Zur Wiedereröffnung des Nürburgrings organisierte Mercedes am 12. Mai 1984 das "Race of the Champions" – ein Rennen, bei dem Formel-1-Weltmeister und andere Motorsport-Größen mit gleichen Fahrzeugen gegeneinander antreten sollten. Freilich kam nicht irgendein Modell zum Einsatz, sondern der neue 190 E 2.3-16 mit Vierventiltechnik.
So ungewöhnlich der Name dieses 190er-Ablegers, so ungewöhnlich war auch das Spoilerwerk rundherum: So einen mächtigen Heckflügel, so eine tiefe Frontschürze hatte es bis dahin bei Mercedes noch nie ab Werk gegeben. 185 PS bei vergleichsweise hochdrehenden 6200 Touren – auch so etwas hatte Mercedes bis dato nicht im Programm.
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Alle lebenden Formel-1-Weltmeister in der Eifel

Lange ließen sich die Formel-1-Größen damals wohl nicht bitten, um beim "Race of the Champions" mitzumachen – die meisten kamen. Mercedes versammelte nahezu alle noch lebenden Formel-1-Weltmeister in der Eifel: Niki Lauda, Keke Rosberg, Alan Jones, James Hunt und Jody Scheckter gehörten dazu. Auch Champions der 60er wie Phil Hill, Jack Brabham, John Surtees und Denis Hulme waren mit von der Partie.
Selbst Rekordweltmeister Juan Manuel Fangio kam an den Ring, verzichtete aber aus gesundheitlichen Gründen auf den Start. Lediglich Nelson Piquet und Jackie Stewart sowie Emerson Fittipaldi und Mario Andretti fehlten. Um auf 20 Piloten zu kommen, lockte Mercedes weitere Fahrer an: Carlos Reutemann, Jacques Laffite und Alain Prost. Und eben auch Ayrton Senna, einen damals noch unbekannten Rookie.
Mercedes 190 E 2.3-16v Senna
Mai 1984: Ayrton Senna fuhr das Showrennen, als ginge es um die Weltmeisterschaft.
Bild: Daimer AG

Renn-Action, als ginge es um die Weltmeisterschaft

Senna fuhr das ganze Wochenende lang, als ginge es um die Weltmeisterschaft. Im Qualifying parkte er seinen 190er auf Platz drei, geschlagen nur von Prost und Reutemann. Im Rennen gab's kein Halten mehr: Senna sprintete an die Spitze, spulte mit virtuosem Können Runde um Runde ab – bevor sich plötzlich Niki Lauda im Rückspiegel breitmachte.
Der Österreicher hatte von ganz hinten starten müssen und war wie ein Besessener durchs Feld gepflügt. Vom Nobody in die Schranken verwiesen zu werden, war nicht Laudas Ding. Rundenlang beharkten sie sich. Mal lag der eine vorne, mal der andere.
Ein beherztes Überholmanöver brachte Senna schließlich aufs Siegerpodest . Das Resultat war eine faustdicke Überraschung und nicht ganz nach dem Geschmack von Mercedes: Ein bekannterer Name wäre den Marketingstrategen damals lieber gewesen.

Der Mut von Mercedes wurde belohnt

Rückblickend war Sennas Erfolg wohl das Beste, was Mercedes passieren konnte. Statt Sieg Nummer x für einen Star war es das erste Mal, dass der Brasilianer seine Konkurrenten so düpierte, wie er es später noch oft tat.
Der Mut von Mercedes wurde aber noch aus einem anderen Grund belohnt: Die 20 identischen Exemplare des 190 E 2.3-16 schlugen sich wacker, befanden sich aber nahezu im Serienzustand. Natürlich waren Sicherheitsequipment und ein Überrollkäfig dazugekommen. Auch hatte Daimler eine größere Bremse eingebaut und eine kürzere Übersetzung für mehr Action. Motor und Aerodynamik blieben aber völlig unangetastet.
Mercedes 190 E 2.3-16v Senna
Ein Überrollbügel sorgte für mehr Sicherheit. Motor und Aerodynamik blieben aber unangetastet.
Bild: Daimer AG

Der Renner fährt völlig unspektakulär

Nur ein Sportauspuff sorgt für einen rotzigeren Klang. Der Renn-190er fährt sich mühelos und unkompliziert. Dass Scheinwerferwischer, elektrische Sitzverstellung und Kassettenradio an Bord sind, mag ein Schmunzeln hervorrufen – wäre da nicht die Ehrfurcht, in Sennas Siegerauto zu sitzen.
Im echten, wohlgemerkt, denn Nachbauten gibt es mittlerweile viele – auch dadurch angestachelt, dass Mercedes nach dem Rennen erst einmal wieder einpackte: Fast alle Autos wurden zurückgerüstet und verkauft, das Siegerfahrzeug kam ins Werksmuseum. Nur die Existenz eines weiteren Exemplars ist eindeutig dokumentiert: die des Wagens von Lauda, der Senna damals vergeblich zu stoppen versuchte.
 
Autor: Wolfgang Hörner; press-inform