Härtetest BMW 525d Touring

Mit dem BMW 525d Touring zum Nordkap Mit dem BMW 525d Touring zum Nordkap

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest BMW 5er

— 19.09.2005

Außer Spesen nichts gewesen

Der Fünfer-BMW ist vor allem bei Langstrecken-Fahrern sehr beliebt. Warum das so ist, wollten wir ausprobieren. Und sind mal schnell zum Nordkap gefahren.

500 Liter Stauraum und ein Notzelt

Es fing nicht gut an: Drei Tage vor unserem geplanten Start in Richtung Nordkap meldete die Reifendruck-Kontrollanzeige des Fünfers plötzlich einen Druckverlust. Also hin zur Tanke und erst einmal manuell nachgemessen. Ergebnis: Alles in Ordnung. Die Anzeige blieb davon jedoch unbeeindruckt und meldete weiter einen Fehler. Wir riefen einen Händler an. "Sie müssen das System neu initialisieren." Taten wir, und fortan war Ruhe. Kein Einzelfall, wie auch einige Leserzuschriften bestätigen. Doch es sollte der einzige richtige Aussetzer im Vorfeld und während der vor uns liegenden 3646 Kilometer oder vier Tage langen Nordkap-Tour bleiben.

Montag, 6 Uhr: Wir beladen den 500 Liter großen Kofferraum, inklusive Zelt für den Notfall, daß im hohen Norden kein Quartier mehr zu finden ist. Das Öffnen und Schließen des Heckabteils funktioniert elektrisch auf Knopfdruck (Aufpreis 690 Euro). Feine Sache, denken wir und schließen das Heckabteil. Als wir rückwärts aus der Parkbucht fahren wollen, die Überraschung: Zwar schließt die Heckklappe automatisch, das Gepäckrollo bleibt jedoch oben und muß manuell in Position gebracht werden. Ein Handgriff, den wir während der nächsten Tage noch oft vergessen werden. Und der wegen der billig wirkenden Führung des Rollos etwas mehr Aufmerksamkeit erfordert, als man dies von einem Premium-Produkt erwartet. Auch ein Punkt, der sich in vielen Leserzuschriften findet.

Den Komfortsitz (Aufpreis 1950 Euro) für die vor uns liegende Autobahnetappe einzustellen, ist dagegen ein reines Vergnügen. Länge, Höhe, Lehnenneigung und Oberschenkelauflage lassen sich elektrisch in diesem BMW ebenso optimal einstellen wie die Lage einer verstellbaren Lordosenstütze und die aufblasbare Lehnenbreite für guten Seitenhalt. Auch die den Kopf stabilisierenden seitlichen Klappflügel der Kopfstütze werden wir noch schätzenlernen. Ein größeres Manko entdecken wir, als es ums Verstauen der Reiseutensilien wie Karte, Block, Stift, Geld für Maut, Mobiltelefon oder Sonnenbrille geht: Der Fünfer bietet zu wenig Ablagen. Also stopfen wir alles in die Türtaschen und fluchen in den nächsten Tagen über die umständliche Kramerei.

2500 Kilometer lang nur Tempo 100

Auf der ersten Etappe zur Nachtfähre nach Frederikshavn kann der 525d mit Automatikgetriebe (Aufpreis 2100 Euro) zum ersten und letzten Mal zumindest bis Dänemark seine Autobahnqualitäten bei höherem Tempo zeigen. Der kultiviert laufende Sechszylinder-Reihenmotor mit 177 PS harmoniert vorzüglich mit der Sechsgangautomatik, die spätestens beim ersten, staubedingten Stop-and-go-Verkehr ihren Vorteil ausspielt.

