Konzentriert steuert Yvan Muller (41) aus der Boxengasse in Jerez (Spanien). Mit rasselndem Motorengesang verschwindet er hinter dem Hügel. Nach nur zwei Runden kehrt der WTCC-Spitzenreiter zurück und beugt sich grinsend aus dem Cockpit. Er hat seine erste Ausfahrt mit dem neuen Auto sichtlich genossen. Dafür verantwortlich ist der 1,6-Liter-Turbomotor, der 2011 in der Tourenwagen-WM (WTCC) eingeführt wird. Er ist zwar kleiner, aber mit seinen 2,4 Bar Ladedruck ein echter Kraftprotz. Im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem 2,0-Liter-Saugmotor, bringt er ein Plus von 40 PS auf den Prüfstand.

Übersicht: News und Tests zu Chevrolet

1,6-Liter-Turbomotor für die Saison 2011
Neues Reglement: 2011 werden in der Tourenwagen-WM (WTCC) 1,6-Liter-Benzinmotoren mit Turboaufladung eingeführt.
Das allein ist für Teammanager David Grace aber nicht entscheidend: "Viel wichtiger ist das Drehmoment. Das brauchen wir zum Beschleunigen." Satte 70 Prozent mehr leistet das neue Turbo-Aggregat in diesem Bereich. Damit steigt die maximale Drehzahl von 267 Newtonmeter beim Saugmotor auf nun rund 454. "Das erreichen wir aber nicht nur durch den Motor. Zusätzlich haben wir den ganzen Antriebsstrang neu entwickelt", fügt Chevrolet Motorsport-Manager Eric Nève an. Doch das ist bei Weitem noch nicht alles. Insgesamt besteht das 2011er-Auto zu 65 bis 70 Prozent aus verbesserten oder anderen Komponenten. Dazu zählen die gesamte Elektronik, das sequenzielle Sechs-Gang-Getriebe sowie die vordere Aufhängung.

Die Haltbarkeit des neuen Triebwerks ist enorm wichtig

2011er-Chevrolet Cruze
Dauerlauf: Beim dreitägigen Test in Jerez spulten Rob Huff und Yvan Muller 1020 Kilometer im 1,6-Liter-Cruze für 2011 ab.
Gerne hätten die Blauen auch an der Bremsanlage Hand angelegt. Das allerdings ist laut Reglement untersagt. Eric Nève erklärt: "Die Bremsscheiben dürfen in ihrer Größe gegenüber 2010 nicht verändert werden." Chevrolet greift deshalb kurzerhand auf breitere Scheiben zurück. "Diese testen wir gerade und arbeiten an deren Kühlung", fährt Nève fort. Das Hauptaugenmerk des dreitägigen Tests in Spanien liegt aber auf der Haltbarkeit des neuen Turbo-Triebwerks und dessenn Bauteilen. 2011 darf das Team nur ein Mal in der ganzen Saison das Aggregat tauschen. Für jeden außerplanmäßigen Wechsel wird der jeweilige Fahrer in der Startaufstellung nach hinten versetzt: Beim ersten Mal um fünf Plätze, beim zweiten um zehn, ab dem dritten Mal muss er von der letzten Position ins Rennen gehen. Darüber hinaus stehen jedem Piloten in der kommenden Saison nur sechs Turbolader zur Verfügung. Im Folgejahr werden die Regeln erneut verschärft. Dann müssen Turbolader und Motor die Dauer einer gesamten Saison überstehen.

Titelgewinn vor der Ablösung

Um diese strengen Regularien einzuhalten, tüftelte das Motorenentwicklungsteam um Chefingenieur Arnaud Martin siebeneinhalb Monate an dem neuen Triebwerk. Im Januar 2010 fiel der Startschuss, der Grundstein dafür wurde allerdings schon im August 2009 gelegt. Eric Nève resümiert: "Zu diesem Zeitpunkt fiel die Entscheidung, den neuen Motor zu bauen. Ich denke, es war sehr wichtig, dass das Entwicklungsteam das Budget zur richtigen Zeit hatte, denn jede Verspätung in der Entwicklung kostet dich Zeit und Performance." Ab sofort hat das Team eine Sorge weniger: Die Trainingsläufe des aktuellen Fahrzeugs sind mit dem Test in Andalusien beendet. Yvan Muller drehte abschließend zwei Tage lang seine Runden und sammelte Erkenntnisse für den finalen Titelkampf in Japan und Macau. "Ich habe mit verschiedenen Setup-Einstellungen experimentiert und die Bremsen erprobt." Denn vor seinem Abtreten soll der "alte" Cruze den ersten Weltmeistertitel holen. Derzeit führt Chevrolet die Fahrer- und Herstellerwertung an.