Es wackelt. Vor genau einem Jahr schien alles noch so klar: Verbrenner-Verbot 2035. Nun soll diese Entscheidung 2026 überprüft werden, so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Überprüfung soll sicherstellen, dass es weiterhin Offenheit für verschiedene Technologien und Wahlmöglichkeiten für Verbraucher gibt. Diese Offenheit hatte zuletzt besonders die FDP für den Betrieb mit E-Fuels eingefordert.
Und auch in den USA gibt es Überlegungen, Elektrifizierungsziele im Verkehr zu lockern. Bisher war geplant, dass bis 2032 zwei Drittel der neu zugelassenen Fahrzeuge in den USA elektrisch sein sollen, doch dies könnte nun auf 40 bis 60 Prozent reduziert werden. Gründe dafür sind unter anderem geringe Verkaufszahlen von Elektroautos in den USA, Druck von Autoherstellern und Gewerkschaften sowie politische Gegensätze.
Bereits in den letzten Wochen gab es immer wieder Anzeichen in der Automobilindustrie, länger als geplant am Verbrenner festzuhalten. Mercedes hatte einst den Kurs "Electric only" ausgerufen. Der Premium-Hersteller wolle bis Ende der 2020er-Jahre vollelektrisch werden. Nun sagte Mercedes-Chef Ola Källenius in einem Interview mit der "Zeit": "Den Zeitpunkt für den letzten Verbrenner kennen wir schlichtweg nicht." Auch nach 2030 werde man bei Mercedes einen Verbrenner kaufen können.

Pläne der Automobilindustrie stehen fest

Doch im Grunde stehen die Pläne der Hersteller längst fest, die Entwicklung für zig Elektromodelle läuft auf Hochtouren, Milliarden wurden bereits investiert. Eine Ausdehnung der laufenden Produktion für Verbrenner ist aufgrund der anhaltenden und gerade sogar wachsenden Nachfrage sehr wahrscheinlich. Damit rückt das Enddatum für Benziner und Diesel nach hinten.
An den Plan der Bundesregierung, bis 2030 15 Millionen E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen, glaube ich nicht mehr. Zudem sorge ich mich um die Wettbewerbsfähigkeit bei allen Herstellern, die jetzt zu stark bei der Entwicklung von E-Autos auf die Bremse treten könnten: Denn die Digitalisierung von Autos und technische Meilensteine wie das autonome Fahren hängen unmittelbar von der Elektrifizierung ab. Hier noch mehr Zeit zu verlieren, dürfte vor allem chinesischen Anbietern in die Karten spielen, die bei ihren Plänen nicht so wankelmütig sind.