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Abgasskandal bei Volkswagen – News zum Rückruf

— 12.02.2016

Was der Rückruf für VW-Fahrer bedeutet

Mit dem Amarok hat der große VW-Dieselrückruf begonnen. Nun bekommen alle betroffenen Halter Post. Hier die wichtigsten Antworten für Besitzer manipulierter Autos.

VWs gigantische Rückrufaktion für Dieselfahrzeuge ist angelaufen. Seit Ende Januar 2016 sind die Zweiliter-Motoren dran, modellseitig machte der Amarok den Anfang. Viel Arbeit für die Werkstätten und eine mögliche Geduldsprobe für die Halter. Denn die Werkstatttermine dürften bei gut 2,4 Millionen in Deutschland nachzubessernden Diesel-Fahrzeugen knapp werden. Was bedeutet die Aktion für die Fahrer der betroffenen Autos von VW, Audi, Seat und Skoda? Können die Autos bis zum Werkstattaufenthalt weitergefahren werden? Kommen Kosten auf die Besitzer zu? AUTO BILD gibt die Anworten auf die wichtigsten Fragen.

Wen ruft der Konzern zuerst in die Werkstatt?

Das ist das von der Manipulation betroffene Steuergerät des Motors EA 189.

Den Anfang machen die Motoren mit zwei Litern Hubraum. Gestartet wurde mit dem Amarok, als nächstes folgt nun der Golf 2.0 TDI. Der ursprünglich bereits für Ende Februar geplante Start der Werkstattbesuche für rund 160.000 Passat-Modelle wurde dagegen auf unbestimmte Zeit verschoben, da das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nach wie vor die Freigabe verweigert. Offizielle Begründungen hierfür gibt es keine. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich.

Durch die Verzögerung kann der ursprüngliche Zeitplan vermutlich nicht eingehalten werden. Der sah so aus: Zum Ende des zweiten Quartals sollten die wenigen betroffenen 1,2-Liter-TDI an die Reihe kommen, ab dem dritten Quartal die 1,6-Liter-Motoren. Bei diesen ist im Gegensatz zu den 1.2 und 2.0 TDI nicht nur ein Software-Update nötig, sondern es muss auch ein Bauteil ersetzt werden. Wann genau weitere Modelle folgen, sagt VW noch nicht.

Muss ich sofort in die Werkstatt fahren?

Nein, nicht auf eigene Faust. Wie ein VW-Sprecher bestätigte, erhalten nahezu alle 2,5 Millionen Besitzer bis Ende Februar 2016 Post. Die Briefe informieren generell über den Fakt, dass das jeweilige Auto von dem Rückruf betroffen ist. Details zu einem möglichen Termin in der Werkstatt folgen in einem zweiten Schreiben je nach Motorgröße und Modell. Halter, die schon vor dem Eintreffen der Briefe Gewissheit haben wollen, können das online mit ihrem Fahrzeugschein überprüfen.

Kann ich die Werkstatt frei wählen?

Für die Nachbesserungen sind nur Vertragswerkstätten autorisiert. Unter denen kann der Betroffene laut VW aber frei wählen.

Mit welchem Ansturm rechnen die VW-Werkstätten?

Für den Rückruf autorisiert sind bundesweit 2173 Volkswagen-Partner. Damit ergeben sich mit den 2,4 Millionen zurückgerufenen Dieseln rechnerisch 1100 Fahrzeuge pro Werkstatt. VW gibt die Dauer des Werkstattaufenthalts mit 30 bis maximal 60 Minuten an. Je nach Größe der Werkstatt müsste also jeder VW-Servicepartner etliche Wochen allein für die Aktion einplanen. Hinzu kommt das ganz normale Tagesgeschäft. Das hat Auswirkungen für alle VW-Fahrer: Sie müssen sich bei der Terminvergabe in Geduld üben. Neben den knapp 2200 Volkswagen-Partnern gibt es noch eine kleinere Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Die sind jedoch nur für die vom Rückruf betroffenen VW-Schwesternmarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge zuständig. Angesichts des erwarteten Ansturms fordern auch freie Werkstätten eine Teilnahme an den Rückrufen.
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Was passiert beim KBA-Rückruf?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Umbaupläne für einen großen Teil der manipulierten VW-Dieselautos abgesegnet. Die Wagen mit 1,2-, 1,6- und 2,0-Liter-Motoren werden in der Werkstatt so eingestellt, dass sie die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide einhalten. Bei den 1,2-Liter- und 2,0-Liter-Motoren soll ein etwa 30 Minuten langes Software-Update ausreichen. Bei den 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich ein sogenannter Strömungstransformator eingebaut. Dieses Teil soll die Messgenauigkeit bei der angesaugten Luft erhöhen und dadurch den Verbrennungsvorgang optimieren (siehe Galerie).

Strömungstransformator von VW

Muss ich für den Rückruf zahlen?

VW hat zugesichert, dass den Haltern keine Kosten entstehen werden.

Muss ich am Rückruf teilnehmen?

Ja, die Rückrufaktion ist für jeden Halter verpflichtend. Wer sich weigert, geht das Risiko ein, dass die Betriebserlaubnis des Autos erlischt und der Wagen nicht mehr im Straßenverkehr bewegt werden darf.

Darf ich auf Ausfallentschädigung bzw. ein Ersatzauto hoffen?

