VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Abgasskandal bei Volkswagen – News zum Rückruf

— 21.12.2016

Was der Rückruf für VW-Fahrer bedeutet

Das KBA hat laut VW mittlerweile die Freigabe bekommen, alle manipulierten Diesel umzurüsten. Alle betroffenen Halter bekommen Post. Hier die wichtigsten Antworten für Besitzer manipulierter Autos.

(dpa/mas/brü/lhp) Kommt der Mammutrückruf nun in Schwung? VW wollte zunächst alle 2,6 Millionen manipulierten Dieselfahrzeuge in Deutschland bis Ende 2016 umrüsten. Doch es kam zu Verzögerungen. Nun hat der Autobauer nach eigenem Bekunden endlich alle Genehmigungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) für die Umrüstung sämtlicher betroffener Motoren zusammen. Was bedeutet das für die Fahrer der manipulierten Autos von VW, Audi, Seat und Skoda? Wann kommt das letzte Auto dran? Wie wird umgerüstet, und was für Auswirkungen hat das für Verbrauch oder Leistung? Werden Autobesitzer entschädigt? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Chronologie des VW-Abgasskandals

14. April 2017: VW macht beim Rückkaufprogramm für vom Abgas-Skandal betroffene US-Kunden Fortschritte. Der Konzern wickelte deutlich vor der geplanten Zeit Rückkäufe und Leasing-Stopps für über die Hälfte der insgesamt 475.000 manipulierten Dieselwagen ab. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar.

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Welche Autos können jetzt umgerüstet werden?

Nach Auskunft von VW alle von den Manipulationen betroffenen, in Deutschland zugelassenen Autos. Vor allem sind das die Verkaufsschlager VW Golf und Passat. 

Warum wurde der Zeitplan nicht eingehalten?

Ursprünglich wollte VW die Rückrufe schneller anschieben. Doch immer wieder mussten die Ingenieure neue Softwarevarianten für verschiedene Motoren entwickeln. Der Zeitplan geriet zudem ins Stocken, weil das KBA lange die Freigabe für den Passat verweigerte. Offizielle Gründe hierfür wurden nicht genannt, nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich. Offenbar hat VW nun eine Lösung für dieses Problem gefunden.

Können jetzt auch die letzten Autos in die Werkstätten?

Das ist das von der Manipulation betroffene Steuergerät des Motors EA 189.

Nein, das wird noch dauern. VW will die Autobesitzer in den kommenden Wochen (Zeitrechnung ab dem 21. Dezember 2016) anschreiben. Dann können sie Termine mit einer Vertragswerkstatt vereinbaren – was vermutlich ein bisschen Geduld erfordern wird. Denn bislang sind von den rund 2,6 Millionen betroffenen Wagen erst gut 750.000 umgerüstet. Für den Rückruf autorisiert sind aber bundesweit nur 2173 Volkswagen-Partner – es dürfte also für alle VW-Kunden zu Wartezeiten bei der Terminvergabe kommen, da die Umrüstaktion parallel zum Tagesgeschäft ablaufen muss. Neben den knapp 2200 Volkswagen-Partnern gibt es noch eine kleinere Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Die sind jedoch nur für die vom Rückruf betroffenen VW-Schwesternmarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge zuständig. Europaweit sollen die Rückrufe bis zum Herbst 2017 abgeschlossen sein.

Was genau wird bei der Umrüstung gemacht?

Die meisten Motoren werden lediglich an einen Computer angeschlossen. Sie bekommen dann eine Software, die die Abläufe im Motor besser steuern und für eine effizientere Verbrennung des Diesels sorgen soll. Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Das kleine Gitterrohr aus Kunststoff soll verwirbelte Luft ordnen, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt. Über genauere Messungen könne die Motorsteuerung das laufende Aggregat dann besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken (siehe Bildergalerie). 

Strömungstransformator von VW

Stoßen die Autos dann weniger Schadstoffe aus?

Nicht unbedingt. Die Umbaumaßnahmen von VW sind vor allem darauf ausgerichtet, dass die Autos den Test auf dem relevanten Prüfstand schaffen – und zwar ohne Betrugssoftware. Der ADAC hat zwar bei Messungen von einigen wenigen Fahrzeugen einen Rückgang von Emissionen schädlicher Stickoxide in realitätsnäheren Testzyklen gemessen. Einen Rückschluss auf alle umgerüsteten Fahrzeuge lässt das aber nicht zu.

Bringt die Umrüstung Nachteile für Kunden?

