Befreiungsschlag für Thierry Neuville: Der belgische Hyundai-Pilot gewann zum ersten Mal seit rund 18 Monaten wieder einen Lauf zur Weltmeisterschaft – und dann gleich die WM-Premiere in seiner Heimat. „Eine Menge Druck lastete auf meinen Schultern. Trotzdem hat mir diese Rallye sehr viel Spaß gemacht und es lief eigentlich alles ziemlich locker. Toll, dass Martin ausgerechnet bei unserem Heimspiel zum ersten Mal ganz oben auf dem Podium steht“, freute sich der 33-Jährige aus dem Städtchen St. Vith mit Blick auf Copilot Wydaeghe, mit dem er sich erst seit Anfang der laufenden Saison das Cockpit teilt. Neuville ist jetzt punktgleich mit Toyota-Pilot Elfyn Evans Tabellenzweiter.
Neuville hatte im Ziel knapp 31 Sekunden Vorsprung vor Teamkollege Craig Breen. Der Ire hat erst vier der bisher acht WM-Rallyes des Jahres 2021 bestritten, ist neben Neuville aber der einzige Werksfahrer, der die heutige Rallye Belgien bereits von zurückliegenden Starts kannte.
Zunächst sah es sogar nach einem Hyundai-Dreifachsieg aus. Neuville, Breen und Ott Tänak im dritten i20 Coupé WRC gewannen 15 der insgesamt 19 Prüfungen. Tänak verlor allerdings den dritten Rang, als er am Samstagmorgen einen Reifen wechseln musste.
Dem Tempo der Hyundai-Armada konnte das Toyota-Trio nicht folgen. „Wir kommen mit den Streckenverhältnissen nicht so gut zurecht“, wunderte sich Weltmeister Sébastien Ogier. Kalle Rovanperä verdrängte Teamkolege Elfyn Evans am Sonntag zwar noch vom Platz drei, doch für Ogier blieb es bei Rang fünf. Damit festigte der Titelverteidiger immerhin seine Tabellenführung und ist bei jetzt noch vier ausstehenden Rallyes klar auf Kurs zum achten Titel.
Neuville gewinnt die von zahlreichen Unfällen überschattete WM-Premiere in Ypern.
Die fast überall von tiefen Gräben gesäumten Asphaltstraßen rund um die Stadt Ypern sorgten für zahlreiche Unfälle, die unter anderem das komplette Ford-Team buchstäblich aus dem Rennen warfen. Teilweise dramatisch aussehende Überschläge verursachten viel Schrott, glücklicherweise aber keine Personenschäden. Besonders kurios: Die Belgier Pieter Tsjoen/Eddy Chevaillier nahmen ein Gebäude volley, herabfallende Dachziegel verbeulten ihren VW Polo noch zusätzlich.
Starke Leistung von Fabian Kreim, im VW Polo der einzige deutsche Fahrer am Start. Der dreimalige Deutsche Rallyemeister ist in keiner der WM-Kategorien eingeschrieben. Er konnte sich also beispielsweise nicht bei den offiziellen Testfahrten auf die einzigartigen Streckenverhältnisse einschießen und wurde in der Startreihenfolge sehr weit hinten eingeordnet. Trotzdem waren Kreim und Beifahrer Frank Christian schneller als fast alle WRC2- und WRC3-Teams und belegten am Ende Gesamtrang neun. 
Nach dem WM-Neuling Rallye Belgien folgt als nächstes ein Klassiker – die Akropolis-Rallye in Griechenland (9. – 12. September).

Ergebnis nach 19 Wertungsprüfungen (1 WP abgesagt)

1. Thierry Neuville/Martijn Wydaeghe (B/B), Hyundai i20 Coupé WRC
2. Craig Breen/Paul Nagle (IRL/IRL), Hyundai i20 Coupé WRC, +30,7 Sekunden
3. Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen (SF/SF), Toyota Yaris WRC, + 43,1 Sekunden
4. Elfyn Evans/Scott Martin (GB/GB), Toyota Yaris WRC, + 49,6 Sekunden
5. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Toyota Yaris WRC, + 55,8 Sekunden
6. Ott Tänak/Martin Järveoja (EST/EST), Hyundai i20 Coupé WRC, +3.46,5 Minuten
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9. Fabian Kreim/Frank Christian (D/D), VW Polo GTI R5, + 13.13,8 Minuten

WM-Stand nach 8 von 12 Rallyes

1. Sébastien Ogier (F/Toyota), 162 Punkte
2. Elfyn Evans (GB/Toyota), 124 Punkte
3. Thierry Neuville (B/Hyundai), 124 Punkte
4. Kalle Rovanperä (SF/Toyota), 99 Punkte
5. Ott Tänak (EST/Hyundai), 87 Punkte
6. Takamoto Katsuta (J/Toyota), 66 Punkte
Von: Christian Schön

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