Audi A7/Mercedes CLS/Porsche Panamera: Coupés — 20.05.2011
Sechs and the City
Sechs ist nicht gleich Erotik. Doch was Audi A7 Sportback, Mercedes CLS und Porsche Panamera an Zylindern fehlt, machen sie mit Charme wett. Eine nächtliche Romanze in der Großstadt.
Überblick: Alle News und Tests zum Audi A7
Nicht in Stimmung? Moment: Großstadt, morgens um drei. Laternen tunken die Straßen in sanftes Orange, durchs spaltbreit geöffnete Fenster weht der eiskalte Atem einer klaren Februarnacht, nebenan bummelt die letzte Tram Richtung Depot, kleine Bars spucken Gutgelaunte in die Finsternis, während sich die faltenfreie Silhouette des A7 entspannt stadtauswärts räkelt. Tasten, Anzeigen und Regler tupfen sich als Lichtspiel ins nächtliche Cockpitpanorama, durch die B&O-Anlage tröpfelt feines Easy-Listening, der Wählhebel des Doppelkupplers lehnt im D-Programm, und vorne döst der Dreiliter bei zwölfhundert Touren vor sich hin. Kein Stress, keine Hektik, keine Ampeln. Autofahren als Mixtur aus Höhepunkt und Zigarette danach. Erotisierend, entschleunigend und derart stimmungsvoll, dass es eigentlich eine Schande ist, dass wir jetzt über Technik reden müssen. Über Dinge wie die Aluminium-Hybridbauweise der Karosserie, mit der sich der A7 jene Pfunde von der Rohkarosse schabt, die er sich durch seine üppige Ausstattung gleich wieder draufspachtelt.Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes CLS
Über den Dreiliter-Direkteinspritzer, der sich von der S-tronic entweder eilig an die langen Übersetzungen weiterreichen lässt oder flockig hochdreht und die Wartezeit bis Tempo 200 per Kompressor auf 23 Sekunden verdichtet; oder auch über das modernisierte Quattro-System mit Kronenrad-Mittendifferenzial, dessen spezielle Zahnradgeometrie dafür sorgt, dass die Grundverteilung des Antriebsmoments zugunsten der Hinterachse ausfällt. Doch der Audi ist keiner, der für jede Fahrt zum Bäcker erst mal konfiguriert werden will. Seine Elektronik arbeitet weitgehend inkognito, verstrickt die variablen Kennlinien von Lenkung, Motor und Getriebe je nach Fahrstil und zieht sich erst dann aus der Regie zurück, wenn der Pilot seine eigenen Setup-Vorstellungen über das Drive-Select-Pult in die Blackbox programmiert. Überhaupt wirkt alles bis in die hinterste Dachhimmelfaser durchtechnologisiert: Relevante Infos werden hochauflösend und farbig in die Frontscheibe projiziert; die Buchstaben fürs Reiseziel lassen sich mit der Fingerkuppe auf ein Touchpad kritzeln; der Tempolimitassistent interagiert mit Funkuhr und Regensensor, sodass zwischen generellen und situativen Tempolimits – etwa bei Nacht oder Nässe – unterschieden werden kann.Und drinnen irgendwo zwischen umherhetzenden Bits und Bytes sitzt der Mensch wie ein analoges Relikt in einer digitalisierten Welt und fragt sich ernsthaft, wie Autofahren überhaupt möglich war, damals, als man noch selbst auf die Idee kommen musste, das Licht einzuschalten, wenn es dunkel wurde. Auch der Mercedes gibt sich allergrößte Mühe, seinen Piloten möglichst nicht mit Autofahren zu belästigen. Wie der Audi tastet er vorm Spurwechsel die toten Winkel ab, stupst einen bei versehentlichem Überqueren der Fahrbahnmarkierung mit einem zarten Lenkimpuls wieder in die Spur zurück, leitet im Ernstfall eine Vollbremsung ein oder sucht sich selbst die passende Parklücke aus, um seine knapp fünf Meter dann automatisch hineinzuwinden. Doch so gut das alles auch gemeint sein mag, wirklich antörnend ist es nicht.
