50 Jahre Lübecker Hütchen

50 Jahre Lübecker Hütchen 50 Jahre Lübecker Hütchen

50 Jahre Lübecker Hütchen

— 30.09.2004

Hut ab vor dieser Erfolgsgeschichte!

Vor einem halben Jahrhundert begann in Lübeck die Karriere des Verkehrshütchens. Besuch bei den Pylonen-Erben – seit fünf Jahrzehnten in leitender Funktion.

Die Idee entstand durch einen Unfall

Es ist eine faszinierende Welt aus Krimskrams, die sich da in dem Lübecker Flachdachbau auftut, und mit jedem Schritt weiter wird es noch ein bißchen spannender. Da vorn zum Beispiel: eine Kiste mit Bad-Armaturen. Daneben: ein Karton mit Gummischläuchen. Auf der anderen Seite: Warnwesten, Schmieröle, Bremsen. Dazwischen hängt ein Abschlepp-Schild auf russisch. Kurzum: An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Nur der Jubilar, der ist im Lager der Technischen Großhandlung Ewald Kongsbak nicht zu finden. Erst ganz hinten, von den Regalen verdeckt, leuchtet er dem Besucher in Rot und Weiß entgegen: Der Kunststoffverkehrsleitkegel, auch "Lübecker Hütchen" genannt. Das gute Stück wird dieser Tage 50 Jahre alt, und was noch besser ist, es ist endlich mal wieder eine schöne kleine deutsche Erfolgsgeschichte.

Diese Geschichte beginnt so: Damals, vor einem halben Jahrhundert, wurde der Lübecker Kaufmann Ewald Kongsbak in der Nähe von München Zeuge eines gräßlichen Unfalls. Die Autobahn war an der Stelle auf eine Spur verengt worden, und zur Absicherung benutzte man noch in Rot-Weiß lackierte Ölfässer, die mit einem Naturstein beschwert wurden. Kongsbak mußte mit ansehen, wie ein vorausfahrender Pkw eines dieser Ölfässer streifte – und der Fahrer dabei von dem Stein erschlagen wurde.

Von Lübeck bis auf die Antillen

Zu Hause in seiner Großhandlung begann Kongsbak zu tüfteln. "Das muß doch anders gehen", dachte der Kaufmann – und entwickelte das erste Lübecker Hütchen. Dafür legte er Gummibahnen um eine Kegelform aus Metall, die Schnittkanten wurden anschließend vulkanisiert. Damit die Pylone über einen sicheren Stand verfügt, bekam sie unten einen Metallring.

Ewald Kongsbak hätte mit dieser Erfindung ein reicher Mann werden können, denn der Bedarf nach den leichten, sicheren und stapelbaren Leitkegeln war riesig – und ist noch heute groß: Jedes Jahr läßt der Betrieb 8000 bis 10.000 Leitkegel herstellen (inzwischen aus Weich-PVC), es gibt sie in zwölf verschiedenen Ausführungen von 20 bis zu 100 Zentimeter Größe. Die Preise liegen zwischen 2,70 und 30,15 Euro.

Selbst auf der Antilleninsel Aruba werden etwa 1000 der Hütchen eingesetzt. Aber reich? "Um Gottes willen", ruft Klaus Reim (42), Geschäftsführer der Technischen Großhandlung und mit der Enkelin von Kongsbak verheiratet, "in schlechten Zeiten ging es der Familie vielleicht nicht ganz so schlecht wie anderen – aber reich ist mit den Leitkegeln niemand geworden."

Was vor allem daran lag, daß es in den USA schon ein ähnliches Produkt gab. Deshalb bekam Ewald Kongsbak auf seine Hütchen kein Patent, sondern lediglich einen "Bundesgebrauchsmusterschutz". Im Klartext bedeutet das: Wenn jemand die Konstruktion ein wenig verändert, dann darf er so ein Produkt ebenfalls anbieten.

Heute macht der Leitkegel im Absatz der Technischen Großhandlung E. Kongsbak nur noch ein gutes Zehntel aus. Das Hauptgeschäft machen die vielen kleinen und großen Dinge aus, die man im Lager bestaunen kann – eben diese faszinierende Welt aus Krimskrams ...

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