Der Geradeauslauf, die feinen Komfortsitze und die für Autobahntempo nicht zu direkte Lenkung (braucht man wirklich die Aktivlenkung?) mit dem etwas dicken Lederlenkrad tragen ihr Teil dazu bei, daß wir nach 1200 Kilometern recht entspannt aussteigen. Als feine Sache erweist sich auf den limitierten Autobahnen Dänemarks und während der folgenden Tage in Norwegen der serienmäßige Tempomat. Vor allem, weil er sich durch unterschiedlich starken Druck auf den Lenkstockhebel in Zehner- und Einerschritten justieren läßt und das vorgewählte Tempo im Tacho anzeigt. Nur das etwas forsche Ansprechen des Motors, wenn man etwa per Tempomat das Tempo von 80 auf 120 km/h erhöht, müßte nicht sein. Will man schnell beschleunigen, macht man das ohnehin über das Gaspedal.

Nach der eher beschaulichen Fahrt durch Dänemark (Höhepunkt: ein mit vier langhaarigen Headbangern besetzter Opel Ascona, der außen komplett mit Kuhfell überzogen war), der Nacht auf der Fähre (Höhepunkt: Praktikant Manuel Iglisch will nach dem Ablegen noch "schnell mal das Auto umparken") und dem 15-minütigen Touchdown in Oslo sind wir recht gespannt, was uns auf der weiteren Strecke Richtung Norden erwartet. Ziemlich schnell wird klar, daß wir während der nächsten fast 2500 Kilometer kaum schneller als 80 bis 100 km/h fahren können. Ein kurzes Autobahnstück endet nicht weit hinter Oslo, danach kommen nur noch mit Starenkästen gespickte Landstraßen. Und da sich die Einheimischen fast sklavisch an die Tempolimits halten, machen wir es genauso.

Endlose Wälder, Orte ohne Namen

Unser nächstes geplantes Anlaufziel nach Oslo ist Lillehammer, wo 1994 die Olympischen Winterspiele stattfanden. Doch in der Gegend des Mjøsa-Sees lotst uns das Navigationssystem von der E6 weg auf die laut Karte weniger gut ausgebaute E3. Wir beschließen, dem Navi zu vertrauen, und lassen Lillehammer links liegen, zumal wir noch kein Gefühl dafür haben, wie viel wir auf diesen Straßen pro Tag schaffen können.

Eine weise Entscheidung, denn hinter Elverum wird Norwegen immer mehr so, wie wir uns das vorgestellt hatten: Malerische Flußläufe, endlose Wälder wechseln sich mit sanften, grasbewachsenen Hügeln ab, und alle 20 bis 30 Kilometer einmal eine winzige Siedlung. "Hier gibt es nicht mal Ortsnamen", notiert Fotografin Lena Barthelmeß, und: "Wo gehen die Leute nur einkaufen?" Etwa 130 Kilometer vor Trondheim fahren wir durch eine bezaubernde Hochmoorlandschaft – die Temperatur steigt. Als wir um 17.30 Uhr Trondheim erreichen, hat es 28,5 Grad. Es wird doch mit der serienmäßigen Klimaautomatik kein Problem sein, eine konstante Temperatur von 22 bis 23 Grad einzustellen?

Ist es auch nicht, nur heizt die extrem starke Sonne den BMW-Innenraum so kräftig auf, daß die Klimaanlage mit gefühlsmäßig eiskalter Luft gegensteuert. Unangenehm im Bereich der Mittelausströmer, so daß wir häufig nachregeln müssen. Am dritten Tag starten wir früh von Grong, wo wir die erste taghelle Nacht verbracht haben. Das Navi zeigt noch 1422 Kilometer auf der E6 bis zum Nordkap – das sollte bis zur Mittagszeit des nächsten Tages zu schaffen sein. Je weiter nördlich wir kommen, desto kurviger werden die Straßen. Einerseits ein Lustgewinn, denn auch hier kann der straff abgestimmte Fünfer mit dem Dynamic-Drive-Fahrwerk (2300 Euro) punkten und bereitet so, für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse (1760 kg ohne Extras), auch in bergigeren Gefilden noch ein gerüttelt Maß an Fahrspaß. Doch die Zeit wird knapper.

