Der Hype um die Hypercars ist bei den Testfahrten der Sportwagen-WM (WEC) in Spa in den vergangen zwei Tagen verpufft. Die neue Spitzenklasse war nämlich sogar langsamer als die LMP2-Kategorie! Die Zeiten haben dabei durchaus Aussagekraft: In Spa steigt am Wochenende auch der Saisonauftakt.
Die Bestzeit absolvierte der Formel-E-Tabellenführer Nyck de Vries in einem Aurus-Gibson LMP2 des russischen G-Drive-Teams. Er war etwa eine halbe Sekunde schneller als Sébastien Buemi, der im Toyota GR010 Hybrid die schnellste Hypercar-Runde drehte. Sie reichte aber nur für Rang vier im Gesamtklassement. Drei LMP2 waren also flotter unterwegs.
Bei Toyota zeigt man sich entsprechend enttäuscht: „Vielleicht haben wir im Renntrimm einen Vorteil, aber das haben wir so nicht erwartet“, gesteht Toyota-Teamchef Rob Leupen.

LMP2 kastriert, Hypercars mit mehr PS

Dabei wurden die LMP2-Prototypen 2021 ordentlich eingebremst: Die 4,2-Liter-V8-Sauger von Gibson leisten nur noch 536 statt 600 PS wie im Vorjahr. Das Auto muss außerdem 950 Kilogramm auf die Waage bringen – 20 Kilo mehr als 2020.
Hypercars zu lahm, Flörsch die Überraschung?
Die neuen Hypercars waren bei den Testfahrten in Spa langsamer als die schnellsten LMP2.
Toyota darf dagegen den 3,5-Liter-V6-Turbo-Hybrid aufdrehen. Erlaubt sind in Spa sogar 700 PS statt 670 PS, die bei den 24 Stunden von Le Mans die Obergrenze bilden werden. Toyota-Technikchef Pascal Vasselon weiß: „Die Simulationen haben schnell gezeigt, dass der Abstand zu den LMP2-Autos auf den WEC-Strecken kritischer sein wird als in Le Mans.“
Denn auf den Geraden sind die Hypercars klar schneller: in Spa brachten die Toyotas Höchstgeschwindigkeiten von 308 km/h zustande, die LMP2 nur 301 km/h. Der Kurs in Le Mans besteht aus vielen langen Geraden. Die Hypercars verlieren die Zeit vor allem in den engen Kurven – was auch am Gewicht (1040 Kilogramm) liegt.

Toyota mit Problemen

Viele Experten würden daher am Wochenende eine Überraschung nicht ausschließen, die da hieße, dass ein LMP2 statt eines Hypercars gewinnt. Zwar muss in der LMP2-Klasse mindestens ein Amateurfahrer am Steuer sitzen, während die Hypercars ausschließlich mit Profis besetzt sind. Aber: An Toyotas neuem Hypercar traten bei den Testfahrten noch zahlreiche Kinderkrankheiten auf. Vor allem im Bereich der Elektronik und Hydraulik beklagten die Japaner Probleme. „Statistisch betrachtet hast du mit einem neuen Auto immer mehr Defekte“, rechnet Vasselon vor.
Dazu kommt, dass für das 6-Stundenrennen von Spa auch nur drei Hypercars gemeldet sind. Der Alpine-Gibson ist dabei sogar gar kein Hypercar, sondern ein gekappter LMP1, der auf 600 PS und 930 Kilogramm kastriert wurde. Glickenhaus fehlt in Spa noch mit seinen beiden Fahrzeugen.
Die LMP2-Klasse ist dagegen mit elf Autos stark besetzt. In Le Mans sind sogar 25 LMP2 gemeldet.

Flörsch noch nicht happy

Hypercars zu lahm, Flörsch die Überraschung?
Sophia Flörsch startet gemeinsam mit Beitske Visser und Tatiana Calderón in der LMP2-Klasse.
Sophia Flörsch startet gemeinsam mit Beitske Visser und Tatiana Calderón in der LMP2-Klasse. Hat die 20-Jährige aus München damit sogar Siegchancen? In den vier Testsessions landete das Frauentrio nur auf den Plätzen 12, 13, 15 und 18. „Wir sind noch nicht happy, aber wir pushen weiter“, erklärt Flörsch.
Die LMP2-Klasse ist stark besetzt. Mit Jan Magnussen (der in Le Mans mit seinem Sohn Kevin Magnussen ein Team bilden wird), Juan-Pablo Montoya, Giedo van der Garde, Anthony Davidson und Stoffel Vandoorne sind fünf frühere Formel-1-Fahrer im LMP2-Feld vertreten.
Das Rennen am Samstag von 13.30 bis 19.30 Uhr ist leider nicht im deutschen Free-TV zu sehen. Eurosport 2 und Eurosport Player zeigen zumindest Ausschnitte.