Audi TT RS/BMW 1er M Coupé/Cayman R: Test — 16.05.2011

Trio Infernale

Fahrspaß braucht keine exorbitanten Leistungsdaten. Ein tolles Fahrwerk und möglichst wenig Gewicht reichen aus für einen Platz im Sportfahrerhimmel – wie Audi TT RS, Porsche Cayman R und BMW 1er M Coupé beweisen.

Manche Autos werfen ihre Schatten weit voraus. Als BMW sein 1er Coupé vorstellte und einige Zeit später den 135i nachlegte, wartete man gespannt auf eine M-Version des potenten Münchners. Einerseits, weil BMW mit einem Performance Package inklusive Tieferlegung, Schaltwegeverkürzung und Schalensitzen nicht nur sportliche Glut entfachte und das Potenzial eines richtig heißen 1ers eindrucksvoll unter Beweis stellte. Zum anderen, weil – Hand aufs Herz – der aktuelle M3 mit V8-Motor den M3-Puristen ein paar wehmütige Tränen ob des Verlusts des grandiosen Reihensechsers in die Augen trieb. Und sich auch gewichtsmäßig immer weiter von der reinen Lehre verabschiedete.

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Video: Porsche Cayman R

Sportgerät mit 330 PS

Manche Porsche-Puristen beklagen Ähnliches, schließlich geht auch der 911 Carrera seit Jahren seinen Weg zu immer größerer, ja fast beängstigender Perfektion. Ob und wie viel dabei auf der Strecke geblieben ist, ist sicherlich Geschmacksache. Doch ist es auch kein Geheimnis, dass sich ein Cayman näher am ungefilterten Fahrspaß bewegt, als es ein Elfer tut – sieht man von den GTs einmal ab. Zwei kleine Brüder also, die in die Fußstapfen der legendären Erstgeborenen treten. Unter anderem Namen zwar, aber dafür mit umso mehr Elan. Und das in einem Preisbereich, der zwar auch immer noch recht happig ist, aber sich nicht komplett in Sphären bewegt, die für Durchschnittsbürger völlig abgehoben sind. Das gilt uneingeschränkt für das 1er M Coupé, für das BMW 50.500 Euro aufruft. Beim Cayman R sind zwar satte 69.830 Euro fällig, doch ist der Abstand zum "Basis"-Elfer ähnlich groß wie zwischen 1er M Coupé und dem M3. Wie groß der Elan – und das Vermögen – tatsächlich ist, zeigt sich beim Familien-Vergleich der Rundenzeiten zwischen großen und kleinen Brüdern.

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Audi TT RS-Rakete

Der neueste Audi TT

Nicht mal ein Wimpernschlag trennt das 1er M Coupé vom 80 PS stärkeren M3 auf dem Sachsenring. Ebenso eng geht es auf der Rennstrecke zwischen Cayman R und dem betont sportlichen 911 Sport Classic zu. Auch der Audi müsste keinen internen Vergleich scheuen, denn auch er braucht auf dem Sachsenring nur eine Sekunde länger als ein R8 V10. Doch ein "kleiner Bruder" des R8 ist der TT RS sicher nicht. Sein charakteristisches Merkmal, den turbogeladenen Reihenfünfzylinder, findet man, wenn man sich in der sportlichen Geschichte von umsieht: Sport- und Ur-quattro heißen die beiden Vorfahren aus den Achtzigern, die den Fünfzylinder berühmt gemacht haben. Und der im heutigen TT RS mehr leistet, als im Sport quattro (306 PS), dem damals stärksten Serienauto made in Germany. Gemein ist dem Trio Infernale das Ziel, ein Maximum an sportlichem Fahrspaß zu bieten, ohne die Alltagstauglichkeit einzuschränken. Zwar muss sich der Fahrer auf straffe Fahrwerke einstellen, doch als zu hart wird man keinen der drei empfinden.

