VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Abgasskandal bei Volkswagen – Fragen zum Rückruf

— 23.06.2017

Was der Rückruf für VW-Fahrer bedeutet

Der Mammut-Rückruf von VW im Dieselskandal läuft auf Hochtouren. Drei Urteile sorgen für Aufsehen. Hier die wichtigsten Antworten für Besitzer manipulierter Autos!

(dpa/mas/brü/lhp/cj) Rund 2,6 Millionen Autos von VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda sind in Deutschland vom Dieselskandal betroffen. Mittlerweile läuft die Umrüstung auf Hochtouren, bis Mitte Juni 2017 wurden etwa 1,9 Millionen Fahrzeuge mit einer neuen Software ausgestattet. Was bedeutet der größte Skandal in der deutschen Automobilgeschichte für die Fahrer manipulierter Autos? Wie wird umgerüstet, und was für Auswirkungen hat das für Verbrauch oder Leistung? Werden Autobesitzer entschädigt? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Chronologie des VW-Abgasskandals

27. Juli 2017: Laut Verkehrsminister Dobrindt (CSU) gibt es einen amtlichen verpflichtenden Rückruf für 22.000 Porsche Cayenne 3.0 V6 TDI nach Euro 6, da eine unzulässige Abschaltvorrichtung bei der Abgasreinigung festgestellt wurde. Zudem gelte ein Zulassungsverbot bis zum Einsatz einer neuen, vom KBA genehmigten Steuersoftware.

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Welche Autos werden umgerüstet?

Nach Auskunft von VW können seit der letzten erteilten Freigabe Anfang Mai 2017 alle manipulierten Dieselmotoren vom Typ EA189 in der EU umgerüstet werden. Bis dato standen Genehmigungen für rund 800.000 Skoda aus. In Deutschland liegen alle Freigaben des KBA seit Ende 2016 vor, betroffen sind vor allem die Verkaufsschlager VW Golf und Passat. Es handelt sich insgesamt um 32.000 Wagen mit 1,2 Litern Hubraum, 700.000 mit 1,6 Litern Hubraum und 1,88 Millionen mit 2,0 Litern Hubraum.

Warum wurde der Zeitplan nicht eingehalten?

Ursprünglich wollte VW die Rückrufe schneller anschieben. Doch immer wieder mussten die Ingenieure neue Softwarevarianten für verschiedene Motoren entwickeln. Der Zeitplan geriet zudem ins Stocken, weil das KBA lange die Freigabe für den Passat verweigerte. Offizielle Gründe hierfür wurden nicht genannt, nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich.

Wie lange wird der Rückruf andauern?

Nach Angaben vom Nachrüstungsbeauftragten des Markenvorstandes, Manfred Bort, ist man bei Volkswagen zuversichtlich, dass der Rückruf bis Herbst 2017 abgehakt ist. Stand Anfang März 2017 wurden von VW etwa 100.000 betroffene Diesel pro Woche in Deutschland umgerüstet. Für den Rückruf autorisiert sind bundesweit 2173 Volkswagen-Partner, dazu eine kleinere Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Die sind jedoch nur für die vom Rückruf betroffenen VW-Schwesternmarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge zuständig.

Was genau wird bei der Umrüstung gemacht?

Das ist das von der Manipulation betroffene Steuergerät des Motors EA 189.

Die meisten Motoren werden lediglich an einen Computer angeschlossen. Sie bekommen dann eine Software, die die Abläufe im Motor besser steuern und für eine effizientere Verbrennung des Diesels sorgen soll. Ein kurzes Video hat VW hier veröffentlicht, auch eine Service-App gibt es. Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Das kleine Gitterrohr aus Kunststoff soll verwirbelte Luft ordnen, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt. Über genauere Messungen könne die Motorsteuerung das laufende Aggregat dann besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken (siehe Bildergalerie).

Strömungstransformator von VW

Stoßen umgerüstete Autos weniger Schadstoffe aus?

Die Umbaumaßnahmen von VW sind vor allem darauf ausgerichtet, dass die Autos den Test auf dem relevanten Prüfstand schaffen – und zwar ohne Betrugssoftware. Der ADAC hat zwar bei Messungen von einigen wenigen Fahrzeugen einen Rückgang von Emissionen schädlicher Stickoxide in realitätsnäheren Testzyklen gemessen. Einen Rückschluss auf alle umgerüsteten Fahrzeuge lässt das aber nicht zu.

Muss ich am Rückruf teilnehmen?

Das ist nach wie vor nicht eindeutig klar. Das KBA drohte zu Beginn damit, dass manipulierte Autos die Zulassung verlieren könnten, auch VW selbst weist in seinen Rückrufschreiben darauf hin, dass Verweigerern laut § 5 der Fahrzeug-Zulassungverordnung (FZV) die Betriebserlaubnis des Wagens entzogen werden könnte. Zudem heißt es in diesen Schreiben, dass bei der nächsten Hauptuntersuchung die Plakette nicht erteilt werden könnte. Der TÜV sowie weitere Prüforganisationen dementierten dies.

Bringt die Umrüstung Nachteile für Kunden?

VW beteuert, dass die Autos nach dem Rückruf nicht mehr verbrauchen, die Leistung nicht sinkt und sie auch nicht lauter sind. Nach VW-Angaben bestätigt das auch das KBA. Es gibt jedoch vereinzelte Kundenklagen sowie Hinweise, dass die Haltbarkeite einzelner Bauteile leiden könnte. Der größte Nachteil ist aber juristischer Natur: So sinkt die Chance auf einen Gewährleistungsanspruch. VW-Kunden berichteten AUTO BILD, in puncto Software-Update von VW unter Druck gesetzt worden zu sein.

