Eigentlich recht unscheinbar, wie "Pamela" an diesem Dienstagvormittag bei herrlichem Sonnenschein auf dem Parkplatz der Keltenwelt am Glauberg steht. Ein altes Wohnmobil auf einem Parkplatz irgendwo in Hessen.

Die Sendung "Camping-Check" erreicht ein Millionenpublikum

Nur ist "Pamela" eben nicht irgendein Wohnmobil, sondern das Gefährt von Friso Richter, der mit seiner Sendung "Camping-Check" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Millionenpublikum erreicht.
Aus diesem Grund haftet der Blick sofort an dem Eriba Car. Wie bei einem Hollywoodstar, der durch Los Angeles schlendert. Unentdeckt unterwegs sein? Vergiss es! Und so ist das Wohnmobil von 1993 eine Berühmtheit in der Camping-Welt.

"Die Sitzecke ist einfach schweinegemütlich!"

Gerechnet hat Friso damit nicht, als er das Fahrzeug 2020 in einem bekannten Gebrauchtportal entdeckt hat. "Ich wusste gar nicht, dass sie so extrem selten ist. Sie hat mir einfach gut gefallen", erzählt der 46-Jährige. Vor allem das helle Holz und der Grundriss haben es ihm angetan. "Die Sitzecke ist einfach schweinegemütlich!" Insgesamt befindet sich das 73 PS starke Gefährt in einem guten Zustand.
Eriba Car "Pamela“
Geschenke sind keine Seltenheit: Fans von Friso und "Pamela" lassen ihrer Kreativität freien Lauf.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
"Sie stammt aus drei Generationen einer Familie und stand immer in einer Halle", berichtet der gebürtige Münsterländer. Ein paar Dellen und Macken bleiben bei 32 Jahren und knapp 180.000 Kilometern aber natürlich nicht aus. Deswegen braucht das sechs Meter lange Reisemobil regelmäßig Zuwendung. "An dem Kühlschrank habe ich letztens selber rumgebastelt. Die Technik ist ziemlich simpel, das kannst du alles selber machen", berichtet der Hobby-Musiker. Arbeiten am Fahrgestell übernimmt eine Werkstatt, zu der Friso Vertrauen gefasst hat.

Die Kabelführung "sieht zum Teil kriminell aus"

Dort wird hin und wieder auch Rost entfernt. "Sonst läuft aber wirklich alles. Bis auf die Dusche, da ist ein Riss in der Wanne, aber wenn du das Teil siehst, willst du da auch gar nicht drin duschen", erzählt er lachend. Der Rest sei schön robust, auch wenn die Kabelführung vor mehr als 30 Jahren offenbar noch etwas anders gehandhabt wurde. "Das sieht zum Teil wirklich kriminell aus, wie die Sicherungen da liegen."
Am Steuer muss er mit "Pamela", die ihren Namen wegen ihres runden Hinterteils einer bekannten amerikanischen Schauspielerin der 1990er-Jahre verdankt, gefühlvoll umgehen. "Ich fahre maximal 100 km/h schnell, weil sie abartig laut ist. Gefühlt fehlt ihr ein Gang", erzählt Friso augenzwinkernd.
Eriba Car "Pamela“
So sieht ein Citroën-Cockpit aus den 1990er-Jahren aus.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Der Grundriss bietet alles, was auch ein modernes Wohnmobil vorzuweisen hat: Nasszelle, Küche mit zwei Gasflammen, große Spüle, Kühlschrank und eine Sitzgruppe, die umgebaut ein 1,80 Meter breites und zwei Meter langes Bett bietet. Ein großer Kleiderschrank und zahlreiche Oberschränke bieten reichlich Platz für Klamotten.

