Selbst der schönste Klassiker braucht hin und wieder neue Schuhe: Nach etwa zehn Jahren wird die Gummimischung hart, der Grip lässt nach. AUTO BILD hat deshalb Reifen in der Dimension 205/70 VR15 getestet, für alle, die ihren Oldtimer sicher durch die Saison fahren wollen
Auf den ersten Blick scheint alles beim Alten: klassisch, schwarz, rund. Doch hinter der vertrauten Optik moderner Oldtimer Reifen steckt längst Hightech. Aktuelle Fertigungsverfahren und neue Gummimischungen sorgen heute für mehr Sicherheit und Stabilität, ohne den authentischen Look vergangener Jahrzehnte zu verändern.
Die Wurzeln reichen weit zurück: Charles Goodyear, John Dunlop und die Michelin-Brüder schrieben im 19. Jahrhundert Reifengeschichte, mit Produkten, die anfangs alles andere als zuverlässig waren. Häufige Reifenplatzer machten jede Ausfahrt zum Risiko. Erst in den 1920er-Jahren verbesserten innovative Materialien und ausgefeiltere Profile die Alltagstauglichkeit. Später brachten Radialreifen und Niederquerschnittsmodelle zusätzlichen Komfort, besseres Kurvenverhalten und präzisere Fahrdynamik auf die Felgen.
Deshalb hat AUTO BILD 2024 Sommerreifen der Dimension 205/70 VR15 auf Herz und Nieren geprüft, mit besonderem Fokus auf Grip, Lenkpräzision und Fahrkomfort. Die Ergebnisse bleiben auch heute aktuell und zeigen, welche Modelle den Charakter eines Klassikers bewahren, dabei aber moderne Sicherheit und echten Fahrspaß bieten.
Testsieger des AUTO BILD-Sommerreifen-Tests (205/70 VR15): Pirelli Cinturato HS CN12 (96 W)
Der Testsieger des AUTO BILD-Sommerreifen-Tests in der Oldtimer-Größe 205/70 VR15 wurde der Pirelli Cinturato HS CN12 (96 W) mit der Note 1,2 und dem Urteil "vorbildlich". Der Reifen überzeugt mit ausgezeichneter Haftung auf nasser Piste, einem präzisen Einlenkverhalten und einem sportlich-agilem Handling. Zudem bietet der Reifen kurze Bremswege, gute Reserven bei Aquaplaning und einen guten Abrollkomfort. Als einzige Schwäche ist ein erhöhter Rollwiderstand aufzulisten.
Testergebnisse im Überblick
Auf den gerade mal 205 Millimeter breiten 15-Zöllern der Serie 70 sind wir mit unseren Testprobanden im Vintage-Style von den Abmessungen heutiger Sportreifen noch meilenweit entfernt. Reifendimensionen, die heute auf Kleinwagen zum Einsatz kommen, mussten in den 60er Jahren ausreichen, um Supersportwagen mit 270 PS bei einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h sicher auf der Straße zu halten.
Die 270 PS unseres Test-E-Types waren in den Sechzigern sensationell, sie ergaben eine Spitze von knapp 240 km/h.
Bild: Anuscha Sonntag/AUTO BILD
Der von 1961 bis 1974 gebaute Jaguar E-Type gilt heute als die Ikone des Sportwagensbaus jeder Zeit; das gilt erst recht für die im Rennsport erfolgreich eingesetzten zwölf Lightweight-Varianten. Anders als beim Serien-E-Typen ist das Monocoque aus Alublech gedengelt, die leistungsstarken Bremsen kommen von der Oberklasselimousine Mark IX. Auch der Motorblock des 3,8-Liter-Sechszylinders wurde dafür überarbeitet und aus Aluminium gefertigt, der Zylinderkopf stammt in modifizierter Form aus dem legendären D-Type.
Adapterplatten mit Zentralverschluss ermöglichen die Montage von Stahlrädern auf dem Jaguar.
Bild: Anuscha Sonntag/AUTO BILD
Unser bildschöner roter Test-E-Type ist ein detailgetreuer Nachbau und entstand wie ein Original-Lightweight auf Basis des E-Type-Roadsters. Auf welchen modernen Reifen mit klassischem Profil er am besten über die Runden kommt, haben wir für Sie in folgenden Kriterien getestet:
Tests auf nasser Piste
Wasser marsch: Gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning halten Oldtimer sicher in der Spur.
Bild: Anuscha Sonntag/AUTO BILD
Den besten Grip bei Nässe haben die beiden Klassik-Varianten von Pirelli, auf dem bewässerten Wachauring gehen sie mit direktem Einlenkverhalten und ausgewogener Balance in Führung. Auch die Konkurrenten von Dunlop (Sport Classic) und Vredestein machen bei Nässe eine gute Figur. Mit weniger Seitenführung und eingeschränkten Reserven bei Aquaplaning landen Dunlops Aquajet und Michelins XWX nur im Mittelfeld. Der Radar Dimax Classic aus China rutscht dagegen wie auf Schmierseife über den Parcours, ist damit aus dem Rennen.
Test auf trockener Strecke
Auf trockener Piste werden die Reifen auf ihren Rollwiderstand, das Vorbeifahrgeräusch und ihr Handling untersucht. Ebenso werden die Bremswege auf trockener Strecke ermittelt.
