BMW 3er Cabrio (1993-2000)

Gebrauchtwagen BMW 3er Cabrio (E36) Gebrauchtwagen BMW 3er Cabrio (E36)

BMW 3er Cabrio (1993-2000)

— 25.02.2002

Der zieht einen aus!

Wer das BMW Cabrio begehrt, muß oft das letzte Hemd opfern. Der schöne Bayer steht hoch im Kurs, ist aber in Sachen Fahrfreude nach oben offen.

Verarbeitung und Technik

Aller guten Dinge sind drei – besonders beim Dreier-Cabrio, dessen Spaß-, Neid- und Preisfaktoren gleichermaßen hoch sind. Exzellente Fahreigenschaften, extrem niedriger Wertverlust und Extra-Blicke auf jeder Strandpromenade. Daran ändert auch der Spott eingefleischter Cabriofahrer nichts, der offene BMW sei nur eine aufgeschnittene Limousine. Der nackte Bayern-Beau ist auch in seiner zweiten Generation eine Klasse für sich und fast ohne Schönheitsfehler.

Zu den wenigen Schwächen des an sich verwindungssteifen BMW zählt ein dezentes Knistern der Karosse bei holpriger Strecke – der Preis fürs fehlende Dach und dessen stabilisierende Wirkung. Ansonsten aber leistet sich der 1500-Kilo-Bayer nur kleine Schwächen: gute Konservierung mit Ausnahme der Auspuffhalterungen, solides Verdeck bis auf die kratzempfindliche Plastikheckscheibe und nahezu perfekte Verarbeitungsqualität, abgesehen von inwendig beschlagenen Scheinwerfern.

Kleinigkeiten, denn Cabriofans sind am liebsten bei Sonnenschein unterwegs und lümmeln sich tief in die straffen Sitze. Die lassen sich sogar beheizen – meistens jedenfalls. Bei unserem Testauto quittierte die Sitzheizung bisher zweimal den Dienst. Auto Bild-Lesertester monieren zudem versagende Fensterheber, eine Zentralverriegelung mit Eigenleben und zickige Bordcomputer. Richtig anfällig ist die digitale Technik aber nur für Tachotrickser. Angesichts der erzielbaren hohen Preise scheuen sich einige Verkäufer nicht, ihren Langstrecken-Dreier kilometermäßig zu verjüngen. Deshalb Vorsicht, wenn Abnutzungserscheinungen an Pedalen und Lenkrad eine höhere als die abgelesene Laufleistung erahnen lassen oder das Scheckheft verschwunden ist. Zur Sicherheit immer den Vorbesitzer nach dem letzten Kilometerstand fragen.

Fahrwerk und Motor

Auch ein Blick auf die Radführungsgelenke vorn und die Radlager hinten kann nicht schaden. Vor allem an der Vorderachse klappert es gern mal. Ein seit Jahren bekannter Dreier-Mangel, der natürlich auch von der Laufleistung abhängig ist. Insofern können reine Sommerfahrzeuge mit wenig Kilometern noch unauffällig sein. Normalerweise sind Dreier-Cabrios aber auch gerne Erstfahrzeuge, also im täglichen Einsatz. Geschlossen sind selbst bis Tempo 200 Gespräche in Zimmerlautstärke möglich, offen lassen sich auch ohne Glatzenbildung 130 km/h fahren. Allerdings zwingt die flache Windschutzscheibe Sitzriesen in Deckung, und der Kofferraum fällt wegen des Cabrio-Deckels naturgemäß sparsam aus (230 Liter).