Stehhöhe von knapp 1,90 Meter – dank Hubdach

Witziges Highlight ist das schmale Hubdach, das für eine Stehhöhe von knapp 1,90 Metern sorgt. "Sie ist nicht schwer und verbraucht auch nur acht bis neun Liter", betont der Camping-Checker.
Gespickt ist das Innere von "Pamela" mit jeder Menge Fanpost, die bei den beiden stets einen Ehrenplatz bekommt. Von gemalten Bildern über gestrickte Wohnmobile, Schlüsselanhänger und bedruckte Kissen ist alles dabei.
Auch an der Karosserie außen hat "Pamela" zahlreiche Details zu bieten. So schmücken jede Menge Aufkleber ihr Äußeres. "Die kamen alle nach und nach. Ich hab da einen, der mir die nach meinen Wünschen gestaltet", berichtet Friso. Auffällig neu sind die Modell-Schriftzüge von Eriba. Die hat der hauptberufliche Camper erst vor Kurzem vom Erwin Hymer Museum (Eriba gehört zur Hymer-Gruppe) bekommen.
Eriba Car "Pamela“
Fenster runter, gute Laune und los: So sind die beiden unterwegs.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Seine kurz vor der Corona-Pandemie gestartete Sendung hat den beiden eine unglaubliche Bekanntheit verliehen, denn "Pamela" ist von Anfang an mit dabei. "Die Leute springen total auf sie an und finden sie einfach cool und außergewöhnlich. Einfach krass, wie bekannt sie inzwischen ist!", erzählt der Wahl-Hesse. Ruhige Minuten auf Campingplätzen haben die beiden daher nur noch selten.
Das Kult-Mobil und Friso werden überall sofort erkannt. "Die Leute sind wahnsinnig verrückt, im positiven Sinne! Es wurden schon eine Ziege und ein Schnitzel nach mir benannt." Bald soll sogar ein Baby seinen Namen bekommen. Auch Autogramme gibt er natürlich – stilecht mit dem Edding aufs Wohnmobil. Der Hobby-Rocker und sein Rock 'n' Roll-Hotel führen also auch ohne Chart-Hit ein Rockstar-Leben.

Mittlerweile sind 30 "Camping-Check"-Folgen in der ARD-Mediathek

Die Idee zur Sendung, die heute ein Mega-Erfolg ist, hatte Friso damals übrigens selbst. Inzwischen gibt es in der ARD-Mediathek knapp 30 Folgen. Neuausstrahlungen laufen zur begehrten Sendezeit um 20.15 Uhr im Hessischen Rundfunk. Zusammen mit Kameramann und Kumpel Lukas Lowack berichtet Friso über alle Themen rund ums Thema Camping. Von außergewöhnlichen Stellplätzen über verrückte Fahrzeuge, Messe-Neuheiten oder Szene-Treffen und Festivals ist alles dabei. "Ich bin hauptberuflich Camper, das ist schon geil!"
Eriba Car "Pamela“
Dank Hubdach kommt "Pamela" auf knapp 1,90 Meter Stehhöhe.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Aber auch privat schnappt der 46-Jährige seine Liebste und führt sie aus, um romantische Abende am Lagerfeuer zu verbringen. So ging es für die beiden schon nach Frankreich, Dänemark, Norwegen und an die deutsche Nord- und Ostseeküste.
Aber auch Kurztrips in Hessen stehen regelmäßig an. Kleine Auszeiten an den Wochenenden, um die schöne Landschaft vor der eigenen Haustür zu erkunden – das ist genau sein Ding! Zum Verkauf steht "Pamela" natürlich nicht, auch wenn es schon unmoralische Angebote gegeben hat. "Ich hoffe wirklich, dass sie noch lange an meiner Seite ist. Sie muss in ihrem hohen Alter ja auch noch arbeiten gehen", sagt Friso.
Eriba Car "Pamela“
Ein Ersatzrad im Motorraum sieht man auch nicht mehr häufig.
Bild: Stefan Rogge Fotografie
Weitere Folgen des "Camping-Checks" sind nämlich schon in Planung. Die erste Folge wurde übrigens an unserem Treffpunkt, der Keltenwelt am Glauberg, aufgezeichnet.
"Hier darf man mit dem Camper auch eine Nacht lang stehen, wenn man das Museum besucht. Und das lohnt sich!", betont er. Für "Pamela" und Friso ist es ein ganz besonderer Ort, begann doch am Glauberg ihre Wahnsinns-Erfolgsgeschichte.