Nordkap: Szenario für einen Endzeitfilm

Erst gegen 14 Uhr erreichen wir die erhaben weitläufige Hochebene des Polarkreises – und haben noch 1061 Kilometer bis zum Kap. Zwar werden die Starenkästen weniger, je weiter in Richtung Norden wir kommen. Aber wir halten uns dennoch genau an die vorgegebenen Limits. Die überall stehenden Elch-, Schaf- und später auch noch Rentier-Warnschilder mahnen zu vorsichtiger Fahrweise.

Und die jetzt immer häufiger möglichen Blicke auf die von schneebedeckten Bergen eingerahmten Fjorde unter strahlend blauem Himmel wollen wir zumindest im Vorbeifahren kurz genießen. Unser Tag endet in Setermoen, wo es um 21 Uhr noch 25 Grad hat und uns Myriaden von Stechmücken zusammen mit dem Motorengeheul der nachtaktiven Dorfjugend die taghelle Nacht versüßen. Dennoch kommt keine Ermüdung auf, als wir uns am nächsten Tag wieder ins Auto setzen. Bislang hat noch niemand Rückenprobleme – die Komfortsitze des Fünfers tragen ihren Namen wirklich zu Recht. Trotzdem herrscht jetzt ein Wunsch vor: endlich ankommen. Ein letzter Tankstopp in Alta, ein kurzer Abstecher nach Hammerfest, endlich liegt bei Smørfjord die Landzunge vor uns, die am Nordkap endet.

Wir verabschieden uns von der E6, die wir seit Trondheim nicht mehr verlassen haben, und nehmen die letzten paar Kilometer Asphalt unter die Räder. Das Klima wird spürbar rauher, die Sitzheizung (Serie bei Ledersitzen) kommt zum ersten Mal zum Einsatz, und die karge, moos- und flechtenbedeckte Landschaft wirkt wie das Szenario für einen Endzeitfilm. Wir erreichen den nördlichsten Punkt unserer Reise, das unwirklich erscheinende Licht der schon tief stehenden Sonne taucht das Meer in metallische Grautöne. Leicht nachvollziehbar, daß unsere Vorfahren hier das Ende der Welt vermuteten. PS: Gesamt-Abschluß bei Ankunft Schwabach nach 7333 km: 561,31 Liter Diesel (ø 7,65 Liter/100 km), kein Ölverbrauch.

Fazit und Qualitäts-Check

Nach der Mammut-Tour zum Nordkap ist klar: Der BMW 525d ist ein Langstreckenläufer erster Güte. Der Sitzkomfort ist hervorragend, und der kultivierte Sechszylinder-Diesel läßt sich sogar vergleichsweise sparsam fahren. Nur im Detail erreicht der hochpreisige Bayer nicht ganz Premiumniveau.

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Das sagen BMW 5er-Besitzer

Dr. Andreas Irmer, 525d Touring: Ich fahre meinen zweiten E60 als Dienstwagen. Bei der Motorisierung bin ich vom 530d auf den 525d umgestiegen, der für das Fahrzeug nach meiner Meinung unterdimensioniert ist und gequält wirkt. Ansonsten ist für mich der 5er BMW bisher das beste Dienst-Reise-Familien-Sport-Fahrzeug, das ich je hatte. Mit folgenden Abstrichen: Der Fenster-Einklemmschutz meldete sich innerhalb von drei Monaten dreimal als defekt. Störend: die lauten Pfeifgeräusche bei Geschwindigkeiten über 200 km/h. Den Komfort der Standardsitze empfinde ich als nicht ausreichend. Das Material der Beleuchtungseinheiten am Dachhimmel wirkt billig. Zudem war der Schließmechanismus der Verkleidungselemente im Kofferraum bereits nach 4000 km defekt. Ansonsten erhält der 5er für die Kernelemente Motor, Fahrwerk, Getriebe, Bremsen von mir Bestnoten.

