kurzer Zeit auch riesige Pfützen auf der Fahrbahn machen den Trip durch den Stadtverkehr zu einem Abenteuer. Meinen Uber-Fahrer juckt das wenig: Viel zu schnell fährt er, gemessen an den Wetterverhältnissen. Keine Pfütze lässt er aus, sei sie noch so tief.
Während er sein Taxi kurzerhand behandelt wie ein Amphibienfahrzeug, entfährt es meinem Mitfahrer: "Gott sei Dank sitzen wir nicht in einem E-Auto!" Doch stimmt das überhaupt? Wird die Kombination aus Elektromobilität und zu viel Wasser im Straßenverkehr tatsächlich zum gefährlichen Problem?

Wassermassen sind für kein Auto gut, egal ob E oder Verbrenner.
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Die Antwort lautet: Nein. Zumindest nicht mehr als in einem herkömmlichen Auto. "Die maximale Wassertiefe, durch die ein Elektroauto fahren kann, entspricht mit circa 30 Zentimetern der eines Verbrenners", heißt es vom Verband der Automobilindustrie. Der genaue Wert sei je nach Hersteller, Konzept und Design unterschiedlich, speziell für Wasserdurchfahrten ausgerüstete Geländewagen können logischerweise deutlich mehr meistern.
Keine erhöhte Gefahr durch E-Autos
Was den Glaubenskrieg zwischen den Konzepten betrifft, gibt es sogar Experten, die E-Autos im Vergleich zu Verbrennern hier im Vorteil sehen. Der Grund ist einfach: Ab einer gewissen Wassertiefe geht Autos mit Verbrennungsmotor die Luft aus. Gelangt erst einmal Wasser in die Brennkammern, ist der Ofen sozusagen aus.
Elektromotor und Hochvoltbatterie benötigen hingegen keine Luft und sollten als wasserdichte Systeme gekapselt sein. Anders sieht das allerdings für die Kabelsteckverbindungen zwischen den Bauteilen und manch andere Komponenten aus. Doch selbst für den unwahrscheinlichen Fall eines Defekts sind zumindest Leib und Leben nicht in Gefahr.
"Kommen beschädigte elektrische Leitungen doch einmal mit Wasser in Berührung, wird dies von den Sicherheitssystemen im Fahrzeug erkannt und die Hochvoltbatterie abgeschaltet", heißt es seitens der nordrhein-westfälischen Initiative für Elektromobilität. Eine Weiterfahrt ist dann aber auch im E-Auto ausgeschlossen.
Wasser im Innenraum: schlechte Idee
Grundsätzlich gilt: Die relevanten Bauteile sind ausreichend gegen Wasser geschützt, auch in Alltagsszenarien müssen sie Regen, der Waschanlage oder einem Hochdruckreiniger standhalten. Zudem gibt es für die einzelnen Komponenten Schutzklassen, die davon abhängen, ob sich ein Bauteil im Nassbereich, im Spritzwasserbereich oder im Innenraum befindet. Drinnen gilt also: Hier ist Wasser tunlichst zu vermeiden, denn dringt es dort erst mal ein, wird es oft schwer, das Auto zu retten.

Trotz Tesla: Elon Musk hat sich lieber einen hohen Stuhl besorgt.
Bild: © Nancy Pastor ( mit absprache von Kersten Weichbrodt)
Da hilft es auch nichts, dass manche E-Autos sogar schwimmen können, wie Tesla-Chef Elon Musk bereits vor einigen Jahren verraten hatte: "Wir empfehlen das auf keinen Fall, aber das Model S treibt gut genug auf dem Wasser, um für kurze Zeit zu einem Boot zu werden. Die Radumdrehung sorgt dabei für Schub."
Festzuhalten bleibt: Eine erhöhte Gefahr durch die Elektrokomponenten besteht prinzipiell nicht, große Wassermassen machen das Fahren aber allein schon aus Gründen der Verkehrssicherheit unsicher. Ab einer gewissen Wassermenge ist zudem davon auszugehen, dass das Auto nicht mehr fahren kann – egal ob Verbrenner oder E-Auto.
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