Radlager wechseln: Reparatur und Kosten
Defekte Radlager: Geräusch erkennen, Schaden verhindern!

– Woran erkennt man defekte Radlager, welche Kosten fallen für den Wechsel an, und wie kann man Radlager schonen? Hier kommen alle Infos – ganz einfach erklärt.
Bild: Hersteller
Inhaltsverzeichnis
In der Regel bekommt der Fahrer vom Job der Radlager nichts mit. Denn Autoradlager sind echte Arbeitstiere, halten lange durch. Und so steht nicht jeder Autobesitzer vor der Aufgabe, die Radlager wechseln zu lassen. Obwohl im Fahrbetrieb große Kräfte auf die Radlager eines Autos wirken, halten sie oft über eine Laufleistung von 180.000 Kilometern oder mehr stand.
Beachtlich, denn über diese Distanz rotiert so ein Lager etwa knapp 100 Millionen Mal. Das permanente Drehen und die Belastungen beim Fahren führen jedoch zum Verschleiß. Und dann kommt es dann doch vor, dass man Radlager wechseln lassen muss.
Bei einem kaputten Radlager kommt es zu einem brummenden Geräusch, dass sich je nach Fahrsituation verstärken beziehunsweise abschwächen oder sich die Frequenz des Geräuschs ändern kann. Schäden am Radlager sind im Anfangsstadium nicht leicht zu bemerken, da das Geräusch hier kaum wahrnehmbar ist. In vielen Fällen verstärkt sich die Geräuschentwicklung jedoch nach kurzer Zeit – oft schon nach wenigen Hundert Kilometern. Um festzustellen auf welcher Seite das Lager defekt ist, hilft ein kleiner Trick. Wenn es die Verkehrssituation erlaubt, vor einer Kurvenfahrt in den Leerlauf schalten, um das Motorgeräusch zu reduzieren.

Dieses Radlager (Mitte) ist hinüber. Knapp 100.000 Kilometer hat es gehalten, das ist nicht ungewöhnlich.
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Nimmt das brummende Geräusch der Radlager bei einer Rechtskurve zu, deutet dies auf ein defektes linkes Lager hin, da das linke Radlager bei einer Rechtskurve stärker belastet wird. Nimmt das Geräusch ab, ist vermutlich die rechte Seite defekt, da das rechte Radlager bei einer Rechtskurve entlastet wird. Bei einer Linkskurve verhält sich die Geräuschentwicklung entgegengesetzt. Aber nicht ärgern, wenn Sie das defekte Radlager nicht erkennen können. Selbst Werkstatt-Profis tun sich dabei während einer Probefahrt manchmal schwer.
Profis nehmen nehmen nach der Probefahrt das Auto auf der Hebebühne ohnehin genauer unter die Lupe. Hängen die Räder frei in der Luft, lässt sich das Spiel mit der 12/6-Uhr-Methode prüfen: Dabei werden beide Hände an das Rad angesetzt – oben (12 Uhr) und unten (6 Uhr) – und dann wird versucht, das Rad hin- und herzubewegen. Bemerkt man dann ein deutliches Spiel, ist das ein Indiz auf ein defektes Radlager. Es kann sich allerdings auch um ein defektes Traggelenk handeln. Das Prozedere wird dann analog mit der 3/9-Uhr Methode wiederholt, dabei lassen sich dann auch der Zustand von Spurstangenköpfe oder Querlenker besser beurteilen. Denn mit der 3/9-Uhr-Methode simuliert man die Lenkbewegung und übt entsprechend Druck auf das Spurstangengelenk aus. Spürt man vor allem hier seitliches Spiel und ein Klicken oder Klackgeräusch, deutet das eher auf defekte Spurstangenköpfe hin.
Schließlich dreht man das Rad schnell mit der Hand und achtet dabei auf mahlende oder schleifende Geräusche am Radlager direkt hinter der Felge, im Zentrum des Rads, also dort, wo sich die Radnabe befindet. Diese einfachen Tests kann man natürlich auch selbst durchführen – Hebebühne oder Wagenheber und Unterstellböcke vorausgesetzt.
Für die Profis aus der Werkstatt gilt: Sie prüfen auch (bei ABS-Radlagern) den Sensor und Impulsgeberring – dort können Schäden ebenfalls zu Fehlfunktionen führen. Generell darf das Radlagerspiel weder fühl- noch hörbar sein. Sobald Spiel vorhanden ist, muss das Lager ersetzt werden – allein aus Sicherheitsgründen.
Auch defekte Reifen brummen
Verwechslungsgefahr herrscht besonders bei Profilschäden oder Sägezahnbildung an den Reifen. Auch hier kommt es während der Fahrt zu wummernden oder brummenden Geräuschen. Doch im Gegensatz zu einem Radlagerschaden verändert sich die Intensität des Geräusches bei Kurvenfahrten kaum oder gar nicht.
Ein weiteres mögliches, aber eher seltenes Symptom eines Radlagerschadens kann erhöhter Kraftstoffverbrauch sein, bedingt durch den gestiegenen Widerstand eines defekten Lagers. Zuvor ist aber meist schon eine deutliche Geräuschentwicklung beim Fahren wahrnehmbar. Ein weiteres Anzeichen ist ruckelnde Fahrweise – das ist insbesondere im Lenkrad spürbar.
Besteht der Verdacht eines defekten Radlagers, sollte dies schnellstmöglich in der Werkstatt untersucht werden. Die Folgen eines Defektes können vielfältig sein. So kann das Radlager beispielsweise sehr heiß werden. Gefährlich wird es jedoch, wenn das Problem ignoriert wird. Kommt es dann zu einem totalen Ausfall des Radlagers, setzt es sich so fest, dass das entsprechende Rad plötzlich blockiert. Das kann schon bei niedrigen Geschwindigkeiten verheerende Folgen haben.
Die Materialkosten für ein Radlager liegen etwa zwischen 30 und 100 Euro, für einen Komplettsatz inklusive Radnabe werden 70 bis 200 Euro fällig. Dazu kommt die Arbeitszeit: Viele Werkstätten berechnen eine Arbeitsstunde pro Radlager. Die Gesamtkosten eines Radlagerwechsels summieren sich somit auf mindestens 120 Euro pro Lager. Maßgeblich für die Kosten ist zudem der Schadensumfang. Hat sich der Besitzer mit dem Wechsel des defekten Lagers zu viel Zeit gelassen, kann sich das Radlager festfressen und auch die Radnabe beschädigen.

