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Platz gibt es reichlich: Der Forster I 738 EB streckt sich auf knapp 7,40 Meter.
Nichts bleibt, wie es ist. Auch nicht bei den Reisemobilen, wie uns der Forster I 738 EB zeigt: Mit ihm streckt die Luxusklasse der Integrierten ihre Fühler nach unten aus. Forster, die Günstigmarke von Eura, ruft 59.490 Euro als Einstiegstarif für das Einzelbetten-Mobil aus. Chapeau! Für einen 7,40-Meter-Vollintegrierten ist das eine Kampfansage. Ganz ohne Druck schiebt Forster seine neuen Integrierten freilich nicht in den Markt: Immer mehr Kunden zögern bei den einst so beliebten Alkoven. Gut im Rennen liegen dagegen Teilintegrierte und, wenn’s mehr Raum sein soll, Integrierte. Dass die bislang zu teuer waren, will der I 738 EB nun ändern und probt die Revolution von oben. Die Liste der Extras fällt allerdings beeindruckend lang aus – beim Testwagen addiert Forster den Preis schließlich auf üppige 72.560 Euro.

Der Forster zeigt die klare Kante

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Typisch ist das Ducato-Cockpit. Doch hier rauben die breiten A-Säulen dem Fahrer viel Sicht.
Das ist er: Ein Integrierter, der klare Kante zeigt. Nichts wirkt altbacken oder aufgesetzt luxuriös am I 738 EB, wie es manchmal bei Integrierten ist, weil es das reifere Publikum angeblich so wünscht. Gefertigt wird er bei SEA in der Toskana, einem Werk der französischen Trigano-Gruppe, zu der Forster gehört. Die hagelfeste, holzfreie GFK-Kabine ist garantiert fünf Jahre dicht, und dass der I 738 EB mit spitzem Bleistift gerechnet wurde, verbirgt er gut: Die Rahmenfenster mit planen Scheiben sind hochwertig, den Wassereinfüllstutzen schützt eine Klappe, die Front wirkt markant. Dabei nutzt Forster die Serien-Scheinwerfer des Ducato, was günstiger ist als jede Kleinserienlösung – auch später, wenn mal was bricht. Clever zudem, dass die zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen rechts vom Beifahrer sitzen, ohne sonst irgendwo Raum zu stehlen.

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Nissan Evalia Zooom Stadtindianer, Nissan Evalia Cristall Camper Car
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Das automatisierte Schaltgetriebe ist nicht optimal

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Zwei Schlafplätze liegen über dem Cockpit.
So fährt er: Sicher und ziemlich komfortabel. Forster setzt bei seinen Integrierten der 3,5-Tonnen-Klasse auf das Fiat-Breitspurfahrgestell, das ebenfalls wählbare Maxi-Chassis bietet 4,25 Tonnen Gesamtgewicht. Dann sind, wie bei unserem Testwagen, üppige 1000 Kilogramm Zuladung möglich – plus ein Zwei-Tonnen-Anhänger am Haken. Kein Wunder, dass Forster bereits beim Basismotor auf die 130-PS-Variante des Ducato setzt. Wer mehr möchte, bekommt 148 PS wie im Testwagen, auch 180 PS sind möglich. Gegen Mehrpreis war zudem das automatisierte Schaltgetriebe an Bord, ein Extra, das polarisiert: Unlogische Reaktionen und lahmer Gangwechsel im falschen Moment nerven, doch wer überzeugter Schaltgegner ist, lebt eben mit den Einschränkungen. Überzeugen können die Bremsen: Aus Tempo 100 steht der Forster nach 46,3 Metern, da brauchen manche Teureren deutlich mehr. Minuspunkte gibt es dennoch in Sachen Sicherheit: Beifahrer-Airbag und ESP kosten Aufpreis, und die wuchtigen A-Säulen spannen einen gefährlich großen toten Winkel auf.

Die Verarbeitung hat Mängel

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Waschbecken und Toilette wirken nicht nur funktionell, sondern durchaus auch edel.
Das hat er: Vieles, was es zum guten Leben unterwegs braucht. Reichlich Platz bietet die Sitzgruppe mit ihrem abklappbaren Seitensitz, das cremefarbene Kunstleder wirkt fest und haltbar. Auch das Bad fällt geräumig aus, es lässt sich jedoch nur gegen Küche und Wohnraum schließen, die Dusche bleibt zu den Einzelbetten im Heck hin stets offen. Die fallen überzeugend komfortabel aus, ähnlich wie das große Hubbett vorne. Stauraum findet sich im I 738 EB eine Menge, allerdings keine Fächer im Boden. Auch ein richtiger Kleiderschrank ist nicht an Bord, dafür gibt es von innen einen praktischen Zugang zur Heckgarage. Großzügig geriet die Küche, dazu passt der 149 Liter große Dometic-Kühlschrank mit Gefrierfach gegenüber. Einen Backofen gibt’s gegen Zuzahlung, nicht jedoch mehr Arbeitsfläche – beim Kochen geht es eng zu.Viel Wert legt Forster aufs Licht. Nicht nur an trüben Reisetagen überzeugt die LED-Ambiente-Beleuchtung. Doch der Blick aufs Detail zeigt auch, dass die Franzosen keine karitativen Ziele verfolgen: Nicht alle Scharniere sind bündig eingesetzt, Fugen laufen schief. Dazu kommt eine hakelig öffnende Fahrertür, während das Wohnraum-Pendant enorm schmal ausfällt und als Version mit Fenster und Müllbehälter bereits Aufpreis kostet. Zaubern können sie eben auch bei Forster nicht.

Fazit

Aufgabe gelöst: Der I 738 EB überzeugt als zeitgemäßes Angebot für jüngere Käufer, die in die große Klasse aufsteigen wollen. Konzept und Qualität stimmen, allein das Finish mancher Details enttäuscht. Und schade, dass die Aufpreisliste endlos scheint.