Ohnehin hat sich der Sex-Appeal des CLS mit der Zeit etwas zurückgebildet. Ihm fehlt dieser Aha-Effekt der ersten Generation, dieses Frivole, das sich einst wie ein Playboy-Bunny aus einer streng katholischen Modellfamilie erhob. Kritiker schimpfen den Neuen den Vorgänger seines Vorgängers, Traditionalisten begrüßen die Rückkehr zur barocken Züchtigkeit vergangener Tage, und allen Objektiven bleibt sowieso nichts anderes übrig, als ihn als das zu verstehen, was er schon immer war. Die Reizwäsche-Version eines der besten Autos der Welt. Doch obwohl der CLS mitsamt seiner E-Klasse-Verwandtschaft im Zuge des Modellwechsels ein ganzes Stück Richtung Dynamik rutschte, das Ansprechverhalten seiner Lenkung nun weitaus enger um die Mittellage zurrt und mit seinem 3,5-Liter-Sauger spürbar leichtfüßiger übers Drehzahlband trabt, bleibt er einer, der sich lieber in sanfte Bögen schmust, als sich von schnellen Wechseln herumwerfen zu lassen.
Mehr Details zur nächtlichen Ausfahrt mit Audi A7, Mercedes CLS und Porsche Panamera gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Details und Tabellen finden Sie in AUTO BILD SPORTSCARS 6/2011 oder als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Audi | Mercedes | Porsche |
|---|---|---|---|
| Motor | V6, Kompressor | V6 | V6 |
| Einbaulage | vorn längs | vorn längs | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 2995 cm³ | 3498 cm³ | 3605 cm3 |
| Bohrung x Hub | 84,5 x 89,0 mm | 92,9 x 86,0 mm | 96,0 x 83,0 mm |
| Verdichtung | 10,3:1 | 12,0:1 | 12,5:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 220 (300)/5250–6500 | 225 (306)/6500 | 220 (300)/6200 |
| Literleistung | 100 PS/Liter | 87 PS/Liter | 83 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 440/2900–4500 | 370/3500–5250 | 400/3750 |
| Antriebsart | Allrad | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung | 7-Stufen-Automatik | 7-Gang-Doppelkupplung |
| Bremsen vorn | 365 mm (innenbel.) | 322 mm (innenbel./gelocht) | 390 mm (innenbel./gelocht) |
| Bremsen hinten | 330 mm (innenbel.) | 300 mm (innenbel.) | 350 mm (innenbel./gelocht) |
| Radgröße vorn/hinten | 9 x 19 | 8,5 x 19 / 9,5 x 19 | 9,5 x 20 / 11 x 20 |
| Reifengröße vorn/hinten | 255/40 R 19 | 255/35 R 19 / 285/30 R 19 | 255/40 R 20 / 295/35 R 20 |
| Reifentyp | Bridgestone Potenza S001 AO | Pirelli P Zero MO | Michelin Pilot Sport PS2 NO |
| Länge/Breite/Höhe | 4969/1911/1420 mm | 4940/1881/1416 mm | 4970/1931/1418 mm |
| Radstand | 2914 mm | 2874 mm | 2920 mm |
| Tankvolumen | 75 l | 59 l | 80 l |
| Serienfahrzeug ohne Extras | 58.600 Euro | 64.617 Euro | 75.899 Euro |
| Messwerte | Audi | Mercedes | Porsche |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0– 50 km/h | 1,9 s | 2,5 s | 2,0 s |
| 0– 80 km/h | 4,0 s | 4,6 s | 4,1 s |
| 0–100 km/h | 5,8 s | 6,3 s | 5,9 s |
| 0–130 km/h | 9,1 s | 10,1 s | 9,6 s |
| 0–160 km/h | 13,8 s | 15,0 s | 14,6 s |
| 0–180 km/h | 17,7 s | 19,4 s | 19,1 s |
