Alkohol am Steuer

Alkohol am Steuer

— 11.05.2012

0,0 Promille-Grenze eine Schnappsidee?

Die Zahl der Alkoholunfälle ist 2011 erstmals seit Jahren wieder gestiegen.
Selbst eine Weinbauministerin ist mittlerweile für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann profiliert sich als Kämpfer für mehr Verkehrssicherheit. Der sozialdemokratische Politiker will sich im Bundesrat für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer einsetzen. Für den 42-Jährigen ist Alkohol eine "legale Droge". Und diese hat "am Steuer nichts zu suchen", so Neumann zu AUTO BILD, "da muss man konsequent sein". In Hamburg war die Zahl der Alkoholunfälle 2011 auf 834 gestiegen – gegenüber 756 im Vorjahr. "Da lässt sich noch eine Menge bewegen", so der Senator, der so gut wie nie Alkohol trinkt. Bundesweit gesehen liegt Hochprozentiges vor Fahrtantritt dagegen im Trend. Während die Gesamtunfallzahl gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent abnahm, hat sich die der Alkoholunfälle 2011 um 6,1 Prozent erhöht.

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Die Weinbauministerin von Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfgen, ist für die Null-Promille-Grenze.

Jede Promillegrenze jenseits der 0,0-Marke ist für Neumann ein "fauler Kompromiss" und berge die Gefahr, dass Autofahrer sich an dieses Limit herantrinken. Das Prinzip "ein Bier geht noch" sei gefährlich, weil niemand genau abschätzen könne, wie viel Alkohol er danach im Blut hat und wie fahrtüchtig er noch ist. Eine Ansicht, die Experten teilen. Wer per Selbstdiagnose seine Fahrtauglichkeit errechne, sei "ein gedankenloser Spieler", so die Psychologin Birgit Scheucher in der "Süddeutschen Zeitung". Selbst die Weinbauministerin von Rheinland-Pfalz ist angesichts der hohen Unfallzahlen für 0,0 Promille. "Alkohol ist Schuld an jedem zehnten Verkehrstoten und jedem zwölften Schwerverletzten. Das ist definitiv ein Signal zum Umsteuern", so Ulrike Höfken (Grüne). Alkohol senke die Fahrtauglichkeit "vom ersten Schluck an, so die Grünen-Politikerin. "Als Landbewohnerin weiß ich, dass es auch bei uns möglich und üblich ist, mit Fahrgemeinschaften, Absprachen oder Holdiensten den Weg nach Hause zu organisieren." Mit Widerstand aus der Weinwirtschaft rechnet Höfken nur bedingt: "Die Winzer wollen sicher nicht mit schweren Verkehrsunfällen in Verbindung gebracht werden, sondern dass ihre Gäste nach Alkoholgenuss gut nach Hause kommen."

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist gegen ein totales Alkoholverbot am Steuer.

Dass eine Verschärfung des Limits durchaus etwas bringt, war 1998 zu beobachten. Die Summe der Alkoholunfälle verringerte sich nach Herabsetzung von 0,8 auf 0,5 Promille für Ordnungswidrigkeiten in diesem Jahr um 13, die der bei Alkoholunfällen Getöteten sogar um ganze 23 Prozent. Trotzdem blockt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) aus dem Bierland Bayern: "Wer unvernünftig ist, lässt sich von 0,0 Promille ebenso wenig abschrecken wie von 0,5 Promille." Ramsauers Parteifreund, der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, hatte 2008 sogar gesagt: "Wenn man zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist es noch möglich, Auto zu fahren."

Autor: Claudius Maintz

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