Die Sportwagen-WM ist auch eine Weltmeisterschaft für Amateure. Gleich in zwei Klassen ist mindestens ein Amateur vorgeschrieben – in der LMP2-Prototypenkategorie und in der GTE-Am-Klasse für Gran-Tourismo-Fahrzeuge.
Nun sorgen sie in der WEC vor dem zweiten Saisonrennen am Wochenende in Portimão (Sonntag, 18.30 Uhr auf Eurosport) für Diskussionen. Genauer geht es um die Amateurpiloten bei Porsche. Vier davon hatten beim Auftakt in Spa nämlich schwere Unfälle, bei denen zum Teil die Chassis zerstört wurden. Egidio Perfetti, Christian Ried, Michael Wainwright und Anders Buchardt blieben aber Gott sei Dank unversehrt.
Fakt ist: Der Porsche 911 RSR-19 ist seit Mitte 2019 im Renneinsatz – bisher aber nur in der GTE-Pro-Klasse für Werksfahrer. 2021 dürfen auch die Amateure mit dem rund 510 PS starken (4,2-Liter-Sechszylinder-Boxer) Porsche 911 RSR-19 ausrücken. Ist das neue Auto zu schnell für sie?

Aerodynamik am Porsche verbessert

Vier Unfallfahrer sind kein Zufall. Der Porsche 911 RSR-19 ist zwar nur ein Update des 2017er 911 RSR-Modells. Doch vor allem aerodynamisch und mechanisch wurde einiges am Fahrzeug geändert – zum Beispiel die Auspuffführung. Die Änderungen sollten eigentlich dafür sorgen, dass die Balance in den Kurven gleichmäßiger und damit berechenbarer ist. Das würde Amateurfahrern zu Gute kommen. Porsche ist daher auch in schnellen, mittelschnellen und langgezogenen Kurven besonders stark.
Die Sportwagen-Weltmeisterschaft startet ins zweite Rennwochenende.
Doch GTE-Fahrzeuge sind nicht einfach zu handeln. Die Traktionskontrolle ist weit weniger ausgetüftelt wie in GT3-Fahrzeugen, die als reine Kundenautos mehr Serien- als Rennmodell sind. Weitere Fahrhilfen wie ABS fehlen im GTE sogar ganz.
Die Aerodynamik funktioniert bei freier Fahrt bestens. Doch ein Teil der Unfälle ist darauf zurückzuführen gewesen, dass es hinter anderen Boliden zu einem Strömungsabriss kam. Die Fahrer haben das Auto dann aus der Kontrolle verloren.

Amateurfahrer sind sehr erfolgreich

Bei Porsche geht man nicht von einem nachhaltigen Problem aus. Auch in der europäischen Le-Mans-Serie fahren – zum Teil dieselben – Amateure 2021 mit dem 911 RSR-19 ohne große Zwischenfälle. Womöglich waren die kalten Bedingungen und die schwierige Strecke in Spa ein Hauptgrund für die Unfälle. Dazu kommt eine Regeländerung, wonach in der GTE-Am die Amateure die Qualirunde bestreiten müssen. Hier müssen sie also besonders ans Limit gehen.
In Portimão sollte das Problem jedenfalls behoben sein. Denn auch wenn offiziell von Amateuren die Rede ist, sind die Fahrer äußerst erfahren und erfolgreich: Menthos-Chef Perfetti gewann zum Beispiel 2019 die GTE-Am-Klasse bei den 24 Stunden von Le Mans, der Deutsche Christian Ried ein Jahr zuvor.