Radlager werden (wie hier dargestellt) häufig auch als komplette Einheit inklusive Nabe verkauft.
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Das festsitzende Lager muss dann aufwendig gelöst werden. Dies führt neben einem erhöhten Zeitaufwand auch zu zusätzlichem Materialbedarf (neue Radnabe). Im Normalfall lässt sich ein Radlager – je nach Modell – in etwa 45 bis 60 Minuten wechseln. Bei einem festsitzenden Lager kann sich der Zeitaufwand verdoppeln. Daher gilt: Je früher der Schaden in der Werkstatt entdeckt wird, desto günstiger wird die Reparatur.
Ein weiterer Kostenfaktor ist die Qualität der eingesetzten Lager. Hier spart man mit den günstigsten Lagern jedoch meist kein Geld. Billige Radlager von minderwertiger Qualität führen lediglich dazu, dass das Auto bald mit einem erneuten Lagerschaden in der Werkstatt steht.
Am besten beide Lager einer Achse wechseln
Generell empfiehlt es sich auch bei nur einem defekten Radlager, das zweite Lager derselben Achse ebenfalls zu wechseln. Denn es ist davon auszugehen, dass beide Lager in etwa gleich stark beansprucht wurden und somit der Ausfall des zweiten Lagers kurz bevorsteht. So lassen sich Kosten und Zeit sparen.
Radlager sind Bestandteil des Fahrwerks. Ohne sie würde das Auto nicht rollen. Ist ein Lager defekt, verschlechtern sich entsprechend seine Rolleigenschaften. Zum Verschleiß kommt es vornehmlich durch die Axial- und Radialkräfte, die beim Fahren auf die Radlager wirken. Axialkräfte entstehen bei Kurvenfahrten. Radialkräfte treten durch die Drehbewegung beim Antrieb auf. In modernen Autos werden Kugellager oder Kegelrollenlager verwendet. Grundsätzlich bestehen diese Lager aus Rollkörpern, einem Käfig, der die Rollkörper umgibt und einem Innen- und Außenring.

