Alfa Romeo 145 (1994-2000)

Gebrauchtwagen Alfa Romeo 145 Gebrauchtwagen Alfa Romeo 145

Alfa Romeo 145 (1994-2000)

— 25.02.2002

Gebremste Leidenschaft

Er klingt gut, fährt gut und sieht gut aus, sagen seine Fans - und nehmen die vielen kleinen Schwächen des Alfa 145/146 in Kauf

Karosserie und Technik

Alfa-Fahrer müssen Überzeugungstäter sein. Anders ist es kaum zu erklären, daß sie weder mangelnde Verarbeitung noch streikende Elektrik vom Kauf eines Alfa abhalten. Oft treibt ihnen allein schon der Anblick italienischer Motoren das Wasser in die Augen. Doch selbst Freudentränen hinterlassen manchmal einen salzigen Nachgeschmack. Wie beim kleinsten Sproß der Familie, dem Alfa 145 und seinem Stufenheck-Bruder 146. Vor allem die Boxermotoren der ersten Baujahre bis 97 boten wenig vom Flair der "bella macchina", sondern gebärdeten sich zäh, durstig, müde.

Auch beim TÜV fallen auf den Erben des Alfa 33 Schatten: Schadhafte Gelenke und mangelhafte Bremsen heißen die Hauptkritikpunkte. Kein Wunder, daß bei vielen Fans kaum mehr als gebremste Leidenschaft übrigbleibt. Völlig unproblematisch ist bei dem erst viereinhalb Jahre alten 145er-Modell nur die Rostvorsorge. Lediglich jedes 500. Fahrzeug fällt beim TÜV mit Korrosion auf, von Durchrostungen ist der Italiener weit entfernt. Empfindlicher ist die Auspuffanlage. Sie rostet schnell und Ersatz wird teuer: Rund 900 Mark kostet das dicke Ende in der 1,6-Liter-Version. Selbst am Testmodell von 97 waren die Falze des Endtopfs schon korrodiert. Ein Schutzanstrich kaschierte die mäßig geschweißten Rohre an den Töpfen nur dürftig.

Liegt es am Fahrstil oder auch am Materialeinsatz? Verschlissene Bremsscheiben und schadhafte Bremsschläuche reklamiert der TÜV im Auto-Report '99/AUTO BILD-Spezial viermal häufiger als im Durchschnitt. Mehr Pluspunkte sammelt der schöne Italiener dagegen im Innenraum für das flotte Styling und stramme Sitze - weniger für das Platzangebot im Kofferraum. Hier hat das geräumigere Stummel-Stufenheck Vorteile. Seine 380 Liter Laderaum fallen im Vergleich zum knappen 145er-Heckabteil (340 Liter) fast schon familienfreundlich aus.

Motor und Antrieb

Mängel der Anfangsjahre wie knisternde Armaturen bekämpfte Alfa mit Ausschäumen, Windgeräusche wurden durch Isolierungen an Motorhaube und Außenspiegel mittlerweile fast abgestellt. Nur mit den Spaltmaßen nehmen es die Italiener bis heute nicht so genau. Mit drei Boxermotoren (1.4, 1.6, 1.7) wurde der kleine Alfa 94 geboren, der Zweiliter-Reihenvierer namens Quadrifoglio (Kleeblatt) mit 150 Pferdchen kam als Nachzügler 95. "Kein anderer Dauertest machte soviel Spaß", lautete das AUTO BILD-Fazit mit dem Zweiliter (Heft 46/96). Ein Prädikat, das seine Boxer-Brüder mit 90, 103 und 129 PS nicht erhalten hätten. Enttäuschender Durchzug, ruckelnde Gasannahme – und das bei fast identischem Verbrauch um die zehn Liter. Da hört der Spaß schon auf, bevor er beginnt.

