Niki Lauda: Seine Karriere

Formel 1: Nachruf auf Niki Lauda

So war Niki Lauda wirklich

AUTO BILD MOTORSPORT-Redaktionsleiterin Bianca Garloff zum Todestag über Niki Lauda, wie sie ihn kennen gelernt hat.
Niki Lauda. Ein Name, viele Bedeutungen. Ferrari-Retter. Weltmeister. Feuerschlucker. Comebacker. Airline-Chef. Boeing-Wachrüttler. Rotkäppchen. Mercedes-Macher.
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Jetzt ist er tot. Dieser Mann, der sich im Haifischbecken des Sports genauso unwiderstehlich bewegte wie auf dem Parkett der Medien und der Wirtschaft. Der in seiner letzten Rolle Lewis Hamilton zu Mercedes gelotst und so den Grundstein für fünf WM-Titel in Folge gelegt hat. Zu viele Leistungen für ein Leben.
Aber Lauda hat ja irgendwie auch mehrere gehabt. Sein erstes endete am 1. August 1976 am Nürburgring. Irgendwann wollte er gar nicht mehr über seinen Feuerunfall reden, „weil ich das langsam fad find.“ Das liegt auch daran, dass der Österreicher alles andere war als ein sentimentaler Zeitgenosse.
Den Tag seines Unfalls erwähnte er meist nur in Zusammenhang mit einem komischen Typen, der kurz vorher eine Unterschrift von Lauda wollte. „Da kam doch glatt einer, der hat darauf bestanden, dass ich das Datum neben mein Autogramm schreibe. Frag ich: Warum? Sagt er: Könnte ja das letzte sein.“ Stunden später brannte Lauda lichterloh in seinem Ferrari.
Den Willen zum Überleben hauchte ihm damals ein Priester auf der Intensivstation ein. „Obwohl meine Augen verbunden waren, ist es einer der wenigen Momente, an die ich mich sehr gut erinnern kann“, erzählte er einst. „Ich lag auf der Intensivstation, schwer gepeinigt durch die Schmerzen, als mich die Krankenschwester fragte, ob ich mir die letzte Ölung wünsche. Ich habe gedacht: Schaden kann mir das nicht. Also habe ich genickt und darauf gewartet, was passiert.“

Niki Lauda mit Redaktionsleiterin Bianca Garloff

Der Priester dachte, er sei bei einem Bewusstlosen. Das war Lauda aber nicht: „Ich merkte nur, wie jemand meine Schulter berührt. Aber sonst passierte nichts. Ohne ein Wort hatte er mir mit dem Finger die letzte Ölung gegeben. Ich wurde wütend, weil ich mich fragte, wie das sein konnte? Ich erwartete, dass da jemand kommt, mit mir redet, mich tröstet, und dann so etwas. Stillschweigend ging er aus dem Zimmer – das hat mich närrisch gemacht. Ich spürte eine riesige Wut und dachte: Jetzt erst recht, ich lasse mich nicht hängen, ich gebe nicht auf.“
52 weitere Jahre hat ihm die Wut eingebracht. Ich, die AUTO BILD MOTORSPORT-Redaktionsleiterin kannte Niki Lauda mein ganzes Formel-1-Leben lang. Als ich mit zwölf Jahren zum Fan wurde, holte er als Ferrari-Berater gerade Michael Schumacher zur Scuderia. Das erste Mal, das er einem Team zu einer Ära der Dominanz verhalf.
Als Journalistin traf ich auf einen kauzigen Helden. Seine Aussagen: immer auf den Punkt, immer ehrlich, immer geradeheraus. Überhaupt war Lauda stetes bemüht, direkt zur Sache zu kommen. Genauso schätzte er es aber auch, wenn man selbst kein Blatt vor den Mund nahm. Nach dem Film Rush ging ich zu ihm und lobte anerkennend und gleichzeitig ein wenig flapsig: „Niki, Du warst damals ja ein richtig cooler Typ.“ Da musste selbst der Steinklotz Lauda lächeln.
Geprägt hat ihn der Absturz seiner Lauda-Air-Maschine in Thailand. Unvergessen die Bilder, wie er persönlich die Unglücksstelle besucht. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass Boeing anschließend einen Fehler bei der Schubumkehr behob. Seine wohl größte Leistung.
Logisch, dass er sich irgendwann unbesiegbar fühlen musste. Vor einigen Jahren forderte er von meinem Reporter-Kollegen etwas mehr Respekt. Die Begründung war ein typischer Lauda: „Immerhin bin ich doch so etwas wie eine göttliche Erscheinung.“ Mercedes-Sportchef Toto Wolff saß mit einer Knieverletzung daneben. Ihm fiel fast die Krücke vom Stuhl.
Zuletzt wurde Niki milder. Ließ mehr Gefühl zu. Seine Zwillinge Max und Mia machten ihn weich. Sein Whatsapp-Profilbild: der grinsende Sohnemann. Lauda outete sich als liebevoller Familienvater. Doch der Körper wollte immer weniger. Die Lunge: krank von den ätzenden Dämpfen damals im Ferrari. Der Lauda-Husten, sein Markenzeichen.
Als ich ihm am Telefon frohe Weihnachten wünschte, war seine Stimme schwach und brüchig. Der Kämpfer im Innern zeigte erste Anzeichen von nachlassenden Kräften. Es war das letzte Mal, dass ich mit Lauda sprach. An seinem 70. Geburtstag im Februar ging Söhnchen Max ans Handy. „Der Papa kann gerade nicht.“ Ich ließ Grüße ausrichten.
Der Kämpfer hat jetzt aufgegeben. Weil der Körper nicht mehr konnte. Niki Lauda hat in seinem Leben alles erreicht. Sein Freund Helmut Marko bezeichnete ihn vorhin am Telefon als „Ausnahmeerscheinung“. Er war traurig. So wie die ganze Formel-1-Welt. Und ich auch.

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Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-alliance; ABMS

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