Parabolica, Lesmo, Variante Ascari – diese Kurven sind Kult in der Formel 1. Doch während Verstappen, Hamilton und Co. am Wochenende in Katar um WM-Punkte fahren, beherbergt das Autodromo di Monza das Finale der Rallye-Weltmeisterschaft.
Der Servicepark ist im Fahrerlager aufgebaut. Tabellenführer Sébastien Ogier und seine Konkurrenten driften mehrfach über die Rennstrecke – inklusive der legendären, von der Formel 1 seit 1961 nicht mehr genutzten Steilkurve. Rund die Hälfte der Wertungsprüfungen spielt sich im Königlichen Park ab, der Rest auf schmalen Straßen in den Bergen in der Umgebung von Monza.
Die Rallye Monza springt als Finale wie schon im vergangenen Jahr für den wegen Corona abgesagten WM-Lauf in Japan ein. Und dieses Mal sind die Vorzeichen umgekehrt. Im Dezember 2020 kam Elfyn Evans als Tabellenführer zur Rallye Monza. Sébastien Ogier, sein Teamkollege bei Toyota, spielte damals die Verfolgerrolle. Am kommenden Wochenende geht Ogier als WM-Führender ins Finale. Und nur noch Evans hat rechnerisch die Chance, dem Franzosen auf dem Weg zum achten Titel in die Parade zu fahren. 17 Zähler beträgt Ogiers Vorsprung vor Evans. 30 Punkte sind noch zu vergeben.
Der siebenmalige Weltmeister Sébastien Ogier und sein Toyota-Teamkollege Elfyn Evans kämpfen um den Titel.
Für den 37 Jahren alten Ogier und seinen vier Jahre älteren Beifahrer Julien Ingrassia geht am Wochenende eine Ära zu Ende. Nächstes Jahr will Ogier – dann mit neuem Copiloten – nur noch ausgesuchte Rallyes fahren. Die Vorbereitung auf einen zukünftigen Start beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans hat Vorrang. Ingrassia wird wohl auf die Management-Seite wechseln.
In Monza wollen die beiden Franzosen zum achten Mal Weltmeister werden. Nur ihre Landsleute Sébastien Loeb und Daniel Elena waren mit neun Titeln in Folge (2004 – 2012) noch erfolgreicher. „Für Julien und mich schließt sich in Monza ein Kapitel“, blickt Ogier voraus. „Aber wie gehen diese Rallye an, wie jede andere auch. Unser Ziel ist der Titel. Dazu müssen wir nicht unbedingt gewinnen.“
Wie schnell ein solcher Plan schiefgehen kann, weiß Elfyn Evans nur zu gut. Im vergangenen Jahr machte dem 32 Jahre alten Toyota-Piloten aus Wales das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Er rutschte in den Bergen auf Neuschnee von der Strecke. Der als Tabellenzweite angereiste Ogier siegte im Toyota Yaris WRC (1,6-Liter-Turbomotor, rund 380 PS, Allrad) und wurde Weltmeister. „Ich habe nur eine Außenseiterchance“, ist sich Evans bewusst. „Aber ich werde alles geben, sie zu nutzen.“
Zusätzliche Würze erhält das Titelduell der beiden Teamkollegen durch den ebenfalls noch offenen Kampf um die Hersteller-WM zwischen Tabellenführer Toyota und Verfolger Hyundai. Ausfälle dürfen sich Ogier, Evans und der dritte Yaris-Pilot Kalle Rovanperä nicht leisten. Dann hätte Hyundai tatsächlich noch eine winzige Chance. Teamchef Andrea Adamo bleibt Realist. „Eher habe ich ein Date mit Jennifer Aniston, als dass wir noch den Markentitel holen“, scherzt der Italiener.
Die Rallye Monza führt über rund 255 Kilometer Wertungsprüfungen (WP). Start der ersten WP ist am Freitagmorgen um 7:31 Uhr, Ziel am Sonntag gegen 14:00 Uhr. Deutsche Fahrer finden sich unter den 82 Teilnehmern keine.
Die Homepage der Rallye-WM (www.wrc.com) streamt alle Wertungsprüfungen live im Internet, der Dienst ist kostenpflichtig. Servus TV (www.servustv.com/sport) überträgt am Samstag und Sonntag jeweils zwei WP live im Internet, darunter die abschließende Powerstage.

Von

Christian Schön