AUTO BILD testet Gravelreifen
Zwischen Tempo und Sicherheit
Tempo, Sicherheit und Fahrgefühl stehen bei Gravelreifen im Fokus. Besonders gefragt sind Modelle in der 40 Millimeter Klasse. AUTO BILD testet Gravelreifen in dieser Klasse und zeigt, welche als Allrounder mit Grip, Komfort und Pannenschutz im Gelände und Alltag überzeugen.
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Gravelreifen sind das zentrale Bauteil jedes Bikes, das sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter oder Waldwegen bewegt wird. Sie müssen viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen, leicht rollen für Tempo auf glattem Untergrund, sicheren Grip in Kurven und auf losem Belag bieten, pannensicher sein und zugleich Komfort auf holprigen Strecken liefern. Besonders gefragt ist die 40 Millimeter Breite, die als vielseitiger Allrounder gilt. AUTO BILD hat bereits 2022 verschiedene Modelle dieser Klasse getestet und zeigt, welche Reifen auch heute noch den besten Kompromiss aus Sicherheit, Komfort und Performance bieten.
Das Wichtigste in Kürze
- Verwendungszweck: Gravelreifen verbinden Tempo auf Asphalt mit Sicherheit auf Schotter und Waldwegen. In 40 Millimeter Breite gelten sie als vielseitiger Allrounder für Alltag, Tour und Training.
- Testkriterien: Bewertet wurden Grip auf verschiedenen Untergründen, Rollwiderstand, Komfort, Pannenschutz, Dichtigkeit im Tubeless Betrieb und Montage.
- Testerkenntnisse: Gute Gravelreifen rollen leicht auf der Straße und bieten dennoch sicheren Halt auf losem Untergrund. Große Unterschiede zeigten sich beim Pannenschutz und bei der Luftdichtigkeit. Preis und Leistung stehen nicht immer im direkten Zusammenhang.
- Kauf-Tipp: Für gemischte Strecken zur 40 Millimeter Klasse greifen. Wer häufig pendelt oder lange Touren fährt, sollte Wert auf hohen Pannenschutz und gute Tubeless Dichtung legen.
- Sicherheit: Reifen regelmäßig auf Schnitte prüfen, passenden Luftdruck wählen und bei Montage auf sauberen Sitz achten, um Stürze durch Druckverlust oder Durchschläge zu vermeiden.
Schwalbes Race-Reifen performt in allen Kategorien überdurchschnittlich gut. Aufgrund des Top-Pannenschutzes nicht nur eine gute Wahl am Renntag, sondern auch im täglichen Gebrauch sehr belastbar. Einziges Manko: der hohe Preis. Im Test erhielt der Schwalbe G-One R die Note 1,3 (sehr gut).
Der Gravel Thundero rollt auf dem Niveau der Klassenbesten, ohne dass die Hausaufgaben beim Pannenschutz und bei der Abdichtung vergessen wurden. Angesichts dieses Preises fragen wir uns: Warum mehr für einen Gravelreifen ausgeben? Im Test erhielt der Tufo Gravel Thundero die Note 2,3 (gut).
Unseren Gravelreifen-Test haben wir in Kooperation mit Schwalbe an deren Firmensitz in Reichshof durchgeführt. Für den Rollwiderstandstest lief der Reifen über eine Messtrommel auf einer Felge mit 25 Milli-meter Innenweite, bei 2,5 Bar Luftdruck (tubeless) und 50 Kilogramm Gewichtslast.
Um die Anfälligkeit für einen Durchschlag (Snakebite) zu bewerten, wurde der Reifen im Schlauchbetrieb dreimal von einem herabfallenden Keil attackiert. Je tiefer der Keil fallen musste, um den Schlauch zu perforieren, desto besser die Reifenstabilität.
Die Pannenschutzwertung ist das Ergebnis von drei Messungen, bei denen eine Nadel und eine Klinge in Lauffläche und Seitenwand gebohrt wurden. Je größer der notwendige Kraftaufwand zum Durchbohren, desto besser der Pannenschutz. Um zu messen, wie gut die Reifen dichthalten, haben wir alle Muster mit 60 Milliliter Dichtmilch befüllt, montiert, eingewalkt und mit 3 Bar Ausgangsdruck 24 Stunden hängen lassen. Der Druckverlust nach dieser Zeit gibt Auskunft über die Dichtigkeit.
Ganz subjektiv haben wir die Montage getestet: Redakteur und Labortechniker haben alle Reifen montiert und die technische Herausforderung sowie den notwendigen Krafteinsatz bewertet.
