Weltweite Finanzkrise
Das sollten Sie jetzt wissen

Finanzkrise, Milliardensummen werden versenkt, Banken gehen pleite oder müssen vom Steuerzahler vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Was bedeutet das für die Autofahrer?
Bild: AUTO BILD / Ralf Timm
- Roland Bunke
Ein Beben geht um die Welt, unvorstellbare Summen gehen in Rauch auf. Die weltweite Finanzkrise wirft Fragen auf, auch für Autofahrer. Wie sicher stehen die Banken der Autohersteller noch da, bei denen der Kredit läuft? Wie entwickeln sich Benzinpreis und Autokonjunktur? Und: Holt sich der Staat jetzt Geld per Steuererhöhung? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen der Leser.
Wie sicher ist mein Autokredit?
Können auch die Banken der Autohersteller in den Strudel der Finanzkrise geraten und deshalb laufende Verträge einer Autofinanzierung kündigen? Das ist äußerst unwahrscheinlich. Das Geschäft der Autobanken ist ein klassisch solides Kreditgeschäft. Diese Banken haben jeweils Hunderttausende von Kunden, die im Schnitt vergleichsweise geringe Beträge schulden und diese verlässlich zurückzahlen. Vor allem die Prüfung der Bonität, also der voraussichtlichen Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer, bringt diese Sicherheit. Die Ausfälle liegen bei unter einem Prozent, mehr als 99 Prozent aller Kreditnehmer zahlen ihre Raten also nach Plan. Beliebig kündigen können Autobanken einen laufenden Kredit auch jetzt nicht, sofern der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nachkommt. Der vereinbarte Zinssatz, die Laufzeit und Ratenhöhe bleiben bestehen. Eine Kündigung ist allerdings etwa dann möglich, wenn der Kunde drei aufeinanderfolgende Raten nicht bezahlt.
Ist Leasing noch empfehlenswert?

Kriege ich noch einen Kredit?
Grundsätzlich sind jetzt alle Banken bei der Vergabe von Krediten vorsichtiger, die Bonität (Zahlungsfähigkeit) des Kunden wird also noch wichtiger. Doch massenhafte Ablehnung von Privatkunden durch die Autobanken wird es kaum geben, denn die Kreditvergabe zum Autokauf ist das unverzichtbare Kerngeschäft der Autobanken. Kreditvoraussetzung wird bleiben, dass der Kunde regelmäßige Einkünfte vorweisen kann. Zudem lassen sich Ausfälle versichern (siehe unten).
Kann ich einen bereits geschlossenen Kaufvertrag oder Kredit stornieren?

Bild: Werk /
Wird es weiter günstige Auto-Zinsen geben?
Die Supersonderangebote zu null oder 0,9 Prozent Zins könnten erst mal verschwinden, doch grundsätzlich werden die Zinsen bei den Herstellerbanken im Vergleich zum Markt günstiger bleiben. Der Grund: Die Autobanken betreiben, anders als übliche Banken oder Sparkassen, die Finanzierung des Verkaufs der eigenen Produkte. Ohne eine solche aggressive "Absatzfinanzierung" wer den die Hersteller ihre Neufahrzeuge nicht in nötiger Zahl los. Deshalb orientiert sich der Zinssatz der Autobank auch seit jeher an der aktuellen Beliebtheit der einzelnen Modelle. Ladenhüter oder überproduzierte Modelle werden per Schnäppchenzins angeschoben. Bestseller oder neue Modelle wie jetzt VW Golf VI und Opel Insignia zum Start erst mal nicht. Diese Zins-Systematik wird bleiben.
Soll ich jetzt ein Auto finanzieren?

Bild: AUTO BILD / H.J. Mau
Sind meine Anlagen bei der Autobank sicher?
Anlagen bei den Autobanken wie etwa der Volkswagen-, der Mercedes- oder BMW-Bank sind sicher, weil die Banken einem "Einlagensicherungsfond" angehören. Der sichert jeden Kunden mit Millionen ab. Diese Sicherung gilt für Geld auf Giro- und Kreditkartenkonten, für Anlagen in Sparbüchern, Sparplänen, Sparbriefen sowie Tagesund Festgeld. Riskantere Papiere wie etwa Zertifikate sind dagegen über den Einlagensicherungsfonds nicht gedeckt. Von den Autobanken selbst sind solche Papiere nicht herausgegeben worden, konnten aber von ihren Kunden erworben werden. Geht die herausgebende Bank solcher Papiere Pleite, ist das so investierte Geld wahrscheinlich verloren. Aktienfonds wiederum sind vor einer Pleite sicher, als "Sondervermögen" dürfen sie auch bei einer Bankpleite nicht angetastet werden.
Wie kann ich einen Autokredit versichern?

Bild: AUTO BILD / Christian Stelling
Wird das Benzin jetzt noch teurer?
Voraussichtlich wird der Benzinpreis in absehbarer Zeit erst mal nicht weiter steigen oder sogar wieder sinken. Der Rohölpreis ist von seinem absoluten Höchststand von knapp 150 US-Dollar pro Barrel Ende Juni bereits wieder auf rund 95 Dollar gefallen, der spekulative Anteil ist damit weitgehend aus dem Preis heraus. Die weitere Entwicklung wird von der weltweiten Nachfrage abhängen. Ein abstürzender Ölpreis wäre aber ein zweifelhaftes Geschenk, weil eine solche Entwicklung wohl nur durch eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst werden könnte – Gift für Deutschlands exportabhängige Arbeitsplätze.
Werden nun die Steuern für Autofahrer steigen?

Bild: AUTO BILD / Andreas Lindlahr
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Roland Bunke

Bild: Holger Schaper
Service-Links