WRC2: Skoda erklärt grüne Rallye
Rallye kann auch Nachhaltig

Motorsport ist grüner, als man denkt: Das demonstriert etwa Skoda in der WRC2.
Bild: Skoda
- Christian Schön
In einem Punkt ist die Rallye-WM der Formel 1 einen Schritt voraus: Während die Königsklasse des Motorsports erst ab 2026 mit fossilfreiem Benzin fahren wird, sind die weltbesten Drifter schon seit zwei Jahren mit Biosprit unterwegs. Der kommt vom Berliner Unternehmen P1 Fuels. „Allein die in der Kategorie WRC2 eingesetzten Skoda Fabia haben dadurch ihren CO2-Fußabdruck um rund 120 Tonnen pro Jahr reduziert“, beschreibt Andrea Hlavácˇek, Chefin der Motorenentwicklung bei Skoda Motorsport.
Auch auf anderen Gebieten nähert sich die Rallye-WM dem von der FIA vorgegebenen Ziel an, spätestens 2030 CO2-neutral zu operieren. So ist Benzin nicht die einzige Flüssigkeit an Bord eines Rallyeautos, die umweltfreundlich produziert werden kann. Das finnische Unternehmen Secto Automotive Labs stellt auch Öle für Motoren, Getriebe und sogar Stoßdämpfer synthetisch her. „Wir beliefern schon seit Jahren Kernkraftwerke und Dragracing-Teams mit nachhaltigen Schmierstoffen. Rallyeautos sind für uns keine sooo große Herausforderung“, scherzt Carlos Pina Vaz, Motorsportberater bei Secto Automotive Labs.
Seine Firma forscht bereits daran, Plastikabfall als Rohstoff zu verwenden. „Im Prinzip können wir alles verarbeiten, was Kohlenstoff und Wasserstoff enthält“, erläutert Pina Vaz. Secto Automotive Labs bestritt die zurückliegende finnische Rallyemeisterschaft mit einem Skoda Fabia, der mit Benzin und Ölen aus synthetischer Produktion lief. „Absolut ohne Probleme“, bestätigte der ehemalige Formel-1-Pilot Heikki Kovalainen.

Der Biosprit für die Rallye-WM kommt vom deutschen Zulieferer P1 Fuels.
Bild: Skoda
Pflanzen statt Kohlefaser
Aktuell testet Skoda Motorsport außerdem den Ersatz von Kohlefaser durch pflanzliche Materialien bei der Herstellung von harzbasierten Karosserieteilen wie Frontschürzen und Spiegelkappen. „Mit Fasermatten aus Flachs erreichen wir dieselbe Stabilität bei annähernd identischem Gewicht, sparen aber rund 85 Prozent CO2 ein“, beschreibt Johann Wacht vom Schweizer Spezialisten Bcomp. Ein weiterer positiver Effekt: Mit Pflanzenfasern laminierte Teile bilden im Gegensatz zu Kohlefaser keine messerscharfen Splitter, wenn sie zu Bruch gehen – das schützt vor Reifenschäden.
Natürlich ist auch den Organisatoren der Rallye-WM bewusst, dass wie in vielen anderen Sportarten die größte Umweltbelastung nicht durch die Aktiven, sondern durch Fans und Infrastruktur verursacht wird. Zur Nachhaltigkeitsstrategie des WM-Vermarkters gehören deshalb auch verschärfte Anforderungen an die Veranstalter von WM-Läufen, die im Rahmen einer Zertifizierung überprüft werden. So bot die Rallye Zentraleuropa Besuchern die Möglichkeit, über ein Onlineportal Fahrgemeinschaften zu bilden oder mit Shuttlebussen Zuschauerpunkte anzusteuern. Die Rallye Schweden stellte mobile Ladestationen für Elektrofahrzeuge auf. Wo in Serviceparks Stromaggregate erforderlich sind, soll Wasserstoff Diesel als Betriebsstoff ersetzen.
Öko-Vorteil Rallye-WM: Während alle Autos Einheitsbenzin tanken müssen, kocht in der Formel 1 jedes Team sein eigenes Süppchen. „Da fehlt uns die Relevanz für eine großflächige Anwendung“, winkt P1-Vertriebsmanager Benjamin Cuyt ab. Immerhin: Dank Ex-Weltmeister Sebastian Vettel kam der nachhaltige Sprit aus Berlin schon bei Demofahrten mit historischen Formel-1-Boliden zum Einsatz.
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