Bild: Anuscha Sonntag/AUTO BILD
Mit einem Leergewicht von unter 1000 Kilogramm und 270 PS unter der Aluhaube geht's mit dem Leightweight auf der Rennstrecke richtig zur Sache. Die beiden Pirellis sorgen mit knackiger Lenkung und perfekter Seitenführung für Fahrsicherheit und großen Fahrspaß. Auch das Verfolgerfeld überzeugt durchweg mit sicherem Fahrverhalten. Michelins XWX mangelt es an Seitenführung, er fährt der Konkurrenz beim Handling hinterher.
Klassische Sommerprofile (205/70 VR 15) im AUTO BILD-Test: die Ergebnisse im Detail
Klassische Sommerprofile (205/70 VR 15) im AUTO BILD-Test: die Ergebnisse im Detail
Produkt
Pirelli Cinturato HS CN12
Dunlop Sport Classic
Pirelli Cinturato P5
Vredestein Sprint Classic
Michelin XWX
Dunlop** SP Sport Aquajet
Radar Dimax Classic
AUTO BILD KLASSIK-Testsieger vorbildlich
vorbildlich
Geschwindigkeitsindex
96 W
96 W
96 W
96 W
90 W
93 V
96 V
Preis pro Satz
1830 Euro
1470 Euro
1615 Euro
1185 Euro
1520 Euro
2100 Euro
315 Euro
Nass
Aquaplaning* (Gewichtung: 15 %)
2+
2+
1
1
3
3
2-
Kurvenaquaplaning (Gewichtung: 5 %)
2+
1+
1
1-
3
3-
2-
Handling* (Gewichtung: 40 %)
1-
2+
1-
2
2-
3
5
Kreisbahn (Gewichtung: 10 %)
1
2+
1
2+
3+
3
4+
Bremsen* (Gewichtung: 30 %)
1-
1-
1-
2
3+
4+
5
Kapitelnote
1-
2+
1-
2+
3+
3-
4-
Trocken
Handling* (Gewichtung: 40 %)
2+
2
2+
2-
3+
2-
Bremsen* (Gewichtung: 30 %)
1-
2+
1-
2
2
3+
2
Abrollkomfort (Gewichtung: 10 %)
2
2
2
2+
2+
2
2-
Vorbeifahrgeräusch (Gewichtung: 10 %)
3+
2
3-
2+
2+
1-
1-
Rollwiderstand (Gewichtung: 10 %)
3+
1-
3-
3+
2
3-
2+
Kapitelnote
2+
2+
2
2
2-
2-
2
Platzierung
1. Platz
2. Platz
3. Platz
4. Platz
5. Platz
6. Platz
7. Platz
Urteil
vorbildlich
vorbildlich
gut
gut
befriedigend
nicht empfehlenswert
nicht empfehlenswert
Schnelllauf bestanden
√
√
√
√
√
√
√
Gesamtnote
1,2
1,3
2,1
2,3
3,3
4,5
5,5
Stärken
Ausgezeichnete Haftung auf nasser Piste, präzises Einlenkverhalten, sportlich-agiles Handling, kurze Bremswege, gute Reserven bei Aquaplaning, guter Abrollkomfort
Exzellenter Grip auf nasser Fahrbahn, präzises Einlenkverhalten, sportlich-knackiges Handling, kurze Bremswege, sehr gute Reserven bei Aquaplaning
Agiles Handling mit sehr guter Seitenführung bei Nässe, ausgewogenes Handling auf trockener Piste, kurze Bremswege, gute Aquaplaningreserven, vergleichsweise günstiger Preis
Ausgewogenes Fahrverhalten auf nasser Fahrbahn, guter Abrollkomfort, niedriges Vorbeifahrgeräusch
Akzeptables Handling auf trockener Fahrbahn, leises Abrollgeräusch
Ordentliches Handling auf trockener Piste
Schwächen
Erhöhter Rollwiderstand
Leichte Tendenz zum Übersteuern
Erhöhtes Abrollgeräusch, hoher Rollwiderstand
Leicht verzögertes Einlenken
Mäßige Reserven bei Aquaplaning, leicht verzögertes Lenkansprechen, verlängerte Bremswege
Geringe Reserven bei Aquaplaning, verzögertes Lenkansprechen, lange Bremswege auf nasser und trockener Piste, sehr hohes Preisniveau
Miserable Haftung und ein stark untersteuerndes, unausgewogenes Fahrverhalten bei Nässe, gefährlich lange Bremswege auf nasser und trockener Fahrbahn, mäßige Aquaplaningreserven
Fazit zum AUTO BILD-Sommerreifen-Test (205/70 VR15)
AUTO BILD hat sieben Reifen in der Klassiker-Dimension 205/75 VR15 getestet. Zwei Reifen erhalten das Urteil "nicht empfehlenswert".
Bild: Anuscha Sonntag/AUTO BILD
Moderne Reifen mit historischen Profilen wirken wie eine Frischzellenkur für den Oldie. Sie verbessern dank moderner Technologie die Fahrdynamik und vergrößern gleichzeitig die Sicherheitsreserven. Allerdings müssen Vintage-Fans dafür auch sehr tief in die Tasche greifen.
Dieser Test wurde unterstützt von Dunlop, Michelin, Pirelli und Vredestein. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie hier.