Nicht viel anders sieht es bei dem sehr seltenen Turbodiesel mit 90 PS aus. Mal abgesehen davon, daß die nagelnden Töne kaum zum dynamischen Alfa-Image passen. Erst zum Modelljahr 97 präsentierte Alfa endlich drei neue Reihenvierer mit 103, 120 und 140 PS (1.4, 1.6, 1.8) und Doppelzündung (Twin Spark). Das rasende Kleeblatt bekam im vergangenen Jahr einen Nachschlag auf 155 PS. Mit den 16V-Reihenmotoren wurde auch das nunmehr quer eingebaute Getriebe besser schaltbar. In den Boxer-Modellen arbeitete es noch so hakelig wie zu Alfasud-Zeiten. Geblieben sind die direkte Lenkung, sicheres Kurvenverhalten und sehr gutes Handling.

Gebraucht ist ein kleiner Alfa übrigens schwer zu kriegen. Angeboten werden fast nur ganz junge oder die teuren Spitzenmodelle. Der Stufen-Alfa 146 ist gar so selten wie vierblättrige Kleeblätter auf der Kuhweide. Vierjährige Modelle notiert DAT noch fast mit der Hälfte des Neupreises zwischen 10.000 und 15.000 Mark – auch für die schlappen Boxer-Modelle. Viel Geld für eine gebremste Leidenschaft am kompakten Italiener. Doch den wahren Alfisti kann das in seiner Liebe zur Marke anscheinend kaum bremsen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/94 Einführung des zweitürigen Kompaktmodells mit drei Boxermotoren: 1.4 (90 PS), 1.6 (103 PS) und 1.7 16V (140 PS) 5/95 Stufenheckversion Alfa 146 9/95 Topmodell 145 Quadrifoglio (Kleeblatt): Reihenvierzylinder (2.0 Twin Spark) mit 150 PS. Preis: 35.800 Mark 1/96 2,0-l-Turbodiesel mit 90 PS 2/96 Zweilitermaschine auch im Alfa 146 ti (36.750 Mark) 1/97 Neue Reihenmotoren (Twin Spark) statt Boxer: 1.4 (103 PS), 1.6 (120 PS), 1.8 (140 PS); zwei Airbagsserienmäßig 1/01 Nachfolger Alfa 147

Schwachstellen •Bremsscheiben werden wellig und sind schnell verschlissen – die Mängelquote ist viermal höher als der Durchschnitt kritisiert der TÜV im Auto-Report '99/AUTO BILD-Spezial • Spaltmaße sind Daumenmaße. Beim untersuchten Alfa 146 lag die Abweichung an einer Tür bei vier Millimetern • Schaltung mit Hindernissen: "Zäh" und "störrisch" lautete das Urteil der AUTO BILD-Tester über das Getriebe der Boxermodelle. Mit den Reihenmotoren gab es ab 97 auch eine präzisere Schaltung • Auspuff als Schnellroster, Ersatz ab Kat kostet 900 Mark • Dichtungen an den Fenstern sind gelegentlich schlecht eingepaßt – Folge: kleinere Wassereinbrüche besonders nach Waschstraßenbesuch, bei den ersten Baujahren vermehrt Windgeräusche

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines Alfa 145 1.6, 76 kW/103 PS, Bj. 1995. Zivile Preise für gängige Verschleißteile, selbst AT-Motor und -Getriebe bleiben bezahlbar. Nur der Auspuff ist ein Schnäppchen – für Alfa.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Alfa 145/146 ist ein typischer Italiener – schönes Auto, aber mit vielen Schwächen im Detail. Ungenaue Spaltmaße, Klappergeräusche und elektrische Pannen sind ärgerlich und mindern die Freude am Fahren. Die gibt es vor allem in der Zweiliter-version mit 150 PS, die auch im Alfa 155 zum Zuge kam. Generell sind die neuen Reihenmotoren mit Doppelzündung den alten Boxermodellen vorzuziehen, die mit ihrer zähen Kraftentfaltung wenig Fahrspaß bereiten. Ebenfalls ein Problem der ersten drei Baujahre: die schwergängige Schaltung und schnell verschlissene Getriebesynchronisation. Ausgeschlagene Gelenke habe ich beim 145 dagegen noch nie gesehen." Carsten Metterhausen, Prüfingenieur bei der GTÜ, Hamburg

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