Alfa Romeo Giulia (2016): Fahrbericht

Alfa Romeo Giulia (2016): Fahrbericht

— 10.05.2016

Giulia zeigt, was sie draufhat

Ist die Giulia wie versprochen eine handliche, hautnahe Fahrmaschine geworden? AUTO BILD macht die erste Ausfahrt mit dem 180-PS-Diesel.

Na endlich, Giulia. Es wurde ja auch Zeit: Romeo-Fans warten gern, aber nicht endlos. Die Vorstellung vor elf Monaten war ein nettes Rendezvous, nun steht der Diesel in Weiß bereit: 2,2 Liter Hubraum, 180 PS, Automatik – das wird der künftige Business-Alfa. Nur dass sein Startknopf im Lenkrad liegt wie ein kleines sportliches Versprechen.
Das kostet die Alfa Romeo Giulia

Riesige Schaltwippen hinter dem Lenkrad der Giulia. Links: der Startknopf.

Die Giulia soll alles neu machen: Antrieb, Fahrwerk, Elektronik – vom "weißen Blatt Papier", so Markenchef Harald Wester, sollte eine Fahrmaschine mit Alfa-DNA starten. Die Sitze saugen den Körper satt hinters Steuer. Hörbar erwacht der 2,2-Liter-Diesel, von den vier Leistungsstufen (136 bis 210 PS) fahren wir die beliebteste mit 180 PS. Nach kurzer Turbosekunde springt der Vierzylinder lebendig und angenehm laufruhig an, nach 6,8 Sekunden ist Fräulein Giulia auf 100 km/h. Subjektiv nageliger, präsenter als ein BMW-Diesel. Ein sportliches Oberstübchen, wie bei Audis TDI, das fehlt zum letzten Glück. Alfa fehlt vorläufig noch der SCR-Kat. Die Technik, die Dieselabgase optimal von Stickoxiden reinigt und einen zusätzlichen AdBlue-Tank verlangt, wollen die Italiener Anfang 2017 nachreichen. Die fehlt der Konkurrenz von BMW aktuell allerdings auch noch.

Sitzprobe Alfa Giulia

"N" ist für Tage ohne Espresso

Alfas feine Lenkung animiert zum flotten Fahrstil. Wer den Fortschritt zu den alten Fronttrieblern erleben möchte, muss nur dem Kribbeln in den Fingerspitzen folgen: kein Zerren, klare Rückmeldung, die Achslasten perfekt ausbalanciert – man glaubt, in Kurven die weißen Striche nachziehen zu können. Danke, das ist das versprochene Fahrgerät, das sich leichter anfühlt als 1520 fahrfertige Kilogramm. Daher wählt der Fahrer am D-N-A-Drehknopf, der auf der Mittelkonsole die Fahrprogramme anwählt, am liebsten die sportlichste Position: dinamica. "N" wie normal ist für Tage ohne Espresso, bei "A" steht der Diesel gefühlt gar nicht erst auf. Die souveräne Achtstufen-automatik von ZF macht geduldig jede Gangart mit. So spielt die Giulia den angeschärften 3er. Allerdings könnte die etwas steife Giulia noch eine Spur komfortabler federn – die Achsen poltern etwas lauter als bei den deutschen Konkurrenten.

Alfa Romeo Giulia (2016): Preise und Ausstattungen

Starke Proportionen, schöne Nase

Der Scudetto bleibt Alfa typsich mittig, das Kennzeichen weicht zur Seite aus.

Ist die Giulia denn attraktiver geworden von der langen Warterei? Die Konkurrenz hat inzwischen nicht gerade Schönheitspreise abgeräumt. Der Audi A4? Fährt besser, als er aussieht. Jaguar XE: auch kein Hin-und-weg-Herzensbrecher. Am Alfa gefallen nun die starken Proportionen mit dem kurzen Heck und der breiten Haube. Die Nase ist wieder so schön geraten, dass der deutsche Amtsschimmel es nicht wagen wird, der Dame ein Nummernschild mitten aufs Scudetto zu pappen. Sie darf es seitlich tragen.

Geschätztes Lustobjekt

Ab Dezember 2016 bieten die Italiener die Giulia auch noch (136 PS bis zum beeindruckenden Topsportler mit 510 PS) mit dem 210-PS-Diesel und einem 2,0-Liter-Turbo (280 PS) an, beide mit Allrad. Mit dem 180-PS-Diesel kostet die Giulia mindestens 37.400 Euro. Serienmäßig gibt es Handschaltung, 17-Zoll-Räder und Leder-Stoff-Bezüge. Die Dame will mit drei Kleidern (als Giulia, Super und Quadrifoglio) kein Schnäppchen sein, sondern geschätztes Lustobjekt. Ein Exot, denn Alfas schärfster Eroberer erscheint im Dezember: die Giulia als SUV. Das Warten geht weiter.

Alfa Romeo Giulia (2016): Fahrbericht

Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Alfa kann es noch! Die Giulia erfüllt den wichtigsten Wunsch von Anhängern und Sportfreunden: Sie ist eine handliche, hautnahe Fahrmaschine geworden – mit mehr alten BMW-Werten als der reife 3er. Die Nachteile – sie ist enger, unkomfortabler – nehmen wir in Kauf für die Wiedergeburt des Scudetto, der nun weltweit Erfolg sucht. Hoffentlich besitzt das künftige SUV, das viel wichtiger ist für Alfas Zukunft, auch die Sportgene dieser Limousine.

Stichworte:

Limousine

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