Die Welt der Gravel-Reifen ist so vielfältig wie die der Gravelbikes selbst. Es gibt schmalere Allroad-Slicks, Stollenreifen, die nahe an 33-Millimeter-Cyclocrossmodellen sind oder breite, grobe Pneus, die man auch an Mountainbikes einsetzen könnte. Am beliebtesten ist die 40-Millimeter-Klasse für 28-Zoll-Felgen mit einem Noppen-Mischprofil. Diese ist für Gravelbiker der beste Kompromiss für viele verschiedene Anforderungsprofile, weswegen wir uns auch für diesen Test auf solche Modelle fokussiert haben.
Unseren Vergleichstest haben wir im Labor vorgenommen. Nur unter kontrollierten Bedingungen und strenger Aufsicht von Redakteur und Techniker lassen sich reproduzierbare und aussagekräftige Ergebnisse erzielen. Insbesondere beim Thema Pannenschutz ist eine Vergleichbarkeit in der Praxis unmöglich. Ob man mit einem bestimmten Reifen häufiger eine Panne hat, hängt von der Umgebung ab, in der man fährt, und vom Glück oder Pech des jeweiligen Fahrers. Störfaktoren, die die Klinge auf dem Prüfstand eliminiert. Auch der Durchschlagstest, der einen sogenannten Snakebite simulieren soll, lässt sich nur im Labor seriös durchführen.
Ein interessanter Teil des Tests war auch die Luftdruckmessung im Tubeless-Betrieb beziehungsweise die Abdichtung im genormten Set-up über mehrere Tage. Für die Praxistauglichkeit vieler Gravelbiker ein entscheidender Faktor, schließlich unternehmen viele Biker Mehrtagestouren, auf denen nicht immer eine große Pumpe bereitsteht. Und im täglichen Pendelbetrieb haben viele schlicht keine Lust, jeden Tag nachzupumpen.
Nicht nur die Alltagstauglichkeit der Gravelreifen ist für Biker wichtig
Klar, nicht nur die Alltagstauglichkeit ist wichtig für Gravelbiker, sondern auch die Performance. Der Rollwiderstandstest gibt Aufschluss darüber, wie effizient der Pneu abrollt. Nicht in die Wertung aufgenommen, aber ausgewiesen, haben wir den Punkt Gewicht. Wenngleich es auch im Gravelbereich Leichtbau-Enthusiasten gibt, beweisen unsere Daten, dass der Rollwiderstand der wesentliche Faktor ist, wenn es ums Fortkommen geht.
Der beste Reifen nützt Ihnen nichts, wenn Sie ihn nicht auf das Rad oder im Fall einer Panne von der Felge ziehen können. Deshalb haben wir auch die Montage in unsere Bewertung aufgenommen. Qualität hat ihren Preis, viele der 40-Millimeter-Reifen sind ohne Online-Rabatt daher sehr teuer – mit einer erfreulichen Ausnahme.
Nützliches Wissen zum Thema Gravelreifen
Was sind Gravelreifen?
Im Prinzip sind diese Reifen Allrounder, die auf einem Rennbike auf Asphalt ebenso gut funktionieren sollen wie auf einem Mountainbike im Gelände. Das Volumen der Reifen ist größer als bei reinen Asphaltpneus. Das Profil ist gröber für einen besseren Grip im Gelände, die Profillippen aber dennoch klein genug, um den Rollwiderstand auf Asphalt möglichst gering zu halten.
Welcher Gravelreifen ist der Richtige?
Welcher Reifen für welchen Biker der richtige ist entscheidet allein das hauptsächliche Einsatzgebiet. Hauptsächlich Gelände, doch mehr Straße oder einen klassischen Allrounder – das ist entscheidend für die richtige Wahl eines Gravelreifens.
Welcher Druck ist für Gravelreifen richtig?
Jeder Hersteller gibt für seinen Gravelreifen ein Idealempfehlung ab. Ob der individuell zum Biker und seinem Rad passt, muss jeder für sich durch Experimentieren herausfinden. Grundsätzlich gilt auf Straßen: Je höher der Luftdruck, desto geringer ist der Rollwiderstand. Im Gelände verhält sich genau andersherum: Je niedriger der Luftdruck, desto besser kann sich ein Reifen dem unebenen Untergrund anpassen. Das verringert den Rollwiderstand und sorgt für mehr Grip.
Wie oft Luftdruck von Gravelreifen prüfen?
Die Reifen sind entscheidend für den Fahrkomfort, egal auch welchem Terrain. Deshalb sollte man einmal in der Woche den Luftdruck prüfen. Weil der Luftdruck eines Gravelreifens im Vergleich beispielsweise zum Autoreifen höher ist, die Wandstärke der Reifen aber gleichzeitig dünner ausfällt gilt ein Druckverlust von rund einem bar im Monat als völlig normal.
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