Abgebildet ist ein gebrauchtes Kegelrollenradlager. Anstelle kleiner Kegel kommen in anderen Radlagern auch Kugelrollenlager zum Einsatz.
Bild: AUTO BILD
Die Rollkörper haben entweder die Form einer Kugel oder eines Kegels und die Aufgabe, die auftretenden Kräfte vom Innenring auf den Außenring zu übertragen. Dabei wälzen sie sich auf den Laufbahnen der beiden Ringe ab. Da durch die Drehbewegung der Radlager eine relativ große Reibung entsteht, muss der Bereich der Lager mit einem entsprechenden Fett geschmiert sein. Moderne Radlager sind wartungsfrei, Dichtringe sollen dafür sorgen, dass weder Schmierfett nach außen gelangt, noch Wasser oder Schmutz in das Lager eintritt.
Nichts für Hobby-Schrauber: Radlager sind sensible Bauteile
In modernen Radlagern sind magnetische Impulsgeber integriert. Diese erzeugen das Drehzahlsignal für den Raddrehzahlsensor des Antiblockiersystems (ABS) und des elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP). Die korrekte Einbaurichtung des Lagers ist in einigen Fällen nur mit Hilfe von Detektoren zu ermitteln, die die Position der Impulsgeber verraten. Daneben benötigt man für die ordentliche Montage eines Radlagers Spezialwerkzeug. Aus diesen Gründen, und natürlich auch weil Radlager zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen eines Autos gehören, sollte der Wechsel nur von entsprechend geschulten und erfahrenen Mechanikern durchgeführt werden.
Grundsätzlich sind Radlager sehr langlebig. Allerdings werden die Radlager im Auto je nach Fahrverhalten unterschiedlich beansprucht. So führt eine rabiate Fahrweise zu besonderen Belastungen für die Radlager und entsprechend frühzeitigen Schäden. Ganz besonders leiden Radlager etwa beim Überfahren von Schlaglöchern und Kantsteinen.

Ob Bordsteinkante oder Schlagloch, Radlager leiden besonders bei starken Erschütterungen.
Bild: dpa
Die Wälzkörper können hierbei deformiert werden und das Radlager in der Folge beschädigen. Eine häufige Ausfallursache ist das Eindringen von Wasser. Feuchtigkeit führt zu Korrosion, die Verflüssigung des Fettes zur Überhitzung des Radlagers. Durch die verstärkte Reibung laufen die Lager bald ein. Auch eingedrungener Schmutz kann dem Radlager erheblichen Schaden zufügen.
Um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern, müssen bereits beim Einbau der Lager die Montagehinweise des Herstellers beachtet werden. Ebenso wichtig: Sauberkeit und der passende Schmierstoff beim Fetten der Lager sowie penibel gereinigte Umgebungsbauteile während der Montage. Aufpassen beim Einsatz des Hochdruckreinigers: Auch beim Waschen mit der Hochdrucklanze kann Wasser ins Radlager gelangen.
Dazu reagieren Radlager empfindlich auf Hitze. Hat sich die Bremse festgesetzt oder wird über längere Strecken mit angezogener Handbremse gefahren, kann das Fett im Lager verbrennen, ein schwerer Lagerschaden ist die Folge. Die Wärmeentwicklung kann so stark sein, dass der Reifen auf der Felge zu brennen beginnt. Auch schlecht ausgewuchtete Räder malträtieren durch die permanenten Vibrationen die Radlager. Weitere Ausfallursachen für Radlager: falsch eingestellte Lagervorspannung, schmutziges Fett oder schlecht montierte Fettkappen.
Selbst der Gang in die Werkstatt kann dazu beitragen, dass Radlager Schaden nehmen. Leider kommt beim Wechsel der Bremsscheiben allzu oft der große Hammer zum Einsatz. Um festsitzende Scheiben von der Nabe zu lösen, setzen unerfahrene Schrauber zuweilen grobe Gewalt ein. Dabei wirkt jeder Hammerschlag nicht nur auf die empfindlichen Traggelenke des Fahrwerks. Auch die Radlager verkraften die schweren Hiebe schlecht, denn sie hinterlassen häufig Spuren auf den Laufringen, was mit der Zeit zum Defekt führt.

Kräftige Hammerschläge beim Bremsscheibenwechsel dringen bis zum Radlager durch. Der daraus resultierende Schaden folgt oft mit Verzögerung.
Bild: Götz von Sternenfels
Der resultierende Lagerschaden macht sich meist erst nach einigen Monaten bemerkbar. Der Bremsenwechsel – und damit die wahre Schadensursache – ist dann bereits in Vergessenheit geraten. Sofern ein lockerer Schlag zum Lösen der Bremsscheibe nicht genügt, ist Geduld, Wärme und Rostlöser gefragt. Hilft dies alles nichts, kommt die Flex zum Einsatz. Die alte Bremsscheibe wird dann mit einem Schnitt quer zur Laufbahn aufgetrennt. Der Hammer bleibt aber im Werkzeugkasten.
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