Marcus Anton, 525d Touring: Meine Erfahrungen nach 10.000 km: Die Verarbeitung ist gut; bis auf eine nachgestellte Türdichtung keine Mängel. Sehr positiv: das Fahrverhalten (sportliches Einlenkverhalten, sportlich-komfortable Federung). Zudem gute Fahrleistungen bei sehr guter Laufruhe und einem Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern bei überwiegend flotter Autobahnfahrt und geringes Geräuschniveau. Auch das iDrive lernt man nach wenigen Kilometern intuitiv zu bedienen und zu schätzen. Und endlich mal ein aufgeräumtes Cockpit, dessen Design mit der Zeit gewinnt. Negativ dagegen: Die Gepäckraumabdeckung ist zu schwach ausgelegt und der Mechanismus nicht durchdacht.

Frank A. Schabert, 525d Touring: Seit dem 20. Dezember 2004 bin ich etwa 45.000 Kilometer gefahren, oft Vollgas. Technische Probleme gab es bisher nicht. Bemängeln will ich aber die teilweise schlechte Lackqualität (Steinschlagschäden auf Motorhaube und Dach), die teilweise unpraktische Bedienung des Navigationssystems (eingebenes Ziel läßt sich nur kompliziert wieder deaktivieren) und die unbrauchbare Einparkhilfe (spricht zu früh an, erkennt viele Hindernisse nicht). Außerdem fehlen Ablagen, um etwa einen Stift, Tank- oder Parkkarten griffbereit halten zu können.

Udo Lutz, 530d Touring: Von Anfang an nur Schwierigkeiten: Beim Schiebedach waren nach vier Monaten die Motoren eingerostet, so daß man es nur noch manuell schließen konnte. Für die Reparatur brauchte BMW drei Anläufe und zirka zwei Monate. Dann kam Feuchtigkeit ins Auto mit der Folge, daß das Notrufsystem aktiviert wurde und automatisch die Polizei alarmierte. Auch danach spielte die Elektronik regelmäßig verrückt und zeigte Fehler an, die es überhaupt nicht gab.

Lars Frese, 525d Touring: Aktivlenkung und Head-up-Display möchte ich nicht mehr missen. Das Fahrverhalten ist BMW-typisch sportlich, die Federung aber nicht zu hart. Der Motor ist bei höheren Drehzahlen durchzugsstark genug, bis 3000 Touren fehlt etwas Kraft. Verbrauch unter zehn Liter ist jederzeit drin, aber auch über 13 Liter. Fehler gab es bis jetzt nur mit der Reifendruckkontrolle. Unverschämt ist das Fehlen des Wagenhebers. Nicht jeder will sein Auto zum Reifenwechseln in die Werkstatt bringen. Ich kann mir zur Zeit aber kein besseres Auto vorstellen, eventuell nur einen anderen Motor, aber im Grunde reicht dieser.

Michael Bergemann, 525d Limousine: Ich fahre seit einem Jahr einen 525d als Limousine und muß sagen: geiles Auto. Speziell nach Langstrecken und mehreren Stunden hinter dem Steuer steige ich noch entspannt aus. Der Motor ist Spitze und fast ohne Turboloch. Die ständige Kritik an iDrive finde ich unangebracht. Sicherlich könnte man es mit einigen Shortcuts noch verbessern, aber ich komme damit super zurecht.

Joachim Ebert , 530d Touring: Fahrwerk und Maschine sind top! Wenn da nicht der Elektronikteufel wäre: Bislang wurden diverse Steuergeräte und Systeme getauscht. Nach etwa dem 20. Werkstattaufenthalt erklärte sich BMW bereit, den gesamten Kabelbaum auszutauschen. Bei dieser Störanfälligkeit ist der Preis für das deutsche "Premiumprodukt" eindeutig zu hoch.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den BMW 525d Touring. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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Autor: Ralf Kund

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