Medien fordern es, Politiker loben es, seine Lobby feuert aus allen Rohren. Doch der Bürger, der es kaufen soll, verschmäht das Ding, und zwar hartnäckig. Noch tröpfeln Hybridautos nur in homöopathischen Dosen auf unsere Straßen. Natürlich hat der Verbraucher das gute Recht, abzulehnen, was nichts bringt und sich nicht rechnet. Andererseits finden sich ja auch Offerten, die den Weg über den Kopf abkürzen und direkt auf den Bauch zielen. Nehmen wir den neuen BMW Active Hybrid 5. Ja wirklich, das Auto heißt so – nicht verschämt 535 h etwa, sondern gleich die volle Botschaft, in Chrom geschrieben, sogar auf dem Dachholm in Augenhöhe. Das reine Ökogewissen sichtbar gemacht, so fördert der Hybridantrieb das Wohlbefinden seines Besitzers schon vor dem Losfahren.

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Video: BMW Active Hybrid 5

Bayern-Öko

Der Trick dieser Variante: Zum Turbosechszylinder des 535i gesellen sich die Pferde des Elektromotors. 306 PS plus 55 PS, als Team bringen es die Antriebe auf insgesamt 340 PS. Das erfreut dann auch traditionelle BMW-Fahrer. Die Alternative zu diesem Powerhybriden in der Businessklasse: Infiniti M35h. Zur Erklärung: Infiniti verhält sich zu Nissan wie Lexus zu Toyota oder Audi zu VW – Technik aus dem Konzernregal also, edler verpackt und teurer. Und warum Infiniti? Weil er Menschen den perfekten Ausweg bietet, die ökobewusst sowie PS-affin sind, aber kein Auto wollen, das an jeder Ecke steht. Keinen 5er zum Beispiel. Sein Steckbrief: 306 Fossil-PS (3,5-Liter-V6) dazu 68 Elektro-PS, macht in der Hybridmischung 364 PS. 62.700 Euro kostet der Infiniti, 65 390 der 5er in der getesteten Version (mit 18-Zoll-Rädern und variabler Stoßdämpfung). Da lässt sich die Sinnfrage nicht ganz ausklammern. So ist ein M35h 3100 Euro teurer als die hybridlose Basis M37 (320 PS). BMW verlangt ausstattungsbereinigt einen Hybridaufpreis gegenüber dem 535i (306 PS) von 5320 Euro.

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Video: Infiniti M35h

Luxus-Hybrid

Die Frage, die sich sofort aufdrängt: Ist der Verbrauchsvorteil des Hybridantriebs wirklich so groß, dass sich das auf absehbare Zeit rechnet? Klare Antwort: Nein, ist er nicht, vor allem weil die Realität einmal mehr von der Prüfstandsnorm abweicht. 8,7 l/100 km schluckt der Infiniti im AUTO BILD-Verbrauchstest, 10,3 l/100 km der BMW. Im jeweiligen Eco-Modus fällt der Spareffekt schon deutlicher aus: 6,9 l/100 km (Infiniti) und 7,1 l/100 km (BMW). Nur: Wer kauft eine Powerlimousine, um dann auf Eco zu bummeln? Die richtige Einstellung des Hybridbesitzers muss also lauten: Keine falschen Verbrauchsvorstellungen hegen, sondern entspannt die sonstigen Vorzüge des Systems genießen. Das leise Schleichen in der Stadt zum Beispiel, rein elektrisches Fahren also. Das funktioniert bei beiden, kurzzeitig zumindest, vorausgesetzt, der Druck aufs Gaspedal gleicht dem Schlag eines Mottenflügels. Etwas stärker, schon mischt der Benziner mit. Schön auch, wie der Elektromotor Zugkraftdefizite bei niedrigen Drehzahlen und beim plötzlichen Gasgeben ausgleicht.
Das gelingt dem BMW noch harmonischer als dem Infiniti, der mitunter unverhofft heftig oder auch mal verzögert reagiert. Äußerst eindrucksvoll desgleichen, wie vehement die Hybridkräfte diese Schwergewichte vorantreiben, zumal den Infiniti. Kraftprotze mit Ökosiegel, so dünkt es einem dann, das kann so falsch nicht sein. Gleichwohl lassen sich die Hybridnachteile nicht unter den Teppich kehren. Gewicht zum Beispiel: Trotz neuester Lithium-Ionen-Batterien sind die Autos bleischwer – 1,9 Tonnen der Infiniti, 1,96 der BMW, 150 Kilo mehr als der Benziner. Weniger Kofferraum bieten sie auch – von 520 auf lächerliche 375 Liter beim 5er, gar nur 350 Liter beim M35h. BMW-Käufer müssen obendrein auf Extras verzichten (Anhängekupplung, Aktivlenkung, Wankausgleich, Durchladesystem und mehr). Was freilich nicht verhindern kann, dass sich der 5er im direkten Vergleich als das kompetentere Angebot entpuppt.

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Video: Infiniti M35h/BMW Hybrid

Oberklasse mit Hybridantrieb

Er trumpft mit den Reizen seines Reihensechszylinders und seiner mustergültigen Achtstufenautomatik auf. Und er bietet mehr Federungskomfort, die präzisere Lenkung sowie die ausgefeiltere elektronische Garnierung, die auch dem Handling in Kurven zugute kommt. Der Hybrid-5er bewegt sich zwar nicht so agil wie seine Modellgeschwister, zumal wenn diese über weitere Fahrwerkoptionen verfügen. Aber er zeigt sich immer noch erheblich fahraktiver als der Infiniti. Der pflegt sich bei sportlichem Fahrstil mittels ASR und ESP schon mal auf Fahrradtempo zu drosseln und irritiert beim Bremsen mit pflaumigem Pedalgefühl. Im Charakter folgt er eher der amerikanischen Schule. Seine Stärke liegt im entspannten Reisen, weich gepolstert und verwöhnt von einer Komplettausstattung, wie sie BMW mit vielen Tausendern Mehrpreis berechnet. Welchen nehmen? In diesem Fall mal den mit dem längeren Schriftzug.

Fazit

von

Wolfgang König
Das bessere Auto heißt BMW, daran lässt der Vergleich überhaupt keinen Zweifel. Aber ist er auch der bessere Hybrid? Was das Zusammenspiel zwischen Benziner und Elektromotor betrifft, wirkt er noch ausgefeilter als der Infiniti, das stimmt. Aber im Verbrauch muss er sich klar geschlagen geben. Einen nennenswerten Hybridvorteil bietet in dem Punkt nur der japanische Konkurrent. Und darum geht es ja letztlich beim Thema Hybrid, oder?