BMW 1er Dreizylinder

BMW 1er Dreizylinder: Fahrbericht

— 13.09.2012

Das ist der erste BMW-Dreizylinder

Ab 2013 lässt BMW einen Topf weg. Dann bringen die Münchner ihre Modelle auch mit Dreizylinder-Motoren auf den Markt. AUTO BILD hat das neue Downsizing-Triebwerk im BMW 1er schon mal ausprobiert.

Der 1er klingt im Stand seltsam hohl, fast unrund. Ansonsten unterscheidet diesen BMW nichts vom Serienauto, obwohl er doch die Zukunft der Marke unter der Haube trägt: den ersten Dreizylinder. Nur drei Pötte bei den Bayerischen Motorenwerken – verletzt das etwa das Reinheitsgebot für Triebwerke? Ist das nicht, als würde die Brezn künftig aus Presspappe gebacken? Die erste Probefahrt beginnt mit reichlich Magengrimmen.

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Unruhig klingt nur das Starten und der Leerlauf. Beim Druck aufs Gas legt der Dreizylinder ordentlich los.

Ungewöhnlich klingen jedoch nur das Starten und der Leerlauf, von außen übrigens auffälliger und lauter, als es der Fahrer drinnen mitkriegt. Gibt der erst Gas, meldet sich das ungewohnte Motorprinzip nicht anders als bekannte Vierzylinder. Warum lassen die Bayern dann einen Topf weg? "Weil der Dreizylinder weniger innere Reibung produziert, im Vergleich leichter ist und Bauraum spart", erklärt Fritz Steinparzer, bei BMW Leiter der Ottomotoren-Entwicklung. Bleibt die Sache mit dem unrunden Lauf, daher eliminiert eine Ausgleichswelle das freie Massenmoment. Nur Bedenken kann der Schwingungstilger nicht killen. Das gelingt jedoch dem Prototypen, den BMW bereitgestellt hat.

Der Reiz am Geiz: Vergleich 1er/V40/Focus/cee'd

Die Entwickler geben zu, dass ein Klappenauspuff den Klang des Einzelstücks in Richtung Rock 'n' Roll trimmt.

Rund 180 PS leistet das handgeschnitzte Exemplar, und die sind ab Halbgas auch deutlich zu spüren. Dann legt der Drilling unter sportlichem Dröhnen, das manche Zuhörer halbstark finden, so richtig los. Zweifel am Sporttalent verfliegen schnell. Bis zu 6500 Touren dreht die Kurbelwelle, bevor das Achtganggetriebe die nächste Stufe einlegt. Beim Zurückschalten legt die Elektronik einen sportlichen Zwischengas-Huster ein – kennen wir von Porsche und Co. Später geben die Entwickler zu, dass ein Klappenauspuff den Klang des Einzelstücks in Richtung Rock 'n' Roll trimmt. Solche Tricks seien ihnen gestattet, BMW startet halt den ersten Versuch, die Ängste seiner Markenfans zu besänftigen.

Neue Motoren und Antriebe: Modellpflege XXL bei BMW

Die fürchten, mit einem Dreizylinder müssten sie am Stammtisch künftig die dummen Sprüche der Fahrer anderer Marken ertragen – womit sie als Weicheier gelten. Dabei spielen sie mit dem Spar-Motor ganz vorne bei der Musik mit. Auch Mercedes, Audi und VW werden mit aufgeladenen Hubraumzwergen nachziehen müssen, wollen sie die immer schärferen Abgasnormen erfüllen. BMW wird den 1,5-Liter-Benziner auf der IAA 2013 in Frankfurt vorstellen: als Teil des Hybridantriebs im Carbon-Sportler i8 und als quer eingebauten Frontmotor im Active Tourer. So heißt der erste Van von BMW, noch so eines der Tabus, die München gerade bricht.

Beim Dreizylinder können wir nach der ersten Probefahrt Entwarnung geben. Wie der Dreier von Ford fährt sich auch bei BMW das ungewohnte Bauprinzip erstaunlich flott und flüssig, und verlangt im Leerlauf nur ein wenig Gewöhnung an das leicht "kaputte Klangbild". Wenn das Serientriebwerk dann sein Sparziel erreicht, rund zehn Prozent weniger zu verbrauchen als ein gleich großer Vierzylinder, dann macht ein BMW sicher mehr Spaß als die meisten Hybriden. Dieser Dreizylinder jedenfalls trägt den weißblauen Propeller zurecht.
 

Autor: Joachim Staat

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