Alles andere als bescheiden sind die Fahrleistungen der sechs Motorvarianten. Nicht zu toppen ist der Sechszylinder im M3, ein 321-PS-Ungeheuer, das erst bei 250 Sachen elektronisch gezähmt wird. Kennern reicht der seidenweiche 2,8-Liter im 328i, der den 325i ablöste. Der neue Sechszylinder aus Aluminium ist bissiger und hängt markentypisch gierig am Gas. Seltenes Übel: Den 24-Ventilern reißen gelegentlich die Zylinderköpfe, ein altes BMW-Leiden, das schon der E30 hatte. Dem 318i fehlen zwar zwei Zylinder gegenüber seinen Geschwistern, ohne aber langweilig zu werden. Der Kleine ist kräftig, drehfreudig und besticht mit Laufkultur und geringem Verbrauch (10,3 Liter). Deshalb zählt er neben dem 320i zu der beliebtesten Motorisierung.

Kein Wunder, daß besonders das 115-PS-Cabrio hoch gehandelt wird. Die Baujahre 94/95 sind fast nicht zu bekommen oder völlig überteuert. Kaum günstiger sind die kostspieligen Sechszylinder, die meist mit Vollausstattung glänzen. Aber sogar solche Exemplare lassen sich Dreier-Fans das letzte Hemd kosten: Erst oben ohne kommt die große Freude am Fahren.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 4/93 Neuauflage des Cabrios auf Basis des Coupés (E36); zuerst nur als 325i mit 2,5-Liter-Maschine und 192 PS 11/93 zweites Modell: 320i, Zweiliter-Sechszylinder, 150 PS 3/94 kleinste Variante: 318i mit 115 PS für 53.500 Mark 4/94 stärkste Version wird der M 3 mit Dreilitermotor (286 PS), abgeregelt bei 250 km/h Spitze; Preis: 93.500 Mark 1/95 neuer Sechszylinder (2,8/193 PS) für den neuen 328i, der vier Monate später den 325i endgültig ablöst 9/95 M3 mit neuem 3,2-Liter-Triebwerk und 321 PS 9/97 Sport und Exclusiv Edition für 318i, 320i, 328i 8/99 Produktionsende M3 (E36) 3/00 Produktionsende 3er Cabrio (E36) 4/00 Neuauflage auf Basis des E46-Coupé

Schwachstellen • Auspuff-Halter sind uralter BMW-Ärger: Wie beim E 30 rosten die Klammern • Scheinwerfergläser sind nicht immer wasserdicht. Folge: korrodierende Reflektoren • Radlager hinten sind oft kaputt. Billiger: gleich den gan-zen Querlenker austauschen • Radführungsgelenke vorn sind beim Dreier empfindlich, deshalb nicht im Stand, sondern im Fahren einlenken • Zylinderköpfe können bei den 24V-Motoren gelegentlich reißen. Grund: Die ersten Wasserpumpenräder waren aus Plastik, fallen irgendwann ab, Überhitzung ist die Folge • Automatik-Getriebe schalten manchmal auf stur und gehen kaputt - auch wenn BMW das nicht glauben mag

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel BMW 325i Cabrio, 192 PS/ 141 kW, Baujahr 1994. Alte Erkenntnis: Es war schon immer etwas teurer, mit dem blau-weißen Propeller unterwegs zu sein.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der BMW E36 ist ein ausgereiftes Auto, egal ob Limousine oder Cabrio. Solide Technik bedeutet leider auch solide Preise. Selbst 93er Exemplare kosten weit mehr als die Hälfte des Neupreises. Ebenfalls nicht unbeachtlich: die Unterhaltskosten, die schon bei der Teilkasko mit 37 bis 40 am Limit liegen. Dafür gibt es Fahrspaß satt, besonders mit den Sechszylindern, aber auch der kleine 318 zeigt Temperament. Unschön: Die 24V-Motoren fallen vereinzelt durch gerissene Zylinderköpfe auf, eine Krankheit, die schon der E30 kannte. Anfällig sind auch die hinteren Radlager sowie die Radführungsgelenke vorn. Und auch wenn BMW es nicht glauben mag: gebrauchte Automatik-Getriebe sind gesucht – die Nachfrage verrät etwas über deren Standfestigkeit. Unterm Strich aber ist der E 36 viel besser als sein Vorgänger und besticht mit gutem Fahrverhalten und Fahrkomfort." Götz Vogler, BMW-Teilehändler, Hamburg

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