9ff GT9 Vmax: Fahrbericht

— 30.01.2013

Der schnellste Straßenrenner der Welt

Mehr geht nicht: Mit seinen 1400 PS soll der GT9 Vmax Tempo 437 schaffen. Der reine Wahnsinn! Redakteur Gerald Czajka wagte den Selbstversuch. Ein exklusiver Erlebnisbericht!



Als Maurice in die Box stürmt, ist er kreidebleich – und damit noch ein wenig blasser als ich selbst. Kein Wunder. Denn Maurice trägt die Verantwortung für den Rennbetrieb im verregneten Zandvoort. Und der Lärm, der gerade eben beinahe ein Loch in die Wolkendecke sowie in mein Trommelfell gesprengt hätte, klang eher nach einstürzender Haupttribüne als nach dem Start eines Motors. Jan Fatthauer, seines Zeichens 9ff-Chef und Vater des inzwischen relativ friedlich vor sich hin brabbelnden GT9 Vmax, grinst nur breit. Er kennt sein Baby. Und die Reaktionen darauf.

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Kraftpaket: Der 4,2 Liter große Biturbo-Boxer mobilisiert 1160 Nm Drehmoment und satte 1400 PS.

Aus dem Sechszylinder-Boxer eines Porsche 911 GT3 RSR macht er eine 4,2 Liter große Höllenmaschine, der zwei Turbos mit bis zu zwei Bar Ladedruck 1160 Nm Drehmoment sowie 1400 PS entlocken. Laut Prospekt genug für Tempo 437 – und womöglich zu viel für die Haupttribüne ...? Doch so weit kommt es an diesem ungemütlichen Tag im holländischen Nordseebad nicht. Erstens reicht der Kurs in Zandvoort nicht mal für 300 km/h, und zweitens durfte ich bei mittelschwerem Regen in einem verkauften Kundenauto unterwegs sein. Einem arabischen Scheich, der nicht genannt werden möchte, war der Superlativ auf Rädern mal eben 540.000 Euro wert. Da wollte ich natürlich kein Spielverderber sein. Tagesbefehl also: ruhig Blut – was immer noch passiert. Eine weise Entscheidung. Denn in diesem Erd-Geschoss fühlt sich selbst Halbgas ungefähr so an, als würde ich von einem gigantischen Presslufthammer um den Kurs geprügelt. Jede Regung im rechten Fuß lässt die sechs Schmiedekolben wild an den Titanpleueln zerren, während gewaltige g-Kräfte mein Wirbelsäulenprofil in die unnachgiebig zupackenden Recaro-Sitzschalen stanzen.

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Wahnsinn: Der 9ff GT9 Vmax schiebt und schiebt und schiebt – in 13 Sekunden auf Tempo 300.

Abartig, wie dieser PS-Protz trotz Nässe anschiebt. Und jede Wette: Bei trockener Piste könnte ich wohl noch heute das 9ff-Logo der Lehne zwischen meinen Schulterblättern lesen. Die Beschleunigung für die 1,10 Meter flache Flunder gibt 9ff mit 13,0 Sekunden an. Allerdings nicht etwa bis Tempo 100, da reichen 3,1 Sekunden. Und auch nicht bis 200 km/h, die hakt der Über-Elfer in 6,8 Sekunden ab. Nein, nach 13 Sekunden soll tatsächlich Tempo 300 anliegen. Da kann dann selbst der 1200 PS starke Bugatti Veyron Super Sport nicht mehr mithalten (14,6) – und auch im Topspeed reklamieren die Dortmunder Draufgänger die Poleposition für sich. Was auch nur konsequent erscheint. Wer schon Vmax im Namen trägt, der sollte auch Maximales zu bieten haben. Und mit 437 km/h lässt der Revier-Renner sogar den Veyron klar hinter sich. Der Bugatti schafft "nur" 415 km/h.

Hexerei? Keinesfalls. Neben der schieren Leistung fährt der GT9 Vmax noch zwei weitere starke Trümpfe auf. Erstens: das Gewicht. Obwohl mit 4,72 Metern nicht gerade klein, bringt der Vmax schlanke 1340 Kilo auf die Waage. Der Gitterrohrrahmen mit einteiliger Kohlefaser-Karosserie darüber sowie Carbontüren und Plexiglasscheiben (außer vorn) machen es möglich. Zweitens: die ausgeklügelte Aerodynamik. Um die Bewegung der Luftmassen zu verstehen, müsste ich wohl Luft- und Raumfahrttechnik studieren.

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Der GT9 Vmax klebt dank ausgeklügelter Aerodymik fest am Asphalt. Schade, dass es geregnet hat.

Nur so viel: Vorn strömt Luft rein, dann von hinten durch den Kühler und seitlich vorm Rad wieder raus – das schafft Unterdruck im Radhaus, also Abtrieb. Das lange Spoilerheck und der glatte Unterboden mit Diffusor klären die Haftungsfrage endgültig. So klebt der GT9 auf dem Asphalt wie Politiker an ihren Posten und erlaubt schon bald erstaunliche Kurvenkapriolen. Sogar an die ungewöhnliche Schaltung gewöhne ich mich irgendwann. Die 1400 PS werden über ein sequenzielles Sechsganggetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad an die 335er-Hinterräder geschickt – und dennoch gibt es links ein Kupplungspedal, das bei Gangwechseln gefragt sein will. Ein Sonderwunsch des Scheichs, der mir am Ende des Tages aber fast schon normal vorkommt. Ruhig Blut bleibt dennoch mein Motto. Denn die brutale Biturbo-Maschine mit aufgeregt zwitschernden Wastegates liefert mehr als genug Schmalz, um jederzeit ei nen ausgelassenen Regentanz mit rasanten Rittbergern hinzulegen. Und an dieser Stelle wurde dann auch mein Beifahrer Jan Fatthauer etwas blass um die Nase.

Technische Daten 9ff GT9 Vmax Sechszylinder-Boxer, Biturbo, Mitte längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4200 cm³ • Leistung 1029 kW (1400 PS) bei 7950/min • max. Drehmoment 1160 Nm bei 5600/min • Hinterradantrieb • Sperrdifferenzial (40/60 %) • sequenzielles Sechsganggetriebe • Reifen vorn 255/35 ZR 19, hinten 335/30 ZR 20 • L/B/H 4720/1890/1100 mm • Spitze 437 km/h • 0–100/200/300 km/h in 3,1/6,8/13,0 s • Preis 540.000 Euro
Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Auch wenn der Wettergott es nicht gut mit uns meinte: Selbst im Regen hat mich der GT9 Vmax mächtig beeindruckt. Dafür sorgt allein schon das Datenblatt dieses Monsters, das alles mir Bekannte weit in den Schatten stellt. Auf der Strecke in Zandvoort musste der Über-Elfer dann hauptsächlich mit den Elementen und der Physik kämpfen – denn mit 1400 PS und 20-Zoll-ZR-Reifen auf den angetriebenen Hinterrädern beginnt die Wasserskisaison einfach schon verdammt früh. Sein Potenzial hat der Supersportler dennoch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dass er für ein Fahrzeug dieses Kalibers beinah schon langweilig gut funktioniert, ebenfalls.

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