Falls ja, kann man in allen drei Fällen auf ein weniger sportlich ausgeprägtes Modell zurückgreifen: TT S, 135i oder Cayman S. Während BMW und Porsche ausschließlich auf konventionelle Sportfahrwerke setzen, ist für den TT RS gegen Zuzahlung von 1100 Euro ein aktives Fahrwerk mit zwei Grundeinstellungen (Normal und Sport) zu haben, das eine Wahlmöglichkeit bietet. Auch bei der Motorisierung gehen die drei unterschiedliche Wege. Der Cayman mit seinem Boxer-Saugmotor ist der drehzahlhungrigste, ohne jedoch bei niedrigen Touren zu träge zu sein. Dass er bei der Durchzugskraft gegen die beiden aufgeladenen Motoren den Kürzeren zieht, ist verschmerzbar. Denn Porsches Reptil verwöhnt je mehr mit Schub, desto höher die Drehzahlnadel steigt. Da das Ganze noch eine sich furios steigernde Soundentwicklung begleitet, wird man den Cayman R, der im Vergleich zu seinen zivileren Brüdern 55 Kilogramm weniger wiegt und 10 PS mehr leistet, öfter als unbedingt nötig in Richtung Begrenzer treiben. Weil's einfach Spaß macht, das Boxer-typische Klangbild über die Drehzahlskala zu verfolgen.

Weitere Details zu den drei Sportcoupés gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen lesen Sie in AUTO BILD SPORTSCARS, Ausgabe 6/2011.
Fahrzeugdaten Audi BMW Porsche
Motor R5, Turbo R6, Biturbo B6
Einbaulage vorn quer vorn längs Mitte hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Hubraum 2480 cm³ 2979 cm³ 3436 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 84,0 x 89,6 mm 97,0 x 77,5 mm
Verdichtung 10:1 10,2:1 12,5:1
kW (PS) bei 1/min 250 (340)/5400–6500 250 (340)/5900 243 (330)/7400
Literleistung 137 PS/l 114 PS/l 96 PS/l
Nm bei 1/min 450/1600–5300 450 (+50 Overboost)/1500–4500 370/4750
Antriebsart Allrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 370 mm/innenbel./gelocht 360 mm/innenbel./gelocht 318 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 310 mm/innenbelüftet 350 mm/innenbel./gelocht 299 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 9 x 20 9 x 19 – 10 x 19 8,5 x 19 – 10 x 19
Reifengröße vorn – hinten 255/30 R 20 245/35 R 19 – 265/35 R 19 235/35 R 19 – 265/35 R 19
Reifentyp Continental SportContact 5P RO1 Michelin Pilot Sport PS2 Bridgestone Potenza RE 050 A N-1
Länge/Breite/Höhe 4198/1842/1342 mm 4380/1803/1420 mm 4347/1801/1286 mm
Radstand 2468 mm 2660 mm 2415 mm
Tankvolumen 60 l 53 l 54 l
Serienfahrzeug ohne Extras 56.750 Euro 50.500 Euro 69.830 Euro
Messwerte Audi BMW Porsche
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,7 s 1,8 s 1,9 s
0–100 km/h 4,6 s 4,7 s 4,9 s
0–130 km/h 7,3 s 7,2 s 7,7 s
0–160 km/h 10,6 s 10,3 s 10,8 s
0–200 km/h 16,1 s 16,8 s 16,9 s
Viertelmeile
0–402,34 m 12,86 s 12,99 s 13,04 s
Höchstgeschwindigkeit
Herstellerangabe 280 km/h (1600 Euro) 250 km/h (abgeregelt) 282 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 3,9 s 4,0 s 5,0 s
80–120 km/h im 5. Gang 4,7 s 4,6 s 6,3 s
80–120 km/h im 6. Gang 5,9 s 5,9 s 7,7 s
Bremsweg
100–0 km/h kalt (Verzögerung) 34,8 m (–11,1 m/s²) 34,8 m (–11,1 m/s²) 33,9 m (–11,4 m/s²)
100–0 km/h warm (Verzögerung) 35,3 m (–10,9 m/s²) 34,6 m (–11,1 m/s²) 35,4 m (–10,9 m/s²)
200–0 km/h warm (Verzögerung) 138,7 m (–11,1 m/s²) 134,4 m (–11,5 m/s²) 139,4 m (–11,1 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,7 l Super Plus 10,9 l Super Plus 11,1 l Super Plus
Reichweite 510 km 490 km 490 km
Leergewicht 1468 kg 1507 kg 1342 kg
Leistungsgewicht 4,3 kg/PS 4,4 kg/PS 4,1 kg/PS
Zuladung 382 kg 393 kg 303 kg