VW beteuert, dass die Autos nach dem Rückruf nicht mehr verbrauchen, die Leistung nicht sinkt und sie auch nicht lauter sind. Nach VW-Angaben bestätigt das auch das KBA. Ob es aber de facto doch zu höheren Verbrauchswerten oder anderen Nachteilen kommt, bewerten derzeit mehrere Gerichte mithilfe von Gutachtern. Mehrere VW-Besitzer klagen auf Schadenersatz oder Rückgabe ihrer Autos, weil sie solche Nachteile befürchten.

Bekommen Kunden in Deutschland eine Entschädigung?

Nein. Während Kunden in den USA und Kanada eine "erhebliche" Entschädigung bekommen, gehen Kunden in Deutschland und Europa höchstwahrscheinlich leer aus. Der Konzern begründet das unter anderem mit einer anderen Rechtslage. VW-Chef Matthias Müller hatte zudem bereits Mitte des Jahres gesagt, Entschädigungen in beliebiger Höhe würden Volkswagen überfordern.
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Kann ich die Werkstatt frei wählen?

Für die Nachbesserungen sind nur Vertragswerkstätten autorisiert. Unter denen kann der Betroffene laut VW aber frei wählen.

Muss ich für den Rückruf zahlen?

VW hat zugesichert, dass den Haltern keine Kosten entstehen werden.

Muss ich am Rückruf teilnehmen?

Ja, die KBA-Rückrufaktion ist für jeden Halter verpflichtend. Wer sich weigert, geht das Risiko ein, dass die Betriebserlaubnis des Autos erlischt und der Wagen nicht mehr im Straßenverkehr bewegt werden darf.

Darf ich auf Ausfallentschädigung bzw. ein Ersatzauto hoffen?

VW werde "mit jedem Kunden Kontakt aufnehmen" und den betroffenen Autobesitzern während des geplanten Rückrufs eine kostenlose "Ersatzmobilität" anbieten, hieß es. Bei betroffenen Autos der Marken Audi, Skoda und Seat soll es ähnlich laufen wie bei den VW-Modellen. Wird tatsächlich ein geeigneter Ersatz gestellt, scheint eine Ausfallentschädigung unwahrscheinlich.

Welche Modelle haben den EA 189 an Bord?

Ob der Motor unter der Haube ein EA 189 ist, kann der Händler von der Motornummer ableiten.

Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, Halter können sich auf den Serviceseiten im Internet informieren. Bei Audi: A1, A3, A4, A6, TT, Q3, Q5, jeweils 1.6 und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm. Bei Skoda: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei Seat: Halter können sich auf einer Service-Seite informieren, ob ihr Fahrzeug betroffen ist.

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Was passiert, wenn mein Auto nicht sofort bearbeitet wird?

Betroffene VW-Kunden können nach Angaben des Konzerns bis mindestens Ende 2017 Ansprüche auf Gewährleistung geltend machen. Volkswagen verzichte "ausdrücklich bis zum 31.12.2017 auf die Erhebung der Verjährungseinrede im Hinblick auf etwaige Ansprüche, die im Zusammenhang mit der in Fahrzeugen mit Motortyp EA 189 eingebauten Software bestehen”, teilte das Unternehmen am 16. Dezember in Wolfsburg mit. Damit verlängert Volkswagen die Frist um ein Jahr – bislang war sie bis Ende 2016 gesetzt. Darüber hinaus gilt der sogenannte Verjährungsverzicht ab sofort auch für bereits verjährte Ansprüche.
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Kann ich mit dem Auto bis zur Umrüstung unbesorgt weiterfahren?

VW, Audi, Seat und Skoda teilen unisono mit: "Alle betroffenen Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit." Die manipulierten Autos dürften aber mehr NOx ausstoßen als angenommen.

Könnte bei betroffenen Autos die Kfz-Steuer steigen?

Nein, nach AUTO BILD-Einschätzung nicht. Die Kfz-Steuer hängt vom Hubraum und dem CO2-Ausstoß ab, Stickoxide sind hier unerheblich. Ob sich die Abgasaffäre auf die Feinstaubplaketten auswirkt, ist noch nicht klar. Laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) könnte es hier durchaus ein Problem geben, weil den Umweltplaketten nicht nur der Feinstaub-Ausstoß zugrunde läge, sondern auch die Einhaltung bestimmter Stickstoff-Dioxid-Emissionen. Möglicherweise müssten deswegen Haftungsansprüche geltend gemacht werden – gegenüber VW, nicht gegenüber den Haltern.
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Wie erkennen Gebrauchtwagenkäufer die Nachbesserung?

An drei Punkten. Erstens bekommen die nachgebesserten Autos im Bereich der Reserveradmulde einen Aufkleber, der auf die Durchführung der Aktion hinweist. Zweitens werden die Änderungen in der elektronischen Historie des Autos gespeichert. Und die können VW-Werkstätten auslesen. Drittens wird die Aktion im Serviceplan des Fahrzeugs eingetragen.

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