Die Rallye Ypern gilt seit Jahrzehnten als eine der schwierigsten Asphalt-Veranstaltungen in Europa. Die schmalen Wirtschaftswege im Westen von Belgien stellen nicht nur durch den ständigen Wechsel zwischen Highspeed-Passagen und langsamen 90-Grad-Abzweigen sowie zwischen sehr griffigem und spiegelglattem Fahrbahnbelag eine einzigartige Herausforderung dar. Zusätzlich bestrafen tiefe Entwässerungsgräben und unzählige Leitungsmasten direkt neben der Piste gnadenlos jeden Fahrfehler.
Am kommenden Wochenende (13. bis 15. August) zählt die Traditionsveranstaltung als Rallye Belgien zum ersten Mal zur Weltmeisterschaft. Neu ist das Finale auf der Formel-1-Rennstrecke von Spa-Francorchamps.
Thierry Neuville
„Diese Rallye kann man nur gewinnen, wenn man sich zu 100 Prozent auf einen extrem sauberen Fahrstil konzentriert“, beschreibt Hyundai-Pilot Thierry Neuville. Der Belgier weiß, wovon er redet. Neben Teamkollege Craig Breen (Irland) ist er der einzige Werksfahrer, der die frühere Rallye Ypern aus der Cockpitperspektive kennt. Was Neuville bei seinem ersten WM-Heimspiel automatisch zum Topfavoriten stempelt. Kann den aktuell Gesamtdritten überhaupt jemand bremsen?
Ganz sicher Weltmeister Sébastien Ogier. Der französische Toyota-Pilot hat nicht nur ohnehin den saubersten Fahrstil von allen und ist auf Asphalt generell schwer zu schlagen. Der siebenmalige Champion gilt außerdem als der Fahrer mit der größten Rennintelligenz, ihm sollte die Umstellung auf die einzigartige Streckencharakteristik am schnellsten gelingen.
Als aktueller Tabellenführer hat Ogier darüber hinaus den Vorteil, zumindest während der Auftaktetappe am Freitag jeweils als Erster zu starten. Da die Piste durch Kurvenschneiden mit jedem Auto schmutziger wird, kämpfen die Teilnehmer auf den hinteren Startplätzen mit kontinuierlich schlechter werdendem Grip. Dieser Effekt würde durch Regen noch dramatisch verstärkt. „Das wird eine spannende Rallye, ich mag schwierige Verhältnisse“, blickt Belgien-Neuling Ogier voraus.
Bestenfalls Außenseiterchancen haben Ogiers Teamkollege Kalle Rovanperä (Finnland), der Überraschungssieger der (Schotter-) Rallye Estland, und der frühere Weltmeister Ott Tänak (Estland) im dritten Hyundai. Für das Ford-Duo Adrien Fourmaux (Frankreich) und Gus Greensmith (Großbritannien) wäre dagegen schon ein Platz auf dem Podium eine Riesenüberraschung.
Im Umfeld der Formel-1-Rennstrecke findet das Finale statt, inklusive Schlussspurt durch die weltberühmte Eau-Rouge-Kurve.
Zur WM-Premiere präsentiert sich die Rallye Belgien (20 Wertungsprüfungen über zusammen 311 Kilometer) mit verändertem Format. Während die Etappen am Freitag und Samstag wie gewohnt rund um die mittelalterlich-pittoreske Stadt Ypern ausgetragen werden, führt der Sonntag die rund 80 Teilnehmer erstmals ins etwa 250 Kilometer entfernte Spa-Francorchamps. Im Umfeld der Formel-1-Rennstrecke findet das Finale statt, inklusive Schlussspurt durch die weltberühmte Eau-Rouge-Kurve.
Die Homepage der Rallye-WM (www.wrc.com) streamt alle Wertungsprüfungen live im Internet, der Dienst ist kostenpflichtig. Servus TV (www.servustv.com/sport) überträgt am Samstag und Sonntag jeweils zwei WP live im Internet, teilweise auch im Free-TV.
Christian Schön

Von

Christian Schön