ZF sMotion (2018): Bilder

ZF sMotion (2018): Technik, Fahrwerk, Test

Der fliegende Teppich von ZF

Der Zulieferer ZF hat ein aktives Fahrwerk entwickelt. "sMotion" reagiert nicht nur auf Unebenheiten, es ändert auf Knopfdruck auch das Fahrverhalten.
ZF will das Autofahren noch bequemer machen: Der schwäbische Zulieferer glaubt, mit seinem aktiven Fahrwerk "sMotion" die Lösung des ewigen Widerspruchs zwischen Preis, Komfort und Agilität gefunden zu haben. Anders als adaptive Fahrwerke, die nur reagieren, wenn sich der Dämpfer bewegt, ist das ZF-Fahrwerk aktiv. Die Sensorik, darunter der Radbeschleunigungs-Sensor, wird von den herkömmlichen Fahrwerken übernommen. Der Kniff der sMotion-Technik ist die Software, die diese Signale innerhalb von Sekundenbruchteilen verarbeitet und blitzschnell eine Gegenaktion einleitet – unterm Strich beträgt die Reaktionszeit des Systems lediglich zwei Millisekunden. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert rund 0,15 Sekunden. Damit das gelingt, ist an jedem Rad eine kompakte, außenliegende Elektromotor-Pumpen-Einheit mit integrierter Elektronik, angebracht. Sie arbeitet in zwei Richtungen. Also kann das System jedes Rad einzeln, unabhängig von den anderen dreien, sowohl nach oben ziehen als auch nach unten drücken und dadurch eine wirksame Gegenaktion einleiten.
 

"sMotion" reagiert in nur zwei Millisekunden. Das ist ungefähr so schnell wie ein Wimpernschlag!

Damit werden die Auf- und Abbewegungen der Karosserie ebenso eliminiert wie das Wanken, Rollen oder Einnicken. Das Ergebnis zeigt sich nicht nur bei Unebenheiten, sondern auch bei schnellen Richtungswechseln oder Kurven. Per Knopfdruck verwandelt sich die rollende Sänfte in einen reißenden Straßenwolf. Das System arbeitet auf Zuruf – das bedeutet, dass nur dann Energie benötigt wird, wenn das Fahrwerk arbeitet. Die Effizienz ist so gut, dass damit die aktive elektrische Wankstabilisierung überflüssig wird. Auch ein Stabilisator ist nicht zwingend nötig, aber aus Sicherheitsgründen zu empfehlen – falls das System mal ausfällt. Jede der vier Einheiten wiegt rund zwei Kilogramm und arbeitet mit etwa 2,5 Kilowatt Energie. Allerdings wird für den Betrieb ein 48-Volt-Bordnetzt benötigt.

Der erste Eindruck stimmt

Als Technologieträger dient ein VW Touran. Die erste Fahrt überzeugt.

Tatsächlich hinterließ der Prototyp bei den ersten Testfahrten einen sehr guten Eindruck: Im mit sMotion bestückten VW Touran war der Unterschied bei einem Stakkato an Unebenheiten und Hindernissen deutlich spürbar. War das System abgeschaltet, rumpelte und sprang der Wagen förmlich hin und her, mit aktiviertem sMotion gab es einen klaren Komfortgewinn. Auch sportlicher kann es mit dem System zugehen: Der Fahrzeugaufbau bleibt selbst bei forcierter Fahrt ruhig und waagerecht. Ganz ausgereift ist der Fahrwerks-Alleskönner trotzdem noch nicht. Das Fahrverhalten ist bisweilen synthetisch, die Gegenbewegungen des Systems wirken etwas ungeschmeidig. "Unser Ziel ist es, dass man irgendwann ganz entspannt ein Glas Wasser halten kann, das auch bei der Fahrt über sehr schlechte Straßen nicht verschüttet wird", erklärt Techniker Sven Greger, der seit rund einem Jahr an dem neuen Fahrwerk arbeitet.

Günstige Alternative zum Mercedes-System

Auch für das autonome Fahren wird die Technik eine Rolle spielen.

Das sMotion von ZF ähnelt dem Fahrwerk, das Daimler mit dem neuen Mercedes GLE vorgestellt hat. sMotion soll aber günstiger sein und ist für alle Fahrzeuggattungen geeignet, da es mit sämtlichen Achsvarianten eingesetzt werden kann. Dennoch wird die Technik zunächst wohl weniger in Kleinwagen als eher in der Oberklasse zum Einsatz kommen. Laut ZF sind einige Autobauer an der Technik interessiert. Zaubern kann aber auch diese Technik nicht, mit der Länge des Federwegs wird auch das Potenzial der Abmilderung beeinflusst. "SUVs werden im besonderen Maße von unserem System profitieren", sagt Sven Greger. Allerdings sei der Komfortgewinn nicht das einzige Einsatzgebiet des ZF sMotion-Fahrwerks. "Mit diesem System kann die Charakteristik des Fahrzeugs grundlegend verändert werden", erklärt Greger.

Erst ab 2020 in Serie

Das System wird auch für das autonome Fahren wichtig. Wer während der Fahrt auf den Laptop und nicht auf die Straße blickt, für den ist jedes Wanken, Nicken und Rollen noch unangenehmer. Deshalb wird es auch bei der ZF S-Motion im nächsten Schritt zu einer Vernetzung von Fahrwerk und Kameras kommen – dann soll der Komfortgewinn noch größer werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik: Erst Ende 2020 soll sMotion auf den Markt kommen.

ZF sMotion (2018): Bilder

Autor: Wolfgang Gomoll

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