Werden Kunden in Deutschland entschädigt?

In Arnsberg, Bayreuth und Wuppertal gab es drei vielleicht richtungsweisende Landgerichtsurteile.

Während Kunden in den USA und Kanada eine "erhebliche" Entschädigung bekommen, gingen Kunden in Deutschland und Europa bislang leer aus. Der Konzern begründete das unter anderem mit einer anderen Rechtslage. Inzwischen gibt es drei wichtige Gerichtsurteile zugunsten von Klägern, bei denen VW auf eine Berufung verzichtete. Darin werden nicht nur VW-Händler zur Rücknahme der manipulierten Fahrzeuge verpflichtet. Das Landgericht Arnsberg stellte beispielsweise fest (Az. I-2 O 264/16), dass Volks­wagen wegen vorsätzlicher sittenwid­riger Schädigung verpflichtet ist, dem Besitzer des betroffenen Fahrzeugs etwaige weitere Schäden zu ersetzen. Während VW laut ZDF Heute Journal ankündigte, sich auch "in Zukunft gegen Klagen verteidigen" zu wollen, sehen die Anwälte des Klägers eine "Signalwirkung" in dem Urteil. Kunden dürften sich "berechtigte Hoffnungen" machen, ihre Ansprüche in erster Instanz durchsetzen zu können.
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Gibt es Widerstand von VW-Kunden?

Ja, unter anderem ist eine Sammelklage in Vorbereitung, der sich laut der Verbraucherschutzplattform myright.de schon 25.000 Kunden angeschlossen haben. Die fürchten den Entzug der Zulassung oder eine Stilllegung ihres Fahrzeugs und fordern die Rücknahme ihres VW-Diesels und die Rückerstattung des Kaufpreises.

Kann ich die Werkstatt frei wählen?

Für die Nachbesserungen sind nur Vertragswerkstätten autorisiert. Unter denen kann der Betroffene laut VW aber frei wählen.

Muss ich für den Rückruf zahlen?

VW hat zugesichert, dass den Haltern keine Kosten entstehen.

Darf ich auf Ausfallentschädigung bzw. ein Ersatzauto hoffen?

VW werde "mit jedem Kunden Kontakt aufnehmen" und den betroffenen Autobesitzern während des geplanten Rückrufs eine kostenlose "Ersatzmobilität" anbieten, hieß es. Bei betroffenen Autos der Marken Audi, Skoda und Seat soll es ähnlich laufen wie bei den VW-Modellen. Wird tatsächlich ein geeigneter Ersatz gestellt, scheint eine Ausfallentschädigung unwahrscheinlich.

Welche Modelle haben den Motor EA 189 an Bord?

Ob der Motor unter der Haube ein EA 189 ist, kann der Händler von der Motornummer ableiten.

Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, Halter können sich auf den Serviceseiten im Internet informieren. Bei Audi: A1, A3, A4, A6, TT, Q3, Q5, jeweils 1.6 und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm. Bei Skoda: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei Seat: Halter können sich auf einer Service-Seite informieren, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Was passiert, wenn mein Auto nicht sofort bearbeitet wird?

Betroffene VW-Kunden können nach Angaben des Konzerns bis mindestens Ende 2017 Ansprüche auf Gewährleistung geltend machen. Volkswagen verzichte "ausdrücklich bis zum 31.12.2017 auf die Erhebung der Verjährungseinrede im Hinblick auf etwaige Ansprüche, die im Zusammenhang mit der in Fahrzeugen mit Motortyp EA 189 eingebauten Software bestehen”, teilte das Unternehmen am 16. Dezember 2016 in Wolfsburg mit. Damit verlängerte Volkswagen die Frist um ein Jahr – bislang war sie bis Ende 2016 gesetzt. Darüber hinaus gilt der sogenannte Verjährungsverzicht ab sofort auch für bereits verjährte Ansprüche.
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Kann ich mit dem Auto bis zur Umrüstung unbesorgt weiterfahren?

VW, Audi, Seat und Skoda teilen unisono mit: "Alle betroffenen Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit." Die manipulierten Autos dürften aber mehr NOx ausstoßen als angenommen.

Könnte bei betroffenen Autos die Kfz-Steuer steigen?

Nein, nach AUTO BILD-Einschätzung nicht. Die Kfz-Steuer hängt vom Hubraum und dem CO2-Ausstoß ab, Stickoxide sind hier unerheblich. Ob sich die Abgasaffäre auf die Feinstaubplaketten auswirkt, ist noch nicht klar. Laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) könnte es hier durchaus ein Problem geben, weil den Umweltplaketten nicht nur der Feinstaub-Ausstoß zugrunde läge, sondern auch die Einhaltung bestimmter Stickstoff-Dioxid-Emissionen. Möglicherweise müssten deswegen Haftungsansprüche geltend gemacht werden – gegenüber VW, nicht gegenüber den Haltern.

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Wie erkennen Gebrauchtwagenkäufer die Nachbesserung?

An drei Punkten. Erstens bekommen die nachgebesserten Autos im Bereich der Reserveradmulde einen Aufkleber, der auf die Durchführung der Aktion hinweist. Zweitens werden die Änderungen in der elektronischen Historie des Autos gespeichert. Und die können VW-Werkstätten auslesen. Drittens wird die Aktion im Serviceplan des Fahrzeugs eingetragen.

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