VW werde "mit jedem Kunden Kontakt aufnehmen" und den betroffenen Autobesitzern während des geplanten Rückrufs eine kostenlose "Ersatzmobilität" anbieten, hieß es. Bei betroffenen Autos der Marken Audi, Skoda und Seat soll es ähnlich laufen wie bei den VW-Modellen. Wird tatsächlich ein geeigneter Ersatz gestellt, scheint eine Ausfallentschädigung unwahrscheinlich.

Welche Modelle haben den EA 189 an Bord?

Ob der Motor unter der Haube ein EA 189 ist, kann der Händler von der Motornummer ableiten.

Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, Halter können sich auf den Serviceseiten im Internet informieren. Bei Audi: A1, A3, A4, A6, TT, Q3, Q5, jeweils 1.6 und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm. Bei Skoda: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei Seat: Hier liegen noch keine Informationen vor, Halter können sich auf einer Service-Seite informieren, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

Was passiert, wenn mein Auto nicht sofort bearbeitet wird?

Betroffene VW-Kunden können nach Angaben des Konzerns bis mindestens Ende 2017 Ansprüche auf Gewährleistung geltend machen. Volkswagen verzichte "ausdrücklich bis zum 31.12.2017 auf die Erhebung der Verjährungseinrede im Hinblick auf etwaige Ansprüche, die im Zusammenhang mit der in Fahrzeugen mit Motortyp EA 189 eingebauten Software bestehen”, teilte das Unternehmen am 16. Dezember in Wolfsburg mit. Damit verlängert Volkswagen die Frist um ein Jahr – bislang war sie bis Ende 2016 gesetzt. Darüber hinaus gilt der sogenannte Verjährungsverzicht ab sofort auch für bereits verjährte Ansprüche.
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Hat mein Diesel den EA 189 an Bord – und Schummel-Software?

Betroffen sind Drei- oder Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung ("Turbocharged Diesel Injection") und 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum nach Euro-5-Norm. Auch eine geringe Anzahl von 1,2-Liter-Motoren ist betroffen. Falls Ihr Auto der Marke VW, Audi, Skoda oder Seat der Baujahre 2008 bis 2014 so motorisiert ist und der Norm Euro 5 entspricht, könnte der Wagen in die Werkstatt müssen. VW- und VW-Nutzfahrzeuge-Kunden können im Internet unter info.volkswagen.de überprüfen, ob der Motor unter ihrer Haube steckt. Audi hat eine Service-Seite eingerichtet, auf der Kunden unter anderem mit ihrer Fahrgestellnummer Informationen kriegen. Denselben Service bieten Skoda und Seat an über die Seiten skoda-auto.de bzw. seat.de. Entspricht Ihr Auto der Euro-4- oder Euro-6-Norm, ist es wahrscheinlich nicht betroffen.

Welche Folgen hat ein Software-Update?

Nach dem Update könnte im schlimmsten Fall ein erhöhter Verbrauch oder eine verminderte Motorleistung bei manchen Fahrsituationen die Folge sein. Da die manipulierte Software die Abgase und den Verbrauch aber hauptsächlich auf dem Prüfstand regelt, hat das Update im besten Fall gar keine Auswirkung auf den Alltagsbetrieb.

Kann ich mit dem Auto unbesorgt weiterfahren?

VW, Audi, Seat und Skoda teilen unisono mit: "Alle betroffenen Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit." Die manipulierten Autos dürften also mehr NOx ausstoßen als angenommen.

Könnte bei betroffenen Autos die Kfz-Steuer steigen?

Nein, nach AUTO BILD-Einschätzung nicht. Die Kfz-Steuer hängt vom Hubraum und dem CO2-Ausstoß ab, Stickoxide sind hier unerheblich. Ob sich die Abgasaffäre auf die Feinstaubplaketten auswirkt, ist noch nicht klar. Laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) könnte es hier durchaus ein Problem geben, weil den Umweltplaketten nicht nur der Feinstaub-Ausstoß zugrunde läge, sondern auch die Einhaltung bestimmter Stickstoff-Dioxid-Emissionen. Möglicherweise müssten deswegen Haftungsansprüche geltend gemacht werden – gegenüber VW, nicht gegenüber den Haltern.
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Kfz-Kennzeichen

Droht ein Verlust der Zulassung?

Auch wenn die verwendete Software nach Einschätzung des KBA "illegal" ist, ist laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kein Entzug der Typenzulassung geplant. Anders sieht es bei einer Weigerung des Eigners aus, am Rückruf teilzunehmen. Dann könnte die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erlöschen.

Kann ich mit Schadenersatz rechnen?

Die Antwort dazu dürfte je nach Land variieren. Zunächst müssten Experten einen Schaden nachweisen und beziffern. In den Vereinigten Staaten ist eine Zahlung von bis zu 5000 Euro für jeden Besitzer eines betroffenen Diesels im Gespräch. VW-Chef Müller erklärte aber entschieden, dass diese Lösung in Europa nicht eins zu eins übertragen werde.

Wie erkennen Gebrauchtwagenkäufer die Nachbesserung?

An drei Punkten. Erstens bekommen die nachgebesserten Autos im Bereich der Reserveradmulde einen Aufkleber, der auf die Durchführung der Aktion hinweist. Zweitens werden die Änderungen in der elektronischen Historie des Autos gespeichert. Und die können VW-Werkstätten auslesen. Drittens wird die Aktion im Serviceplan des Fahrzeugs eingetragen.

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