Ralf Kund

Fazit

Aus dem Stand aufs Treppchen: Das 1er M Coupé hält, was man erwartet – oder gehofft – hat. Das Fahrwerk ist grandios und erlaubt Rundenzeiten auf M3-Niveau – Chapeau. Etwas mehr Leistung, das Fahrwerk würde es vertragen, und der BMW spielte auch bei den Rundenzeiten weiter vorn mit. Das bleibt weiterhin die Domäne des Porsche, wie der Cayman R mit lasziver Mühelosigkeit wieder einmal unter Beweis stellt. Längsdynamisch am kräftigsten und auch sonst recht makellos zeigt sich der TT RS. Insgesamt: drei anmachende Spaßgranaten.

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Kommentare zum Artikel (104)

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Inhalt

Funktion

herbert
22.05.2011, 10:57Uhr

Schweres Heck, Sperrdifferential auf Heck, dann noch DSC aus, da kommst du quer. Die Tester beabsichtigen das aber auch, macht ja auch Spaß (TT untersteuert dagegen, wie ein Minivan, klingt hart, ist aber so). Normalerweise kommt das Heck nicht so leicht und man kann es gut mit dem Gas beherrschen. Natürlich, ein mitlenkendes Heck ist Sportlichkeit, denn so gehts schneller um die Kurven. Ein untersteuerndes Auto schiebt aus der Kurve, vergrößert den Radius und benötigt mehr Zeit.
Der BMW ist kein Anfängerauto mit Idiotenautomatik, gut so!

psa_konzern
22.05.2011, 10:02Uhr

Warum sieht man den 1er M Stufenheck mit 2 Türen in allen Tests quer fahrend? Bedeutet schleudern Sportlichkeit? Wer tut sich im Alltag so ein Fahrverhalten freiwillig an?

GT
21.05.2011, 12:34Uhr

Wie die ganzen Audi Fans versuchen den BMW klein/schlecht zu reden.
Der BMW ist ein klassisches Coupe, ähnlich wie der TT. Ein Coupe kann man halt verschieden interpretieren und es muss keine Uniform sein. Nur ich weigere mich 4 Türer als Coupe zu bezeichnen.
Der Vergleich Z4 und TT passt auch nicht, weil diese eine Klasse unterschied haben.
Z4: 3er Basis TT: Golf Basis

herbert
19.05.2011, 20:11Uhr

Der 1er ist kein Coupe, sondern eine "Stufenheck" Version des 1er. Coupe klingt halt besser :-D Der Ausbau hinten bringt mehr Gewicht auf die Hinterachse, deswegen. Im Schrägheck 1er gibt daher keinen 35er Motor, nur bis 30er (265PS glaub).
TT ist ein Sportwagen, 1er ist für mich Kompaktklasse. Aber ist ein nettes Understatement :-D

Soeren
19.05.2011, 19:41Uhr

Aus meiner Sicht mag man einen TT und 1er ruhig beide Coupe nennen, aber sie unterscheiden sich dennoch erheblich.
Der 1er entspricht A3, Golf, Focus, etc. in der ungefähren Fahrzeugform, Innenraumgröße, Rückbank, Kofferaum, etc.

Der TT hat Notsitze hinten. Wie auch bei manchem Porsche 2+2 Modellen kann dort bei normaler Sitzposition der Vordersitze hinten nicht einmal ein Kind sitzen...

TT, Carman, Boxter, etc, entsprechen bei BMW dem Z4. Das wäre der richtige Vergleich.

Einfach mal in 1er und TT reinsetzen... das öffnet die Augen.

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