| 0–200 km/h | 23,0 s | 24,3 s | 24,8 s |
| Viertelmeile | |||
| 0–402,34 m | 13,94 s | 14,64 s | 14,23 s |
| Höchstgeschwindigkeit | |||
| Herstellerangabe | 250 km/h (abgereg.) | 250 km/h (abgereg.) | 259 km/h |
| Zwischenspurt | |||
| 60–100 km/h | 3,2 s | 3,3 s | 3,4 s |
| 80–120 km/h | 4,0 s | 4,2 s | 4,1 s |
| Bremsweg | |||
| 100–0 km/h kalt (Verzögerung) | 34,5 m (–11,2 m/s²) | 35,9 m (–10,7 m/s²) | 33,5 m (–11,5 m/s²) |
| 100–0 km/h warm (Verzögerung) | 34,1 m (–11,3 m/s²) | 33,9 m (–11,4 m/s²) | 34,3 m (–11,2 m/s²) |
| Testverbrauch | |||
| Ø auf 100 km | 13,5 l Super | 10,2 l Super | 12,5 l Super Plus |
| Reichweite | 560 km | 580 km | 640 km |
| Leergewicht | 1911 kg | 1754 kg | 1863 kg |
| Leistungsgewicht | 6,4 kg/PS | 5,7 kg/PS | 6,2 kg/PS |
| Zuladung | 424 kg | 466 kg | 502 kg |
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Kommentare zum Artikel (74)
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Sind alle 3 geniale Autos, ich würde eher zu Mercedes tendieren da ich mit Mercedes schon gute Erfahrungen gemacht habe und der CLS auch schick aussieht. Aber der Porsche und der Audi sind auch jeden Cent wert. Bei den Dreien entscheidet letzten endes der persönliche Geschmack.
Aber wie erwähnt, hier entscheidet jeder selbst, welcher der Richtige ist.
Aber Mercedes als "Altherrenfahrzeug", die Zeiten sind endgültig vorbei.
@Phil: Ich muss dir zustimmen, der XF wäre noch viel eher mit diesen "Viertürigen Coupés" (Wiederspruch in sich) zu vergleichen als mit Audi A6/5er/E-Klasse.
MfG, Voisin_V12
Anm,: 600 Zeichen sind zu wenig...
Für mich ist der Mercedes CLS der Gewinner, weil er am meisten drauf hat, von entspanntem Gleiten bis hin zum sportlichen Sprint auf 100 km/h bzw. in der Stadt auf bis zu 50. Der Audi A7 mit Abstand dahinter, weil der mehrverbrauch von ~3 l/100 km einfach nicht akzeptabel ist. Und der Porsche ganz knapp dahinter, weil ihn Federung und ganz allgemein Komfort zurückfallen lassen.
(Fortsetzung nächster Kommentar)
Vom Design her finde ich alle drei gelungen, wobei mir persönlich der CLS am besten gefällt, er wirkt am hermonischsten. Sowohl Porsche als auch Audi sehen ein ganz klein bisschen gewöhnungsbedürftig aus, das Heck des Audi hätten die Designer wesentlich eleganter hinbekommen können. Der Panamera ist ebenfalls etwas...unelegant designt, speziell gegen's Heck hin.
(Fortsetzung nächster Kommentar)
Dass der audi besser Sprintet und mehr Verbraucht liegt schlicht und einfach am Allradantrieb. Einerseits unfair den anderen beiden gegenüber, aber auf der anderen Seite ist Audi wieder selbst Schuld, dass sie nur einen allradgetriebenen A7 zur verfügung stellen, wenn dieser um so vieles mehr verbraucht als die Konkurrenz. Umso schlimmer finde ich es, dass dieser Mehrverbrauch im Artikel kaum erwähnt wird, wo doch in jedem anderen Vergleichstest sofort gemeckert wird, sobald eines der Testobjekte auch nur einen halben Liter mehr verbraucht.
(Fortsetzung nächster Kommentar)